AVIFAUNA – MH

Neuigkeiten

Warum verändert sich der Vogelzug?

Immer mehr südeuropäische ehemalige Langstreckenzieher wie Rötelfalken (aber auch Mehlschwalben, Schwarzmilane u.v.a.) verändern ihr Zugverhalten und überwintern bereits im Mittelmeerraum. Was verursacht diese Veränderungen? Landnutzungswandel und Klimawandel gehören natürlich vermutlich zu den treibenden Kräften, aber verstanden ist das Phänomen noch nicht.

BIRD MIGRATION – Why is it changing?
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Experte in DER FALKE: Windkraft könnte Mäusebussard in Bedrängnis bringen

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Der Zunehmende Ausbau von Windenergieanlagen könnte für den Mäusebussard eine bestandsgefährdende Entwicklung darstellen.
© Andreas Heiland

 

 

Der Ausbau der Windenergie bringt einer neuen Studie zufolge möglicherweise auch den Bestand des häufigsten Greifvogels in Deutschland, des Mäusebussards, in Bedrängnis. In der weltweit bislang größten Untersuchung zu den Kollisionsrisiken von Vögeln mit Windrädern (PROGRESS) kommen die Wissenschaftler auf Basis von Untersuchungen in Windparks in Norddeutschland zu dem Ergebnis, dass selbst bei Betrachtung des Ausbaustands von Windenergieanlagen von 2014 eine „bestandsgefährdende Entwicklung“ für die Art zu befürchten ist.

Im führenden deutschsprachigen Magazin für Vogelbeobachtung DER FALKE äußert sich der an der Studie beteiligte Bielefelder Professor für Verhaltensforschung, Oliver Krüger, erstmals ausführlich zu den Ergebnissen der noch unveröffentlichten Studie: „Der Mäusebussard taucht in den Betrachtungen zur Windenergie bisher überhaupt nicht auf und auch wir hatten das zunächst nicht auf dem Schirm. Das war für uns die große negative Überraschung unserer Studie“, sagte Krüger dem FALKEN (März-Ausgabe) mit Blick auf die mögliche Bedrohung des häufigen Greifvogels durch den Ausbau der Windenergie. „Aber aufgrund der ziemlich hohen Fundzahl (während der Untersuchung) auch im Vergleich zum Rotmilan und anderen Arten war die hochgerechnete Schlagrate tatsächlich so, dass wir schon jetzt einen kritischen Ist-Zustand im überwiegenden Teil der untersuchten norddeutschen Population prognostizieren mussten. Wir haben hier eine potenziell bestandsgefährdende Entwicklung“, sagte Krüger dem FALKEN.

Die Studie könnte damit erhebliche Auswirkungen auf den weiteren Ausbau der Windenergie in Deutschland haben. Denn nach dem Bundesnaturschutzgesetz ist es verboten, „wild lebenden Tieren der besonders geschützten Arten nachzustellen, sie zu fangen, zu verletzen oder zu töten“ oder „sie während der Fortpflanzungs-, Aufzucht-, Mauser-, Überwinterungs- und Wanderungszeiten erheblich zu stören.“ Eine erhebliche Störung wird dabei als vorliegend definiert, „wenn sich durch die Störung der Erhaltungszustand der lokalen Population einer Art verschlechtert“. Darauf gibt es mit der PROGRESS-Studie nun zumindest erhebliche Hinweise.

Das gesamte Interview können Sie bereits vor Erscheinen der gedruckten Ausgabe hier herunterladen

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Studienvorstellung zur schwindenden biologischen Vielfalt: Die (un-)heimliche Artenerosion

