Archiv des Autor: P. Kretz

Vergiftete Wildgänse in Mecklenburg-Vorpommern: Folgen für Agrarbetrieb

Bild zur Meldung
Zahlreiche Gänse sind an Mäusegiftkördern verendet
© Ralf Kistowski

 

 

Nach dem Tod von rund 150 Wildgänsen am Salzhaff in Mecklenburg-Vorpommen (siehe Nachricht vom 10.11.2015) haben die Behörden ein Ordnungswidrigkeitenverfahren gegen den Landwirtschaftsbetrieb eingeleitet, auf dessen Gelände Mäusegift unsachgemäß ausgelegt worden war. Außerdem muss das Unternehmen mit einem Abzug finanzieller Zuwendungen rechnen, wie Agrarminister Till Backhaus (SPD) am 19. November im Landtag in Schwerin sagte. Das Gift lag nach seinen Worten auf der Oberfläche und war nicht, wie vorgeschrieben, tief in die Mauselöcher geschoben worden. Bauern müssen das Auslegen von Giftködern beantragen. Auch dies sei in diesem Fall nicht erfolgt, sagte der Minister. In der Nähe der Haffpromenade des Ostseebades Rerik im Landkreis Rostock waren seit Anfang November fast täglich tote Vögel gefunden worden.

Quelle: Schweriner Volkszeitung, 20.11.2015

Rotmilanprojekt Land zum Leben: erste Erfolge

Bild zur Meldung
Frisch geschlüpfte Küken in einem Rotmilannest im Projektgebiet Göttingen warten auf Futter. Nach Umsetzung der im Projekt vorgesehenen Maßnahmen sollen sie keinen Hunger mehr erleiden
© Eckhard Gottschalk

 

Die Situation des Rotmilans in Deutschland zu verbessern, ist Ziel des bundesweiten Artenschutzprojektes „Land zum Leben“, das der DDA gemeinsam mit dem Deutschen Verband für Landschaftspflege (DVL) und der Deutschen Wildtier Stiftung durchführt. Seit 2013 untersucht der DDA mit Unterstützung verschiedener Artexperten im Rahmen des Projektes das Nahrungsangebot und die Raumnutzung der Greifvogelart in Deutschland. Ihr Lebensraum setzt sich zusammen aus einem abwechslungsreichen Mosaik aus Wald- und Offenlandschaft. Land- und Forstwirtschaft spielen bei der Erhaltung des Rotmilans daher Schlüsselrollen. Artenschutz und Landnutzung in Einklang zu bringen, wird in insgesamt neun Projektgebieten getestet. Wie steht es um den Schutz der eleganten Greifvogelart in Deutschland, von der wir mehr als die Hälfte der weltweiten Population beherbergen? Erste Erfolge des Projekts beschreibt der DDA in der aktuellen Ausgabe der Zeitschrift DER FALKE. Den Artikel können Sie bereits vor Erscheinen der gedruckten Ausgabe hier herunterladen.

Vielen Dank für Ihre Unterstützung!

Die bisherige Resonanz zum Rotmilanprojekt Land zum Leben war überwältigend. Herzlichen Dank für die vielen interessierten Nachfragen, Anregungen und Spenden!
Auch wenn das Projekt überwiegend aus Mitteln der öffentlichen Hand finanziert wird, muss der DDA einen nicht unerheblichen Teil der Kosten selbst aufbringen. Die ersten Ergebnisse beweisen sehr eindrucksvoll, dass es sich lohnt! Deshalb sind wir auch weiterhin auf Ihre Spenden angewiesen.

Spenden Sie ganz einfach online unter www.dda-web.de/rotmilan/spende. Die Ergebnisse unserer Arbeit dienen unmittelbar dazu, die Rotmilan-Maßnahmen und deren Umsetzung zu optimieren, um die Bestandssituation unseres „heimlichen Wappenvogels“ in den Projektgebieten und darüber hinaus hoffentlich schon bald zu verbessern.

Logo Bundesprogramm Biologische Vielfalt

Das Projekt wird im Rahmen des Bundesprogramms Biologische Vielfalt durch das Bundesamt für Naturschutz mit Mitteln des Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit gefördert. Der DDA bedankt sich außerdem bei der Stiftung Naturschutz Thüringen für die Förderung der wissenschaftlichen Begleituntersuchungen.