Bild zur MeldungZur Vorstellung der Studie „Wir sind dann mal weg — Die (un-)heimliche Artenerosion. Eine agroindustrielle Landwirtschaft dezimiert unsere Lebensvielfalt“ erklärt der Europaabgeordnete und agrarpolitische Sprecher der Grünen/EFA im Europäischen Parlament, Martin Häusling: „Die von mir in Auftrag gegebene und von dem Journalisten Stephan Börnecke verfasste Bestandsaufnahme belegt eindeutig: Der Versuch, über eine Reform der EU-Agrarpolitik den Verlust der Artenvielfalt in Deutschland und Europa wenigstens nur aufzuhalten, ist komplett gescheitert. Die EU-Agrarpolitik ist nur um ein Quentchen verändert worden, da unter anderem selbst in den ohnehin viel zu klein bemessenen ökologischen Vorrangflächen sogar Pestizide eingesetzt werden dürfen. So lässt sich Biodiversität nicht bewahren. Daran haben bislang weder die Nationale Strategie zur biologischen Vielfalt noch das ‚Greening‘ im Zuge der neuen EU-Agrarförderung etwas ändern können.

Sogar das bundeseigene Thünen-Institut, das in dem Dossier zitiert wird, reagiert unmissverständlich auf die Agrarreform: Das Greening, heißt es dort, sei bedauerlicherweise derart verwässert worden, dass von seiner Umsetzung voraussichtlich wenig Positives für die Biodiversität zu erwarten sei.

Die EU-Kommission täte gut daran, mit ihrem Fitness-Check die Umsetzung der bestehenden Naturschutzprogramme zu stärken, anstatt die Richtlinien zu weich zu spülen. Denn nicht die Richtlinien sind für die verfehlten Ziele verantwortlich. Sie wirken und zeitigen dort, wo sie konsequent umgesetzt wurden, sichtbare Erfolge.

Das reicht aber bei weitem nicht. Um die Trendwende im Artenrückgang bis 2020 zu erreichen, sind sowohl die EU-Kommission als auch die Mitgliedsstaaten gefordert, dem Naturschutz mehr Priorität einzuräumen.

Dazu gehört auch, in aller Deutlichkeit den Beitrag der Landwirtschaft am Verlust beziehungsweise den Erhalt der Biodiversität zu bilanzieren. Es zeigt sich ja, dass auch die letzte Agrarreform ihr Ziel verfehlt hat, Subventionen zu ökologisieren. Kein Weg führt daran vorbei, dass hier umgesteuert werden muss.

Der Ökolandbau erfüllt schon heute viele dieser Ziele, nicht aber der konventionelle Landbau. Das bedeutet: Wenn das jetzige System der kaum an Umweltauflagen gekoppelten Direktzahlungen das Ziel, mehr Biodiversität zu schaffen, nicht erfüllt, dann muss das System grundsätzlich in Frage
gestellt werden. Öffentliches Geld darf nur noch für öffentliche Leistungen ausgegeben werden.

Quelle: Pressemitteilung Martin Häusling, 12.1.2016

In die intensiven Recherchen für die Studie wurden auch die gemeinsam von DDA, Bundesamt für Naturschutz und der Länderarbeitsgemeinschaft der Vogelschutzwarten herausgegebenen Statusberichte „Vögel in Deutschland“ einbezogen.

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Vögel in Deutschland aktuell: Rückblick auf den Herbst 2015

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Erlenzeisige kamen im Herbst 2015 früh und zahlreich
© Christopher Plummer

 

 

Nachdem September und Oktober bundesweit vergleichsweise kühl und sonnenscheinarm waren, folgte der wärmste November seit Beginn regelmäßiger Wetteraufzeichnungen im Jahr 1881. Einige ungewöhnliche späte Beobachtungen typischer Langstreckenzieher könnten durchaus die Folge des sehr ungewöhnlichen Verlaufs des zurückliegenden Herbstes sein.

Über Deutschland verlaufen zwei Hauptzugrouten des Kranichs. In unserem Rückblick befassen wir uns diesmal unter anderem mit dem durch einen Temperatursturz ausgelösten, ungewöhnlich frühen Kranichabzug über die südlich Route und vergleichen den Verlauf des herbstlichen Kranichzuges über Hessen, Nordrhein-Westfalen und Bayern in den Jahren 2012 bis 2015.

Darüber hinaus beleuchten wir einmal mehr den vorwiegend Ende August und Anfang September bei uns durchziehenden Mornellregenpfeifer. Zu dieser Art konnten in den letzten Jahren — vor allem auch dank der zahlreichen Meldungen bei ornitho.de — viele neue Erkenntnisse zum Rastverhalten in Deutschland zusammengetragen werden. 2015 war das Rastgeschehen das schwächste seit 2011. Wir haben neben der Gesamtsumme auch die größten Truppstärken, die Rastdauer sowie den Jungvogelanteil betrachtet, um mögliche Gründe dafür zu finden.

Ungewöhnlich früh kam es bereits ab Anfang August 2015 zu einem kontinuierlichen Anstieg der Beobachtungen von Erlenzeisigen, der normalerweise erst im September bemerkt wird. Auch in anderen Ländern West- und Mitteleuropas war der frühe und starke Durchzug von Erlenzeisigen auffällig. Wir vergleichen das jahreszeitliche Auftreten des Erlenzeisigs in Deutschland von Mai bis November der Jahre 2012 bis 2015 und versuchen die frühe und auch individuenstarke Ankunft zu ergründen. Dabei haben wir uns auch die Durchzugsrichtungen der bei ornitho.de gemeldeten Erlenzeisige im Sommer und Herbst 2015 genauer angesehen.

In einem Rückblick auf den Herbst dürfen auch die Seltenheiten nicht zu kurz kommen. Neben einigen mehr oder weniger erwarteten Seltenheiten, gelangen 2015 auch vollkommen überraschende Entdeckungen. Neben Gerfalke, Wüstenregenpfeifer und Isabellsteinschmätzer sind dabei vor allem eine amerikanische Zwergdrossel und eine sibirische Weißbrauendrossel zu nennen. Diese und zahlreiche weitere bemerkenswerte Raritäten stellen wir wie gewohnt in unserem Rückblick vor.

Den Beitrag „Vögel in Deutschland aktuell: Herbst 2015: Frühe Kraniche, späte Mornellregenpfeifer und viele Erlenzeisige“ in der Zeitschrift „Der Falke“ können Sie hier als PDF herunterladen. Alle weiteren Beiträge mit direktem Bezug zu ornitho.de finden Sie unter Publikationen und Auswertungen.

Das komplette Falke-Heft 1/2016 mit vielen weiteren Beiträgen, u.a. zum Stieglitz als Vogel des Jahres 2016, zur Vogeljagd am Mittelmeer, dem Kleiber und den Preisträgern des „Silbernen Uhu“ 2015 können Sie über die Internetseite von „Der Falke“ beziehen.
Viel Spaß beim Lesen wünscht

das Team von ornitho.de und ornitho.lu

Schöner Start in ein neues Vogeljahr in NRW

Schöner Start in ein neues BirdingNRW Jahr!
Gemeinsam mit Jörn Tupay konnte ich heute erst den schönen Ringschnabelerpel am Kieswerk Kaphof in Hückelhoven wiederfinden, dann ging es erfolgreich weiter zu dem Eistaucher im Hafenwendebecken Krefeld und nicht zuletzt durften wir noch einen von Daniel Kemper gestern entdeckten Ohrentaucher auf einer Kiesgrube bei Meerbusch bewundern. Teilweise noch begleitet von großen Trupps Stieglitzen und Wacholderdrosseln in HS über Eisvogel, Schellente und Mittelmeermöwe in KR können wir uns trotz des Wetters über keine schlechte Ausbeute beklagen.

Auf dem ersten Bild „bewacht“ der Erpel eine schlafende Reiherente und einen schlummernden Zwergtaucher. Der Vogel ist sehr wachsam und wie es scheint, immer zum Abflug bereit. Als der Erpel sich ausgiebig putzte konnte von uns an beiden Beinen keine Beringung festgestellt werden.
Fotos mit low-budget-Ausrüstung 😛IMG_3615 IMG_3622

Aktualisierte Informationen über Einflüsse der Windenergienutzung auf Vögel

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© Mathias Putze

 

Seit dem Jahr 2002 trägt die Staatliche Vogelschutzwarte des Landesamtes für Umwelt, Gesundheit und Verbraucherschutz Brandenburg (LUGV) verfügbare Daten zu Kollisionen von Vögeln und Fledermäusen an Windenergieanlagen (WEA) aus ganz Deutschland zusammen. Ziel der Datenbank ist es, die vorhandenen, bundesweit verstreuten Daten über Anflugverluste an WEA zusammenzutragen, durch diese Sammlung zusätzliche Erkenntnisse zu gewinnen und die Einhaltung von Mindeststandards bei der weiteren Datengewinnung und -dokumentation durchzusetzen. Die „Dokumentation Vögel und Windenergienutzung“ auf der Internetseite des LUGV wurde nun aktualisiert und die Informationen und Kollisionszahlen auf den neuesten Stand gebracht.