Logo BfN Logo BMUB Logo SNT

Weitere Informationen

 

RSPB veröffentlicht neuen Bericht zu Auswirkungen des Klimawandels

Bild zur Meldung
© RSPB

Der neue Bericht „The Nature of Climate Change“ der Royal Society for the Protection of Birds (RSPB) zeigt, dass die Tierwelt Europas bereits heute von Klimaveränderungen betroffen ist und sich die Auswirkungen im Laufe dieses Jahrhunderts voraussichtlich noch verstärken werden. Eine Umfrage zeigt, dass sich die Briten mehr Sorgen über negative Auswirkungen der Klimaerwärmung auf die Tierwelt machen, als über alle übrigen Aspekte des Klimawandels.

In dem Bericht werden anschauliche Beispiele genannt, in denen Effekte von Klimaveränderungen schon heute deutlich spürbar sind. So haben Extremwetterlagen in den vergangenen Jahren deutlich zugenommen. Nasse und stürmische Bedingungen können zu starken Brutverlusten u.a. bei der Krähenscharbe führen, von der rund 45% der Weltpopulation in Großbritannien brüten. Nahrungsquellen verändern sich ebenfalls im Zuge klimatischer Veränderungen. Durch zeitliche Verschiebungen der Planktonblüte hat sich die Nahrungsverfügbarkeit für viele Meeresbewohner deutlich verändert. Unter anderem wird der massive Rückgang der britischen Dreizehenmöwenbestände in den letzten Jahrzehnten damit in Zusammenhang gebracht.

Doch längst nicht nur Vogelarten sind vom Klimawandel betroffen. Ein Drittel aller Hummelarten Europas könnte bis zum Jahr 2100 bis zu 80% ihrer aktuellen Verbreitung einbüßen. Vor allem ein Mangel geeigneter Habitate lässt den Arten keine Chance ihre Areale zu verlagern. Viele neue Arten breiten sich nordwärts aus und können zum Verdrängen einheimischer Arten führen. Seit Beginn des 20. Jahrhunderts wurden mindestens 120 neue Tierarten in Großbritannien nachgewiesen.

79% aller Briten sorgen sich um die Auswirkungen von Klimaveränderungen auf die Tierwelt Großbritanniens. Diesem Aspekt kommt damit eine größere Bedeutung zu als Überflutungen (72%), Hitzeperioden (50%) oder einem Anstieg der Nahrungsmittelpreise (60%).

Der neue Report vermittelt die eindeutige Botschaft, dass es höchste Zeit ist, die Klimaerwärmung zu minimieren. Darüber hinaus muss ein Netz von Schutzgebieten Möglichkeiten für die Tierwelt gewährleisten, auf den Klimawandel durch Arealveränderungen reagieren zu können. Der Bericht „The Nature of Climate Change“ kann auf der Internetseite der RSPB kostenlos heruntergeladen werden. In Kürze will auch BirdLife International einen neuen Bericht über die Einflüsse des Klimawandels auf die Vogelwelt veröffentlichen.

Weitere Informationen

 

Vergiftete Wildgänse jetzt auch an der Nordseeküste?

Bild zur Meldung
Auch an der Nordseeküste wurden in den vergangenen Tagen tote Wildgänse gefunden. Ein Zusammenhang mit den mutmaßlichen Vergiftungen in Mecklenburg-Vorpommern liegt nahe.
© Neele Carina Peters/beachexplorer.org

 

 

An den Stränden Nordfrieslands werden seit einigen Tagen Dutzende von toten Blässgänsen angespült. Allein auf Sylt wurden 30 — 40 Exemplare gemeldet. Die Tiere sind möglicherweise Ende Oktober bei einer Zwischenlandung in Mecklenburg vergiftet worden (vgl. Newsmeldung vom 10.11.15) und auf dem Weiterflug über der Nordsee verendet.

Der Sylter Meeresbiologe Lothar Koch meldete die ersten Beobachtungen von toten Blässgänsen am 8. und 9. November bei Rantum. Zeitgleich wurde ein Fund aus Westerhever im Strandfund-Portal BeachExplorer.org eingetragen. Die Schutzstation Wattenmeer kontrollierte daraufhin verschiedene Sylter Strandabschnitte und barg eine der toten Gänse zur Untersuchung. „Der sezierte Vogel war etwa zehn Tage tot, stark abgemagert und hatte keine Flugmuskeln mehr. So etwas gibt es hier um diese Jahreszeit normalerweise nicht“, erläutert der Biologe Rainer Borcherding von der Schutzstation Wattenmeer. Bei dem überaus milden Herbstwetter queren die Wildgänse die Deutsche Bucht eigentlich problemlos und landen im südlichen Wattenmeer, am Niederrhein oder weiter westlich in den Niederlanden.