Bei jeder Art ist jeder Einzelfund nachvollziehbar, so dass jeder selbst überprüfen kann, was bereits gemeldet wurde und was nicht. Ergänzt werden die Daten durch Informationen über Einflüsse der Windenergienutzung auf Vögel. Darin werden für die einzelnen Arten Schutzstatus, Gefährdung durch Kollision, Lebensraumentwertung, Aktionsraum, Abstandsregelungen und hilfreiche Literaturhinweise zusammengefasst. Unterstützen Sie die Datensammlung durch die Meldung von Kollisionsopfern oder weiterer hilfreicher Publikationen zu dem Thema!

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Bitte auf farbberingte Dohlen achten

Liebe Vogelbeobachter/-innen,

Frohe Weihnachten. Wer in den nächsten Tagen und Wochen Vögel beobachtet, möchte bitte auf farbberingte Dohlen achten. Im Rahmen meiner Arbeit an der Universität Lund, Schweden, habe ich in den letzten 2 Jahren mehr als 240 Jungvögel und 51 Altvögel in einer Kolonie in Südschweden farbberingt. Zumindest ein Teil der Jungvögel zieht im Winter nach Süden und verlässt Schweden. Im letzten Jahr hat ein Jungvogel nachweislich erfolgreich in Schleswig-Holstein überwintert. Es ist daher nicht ausgeschlossen, dass farbberingte Vögel auch in Niedersachsen oder NRW auftauchen. Daher bitte ich alle Beobachter/-innen Dohlentrupps im Winter auf farbberingte Individuen zu kontrollieren. Jungvögel haben am linken Bein einen gelben Farbrbing mit einem schwarzen Nummer. Am rechten Bein tragen sie ausser dem Metalring einen unbeschrifteten Farbring. Altvögel haben einen gelben Ring mit einem Buchstaben am rechten Bein, sowie zwei Farbringe am linken Bein.

Beobachtungen von farbberingten Vögeln bitte an arne.hegemann@biol.lu.se

Vielen Dank und die besten Wünsche für ein gesundes und glückliches 2016

Arne Hegemann

Baumfalke trug dazu bei, sechs Windräder in Bayern zu verhindern

Das Bayerische Verwaltungsgericht Augsburg hat am 02. Juli 2015 zwei Klagen von Planern auf
Erteilung einer Genehmigung für insgesamt sechs Windräder bei Wallerdorf, Stadt Rain,
abgewiesen (Aktenzeichen Au 4 K 13.567 Enercon GmbH und Aktenzeichen 4 K 14.795 Windpark
Wallerdorf Projekt GmbH & Co. KG).

Das Urteil ist zumindest für Bayern wegweisend und wird die oftmals fragwürdige
Genehmigungspraxis von Windrädern künftig erschweren. Die Entscheidung des VG
Augsburg stärkt die verwaltungsrechtliche Bedeutung von Beobachtungen und
Aufzeichnungen örtlicher Naturschützer über das Vorkommen gefährdeter Vogel- und
Fledermausarten im Umfeld geplanter Windradstandorte.

Das örtlich zuständige Landratsamt Donau-Ries hatte zuvor die Anträge der Windradprojektierer
abgelehnt, weil durch die geplanten Windkraftanlagen das Kollisions- und Tötungsrisiko der
geschützten Vogelarten Baumfalke, Rotmilan, Schwarzmilan und Wespenbussard mit den
Rotorblättern signifikant erhöht gewesen wäre. Die Windradplaner reichten daraufhin Klage am VG
Augsburg gegen das Landratsamt ein.

Besonders hervorzuheben ist die höchst gewissenhafte und verantwortungsvolle Prüfung des
Landratsamtes Donau-Ries: Es hat nicht nur die von den Betreibern vorgelegte spezielle
artenschutzrechtliche Prüfung (saP), sondern auch das umfangreiche Beobachtungsmaterial der
Bürger, insbesondere auch deren Videobeweise, zur Entscheidung zugelassen und
naturschutzfachlich korrekt bewertet.

Die Behörde kam letztendlich zu dem Schluss, dass die Vogelbeobachtungen der Bürger so aussagekräftig seien, dass der Bau von Windrädern
abzulehnen ist. Das VG Ausgburg akzeptierte in seinem Urteil die Ablehnung des Bauantrages durch das Landratsamt.

Urteil VG Augsburg:

http://www.umwelt-watchblog.de/wp-content/uploads/Urteil-VG-Augsburg.pdf

40 Fälle von Greifvogelverfolgung im Zusammenhang mit Windkraftanlagen

In bislang 40 Fällen aus den Jahren 2010 bis 2015 besteht
dringender Verdacht auf die illegale Zerstörung von Großvogelhorsten
oder gar die Tötung der Vögel in Zusammenhang mit bestehenden und
geplanten Windkraftanlagen. Dies ergibt eine erste Auswertung von
Meldungen illegaler Greifvogelverfolgung in Deutschland.

Die nun ausgewerteten Meldungen zeigen eine ganz neue Dimension der
illegalen Greifvogelverfolgung im Umfeld von Windkraftanlagen. Um eine
Gefährdung von Vogelarten auszuschließen, müssen für Windkraftanlagen
bestimmte Mindestabstände zu den Horsten einhalten werden. Das
sogenannte „Helgoländer Papier“ der staatlichen Vogelschutzwarten hat
dazu erst kürzlich fachlich fundierte Werte ermittelt. Um
Windkraftanlagen trotzdem bauen zu können, werden daher offensichtlich
häufig Horste der Vögel zerstört. Oft wird dazu einfach der Horstbaum
der betroffenen Arten abgesägt, bei anderen Fällen werden die Horste
vorsichtig Zweig für Zweig abgetragen, um keine Spuren zu hinterlassen.

In bisher zehn Bundesländern wurden Fälle registriert. Besonders
betroffen sind windkraftsensible Arten wie Rotmilan, Seeadler,
Schreiadler und Schwarzstorch. Viele Fälle wurden zur Anzeige gebracht.
Die Naturschützer gehen von einer sehr hohen Dunkelziffer aus. Um in
Zukunft Täter überführen zu können, erwägt der NABU den vermehrten
Einsatz automatischer Kameras an gefährdeten Horststandorten.

Warum singen manche Vogelarten im Herbst?

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Unter unseren heimischen Arten fällt vor allem das Rotkehlchen durch intensiven Herbstgesang auf.
© Jan Goedelt

 

Singvögel nutzen ihren Gesang allgemein im Frühjahr zur Partnerfindung und Revierabgrenzung. Von einigen Arten ist jedoch auch eine Gesangsaktivität im Herbst bekannt, deren Gründe oftmals nicht auf der Hand liegen. Im internationalen Wissenschaftsblog SciLogs wurde den Geheimnissen des Herbstgesanges nun anhand von Beispielen amerikanischer Vogelarten auf den Grund gegangen. Demnach können drei verschiedene physiologische Mechanismen für den Herbstgesang von Vogelarten in den gemäßigten Breiten verantwortlich sein.

Der Star ist in der Paläarktis von West- und Nordeuropa bis zum Baikalsee verbreitet, wurde jedoch unter anderem in Nordamerika eingebürgert. Eingebürgerte Vögel zeigen jedoch oft kein oder nur eingeschränktes Wanderverhalten, sodass sich die Feststellungen in Amerika vermutlich nur bedingt mit europäischen Verhältnissen vergleichen lassen.
Nachdem die Vögel ihre jährliche Mauser abgeschlossen haben, kann bei nordamerikanischen Staren ein Anstieg des Testosteronspiegels festgestellt werden. Ein erhöhter Wert des Sexualhormons Testosteron im Blutplasma steht bei vielen Vögeln mit Gesang und territorialem Verhalten in Zusammenhang. Beim Star wird angenommen, dass die Brutsaison der Vögel bereits in den Herbstmonaten beginnt und die Stare versuchen, die besten Brutplätze zu besetzen. Während Stare im Süden der USA ganzjährig brüten, wird dieser Vorgang in nördlicheren Breiten und höheren Lagen jedoch offenbar durch die geringere Tageslänge unterdrückt. Erst im Frühjahr setzt das Verhalten mit steigender Tageslänge wieder ein. Ein ähnliches Verhalten ist für die dort ebenfalls eingebürgerten Haussperlinge bekannt.

Ein weiterer Herbstgesang erklärender physiologischer Mechanismus ist bei der Dachsammer zu finden. Im Gegensatz zu Staren oder Haussperlingen sind Dachsammern in Herbst und Winter nicht photosensitiv, was bedeutet, dass sie physiologisch keinerlei Reaktion auf eine Änderung der Tageslänge zeigen. In der Regel führt eine Verlängerung der Tageslänge zu einem Anstieg des Testosteron- oder Östrogenspiegels im Blut der Vögel. Diese Konzentrationen führen zum territorialer Aggression und Gesangsaktivität. Wissenschaftliche Studien haben jedoch gezeigt, dass Gesang — allerdings ohne territoriale Aggressivität — bei Dachsammern offenbar unabhängig vom Hormonspiegel der Vögel auftritt und sowohl Männchen als auch Weibchen und Jungvögel ganzjährig singen. Die Gründe liegen in diesem Fall im Sozialverhalten der Vögel. Dachsammern finden sich im Winter zu großen Schwärmen zusammen. Der Gesang wird dabei offenbar zur Feststellung der Rangordnung innerhalb der Trupps genutzt.

Ein dritter physiologischer Mechanismus wurde erst kürzlich bei Singammern entdeckt. Singammern sind zwar nah mit Dachsammern verwand, zeigen jedoch ein komplett unterschiedliches Verhalten. Sie zeigen kein Wanderverhalten und bilden keine Trupps. Stattdessen finden sich zwei bis drei Vögel geschlechtsunabhängig zusammen, um gemeinsame Winterreviere zu bilden, die nicht unbedingt den Brutplätzen entsprechen müssen. Ob es sich dabei zumindest teilweise um Partner oder Verwandte handelt ist bislang nicht geklärt. Singammern verhalten sich das ganze Jahr über territorial und grenzen auch ihre Winterreviere durch Gesang ab. Während der Herbstmonate konnte bei Singammern ein Anstieg des Steroidhormons DHEA festgestellt werden. In der Regel ist dieses Hormon bei Vögeln inaktiv und kaum nachweisbar, es kann jedoch durch bestimmte Enzyme aktiviert werden, was bei Singammern im Herbst offenbar der Fall ist und zu einer gesteigerten Gesangsaktivität führt. In Experimenten konnte die Gesangaktivität durch Zugabe oder biochemische Deaktivierung von DHEA gesteigert oder gehemmt werden. Auch bei der Wanderdrossel wird dieses Phänomen als Erklärung für den intensiven Herbstgesang der Art vermutet.

Herbstgesang bei Singvögeln kann also unterschiedlich begründet sein. Neben einer bereits im Herbst beginnenden und in den Wintermonaten durch geringe Tageslänge unterdrückten Brutsaison kann der Gesang der Feststellung der Rangordnung in winterlichen Trupps dienen oder durch bislang wenig erforschte hormonelle Veränderungen hervorgerufen werden. Es ist anzunehmen, dass es noch weitere physiologische Mechanismen für das Phänomen Herbstgesang gibt. Auch die Gründe für spezielle Hormonanreicherungen sind oftmals noch unbekannt.

Der Frage wann unsere Singvögel singen, wurde anhand der Daten von ornitho.de auch in der Januar-Ausgabe 2014 der Zeitschrift „DER FALKE“ nachgegangen. Den Beitrag kann man hier kostenlos herunterladen.

Quelle: SciLogs.com, 1.11.2015

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