Am Salzhaff in der Wismarer Bucht (Mecklenburg-Vorpommern) hat es Ende Oktober ein Massensterben von Wildgänsen gegeben, die mutmaßlich an unsachgemäß ausgebrachten Wühlmaus-Bekämpfungsmitteln gestorben sind. Da dieses mit dem mutmaßlichen Todeszeitpunkt der nun an der Nordsee angespülten Gänse übereinstimmt, vermutet die Schutzstation Wattenmeer einen Zusammenhang.

Hierzu Rainer Borcherding: „Blässgänse ziehen von Sibirien westwärts bis nach Norddeutschland, Holland und Belgien. Dieser Herbst war so mild, dass kein natürlicher Grund erkennbar ist, warum hier Hunderte von Gänsen vom Himmel fallen sollten. Wenn wir 50 am Strand haben, ist sicher die zehnfache Zahl auf See gestorben.

Funde von tot angespülten Gänsen oder andere besondere Beobachtungen können jederzeit über die kostenlose App „BeachExplorer.org“ der Schutzstation Wattenmeer gemeldet werden:
www.beachexplorer.org

Quelle: schutzstation-wattenmeer.de, 10.11.2015

NABU und OAG Schleswig-Holstein kritisieren Freiwillige Vereinbarung zum Schutz von Schweinswalen und Tauchenten auch nach Unterzeichnung der Fortschreibung

Bild zur Meldung
NABU und OAG Schleswig-Holstein kritisieren Freiwillige Vereinbarung zum Schutz von Schweinswalen und Tauchenten auch nach Unterzeichnung der Fortschreibung
© Johan Stenlund

 

Die Freiwilligen Vereinbarung trat vor zwei Jahren in Kraft, nachdem das Ministeriums überraschend die Landesküstenfischereiverordnung nicht wie zuvor im Koalitionsvertrag festgeschrieben reformierte. „Fachlich entspricht diese Freiwillige Vereinbarung nicht den Erfordernissen für einen wirksamen Schutz der Meeresvögel und Schweinswale an unserer Ostseeküste. Fraglich ist, ob die EU-Kommission diesen faulen Kompromiss auf Dauer mittragen wird. Viele der vom Beifang betroffenen Arten sind nicht nur national, sondern auch europarechtlich geschützt“, so Hermann Schultz, Vorsitzender des NABU-Schleswig-Holstein.

Nach Ansicht der Experten von NABU und Ornithologischer Arbeitsgemeinschaft Schleswig-Holstein ist die gewählte Flächenkulisse für temporäre Fischereiverbote auch nach der jetzigen Fortschreibung bis Ende 2019, einer Erweiterung des Gültigkeitsbereichs sowie der Ausweisung zwei weiterer Schutzgebiete deutlich zu klein. „Es gibt großflächige Wasservogelrastgebiete, die von dieser Vereinbarung nicht berührt werden, z.B. der Flüggesand vor der Westküste Fehmarns in vollständiger Ausdehnung. „Die diesjährigen Wasservogelzählungen haben zudem gezeigt, dass sich bereits Mitte Oktober Tausende von Rastvögeln, u.a. 32.000 Eiderenten, auf dem Flüggesand aufgehalten haben. Die zeitliche Befristung der Vereinbarung gilt aber erst ab Mitte November“, kritisiert, Bernd Koop, Avifaunistischer Leiter der OAG. Im vergangenen Frühjahr zeigte sich, dass auch das Ende des freiwilligen Stellnetzverzichtes viel zu früh gesetzt ist. Auch seien die personellen Kapazitäten zur Überwachung der freiwilligen Maßnahmen nach Auffassung der Umweltverbände zu gering. Verstöße würden weder vollständig erfasst und dokumentiert noch sanktioniert. Das zeigten Beobachtungen immer wieder.

Neben den Verlusten in Stellnetzen belasten in den Winter- und Frühjahrsmonaten auch andere massive Störungen die für den gesamten Ostseeraum bedeutenden Wasservogelansammlungen vor Schleswig-Holsteins Ostseeküste. Dazu gehören etwa schnelle Angelboote und Kite-Surfer. Viele der nach FFH- und Vogelschutzrichtlinie geschützten Gebiete sind für überwinternde Wasservögel nicht vollständig nutzbar. Sie bestehen weitgehend nur auf dem Papier, ein regulierendes Management menschlicher Aktivitäten findet kaum statt. Das gelte für alle deutschen Meeresschutzgebiete.

Der fehlende Schutz macht auch Deutschlands einzigem heimischen Wal, dem Schweinswal, schwer zu schaffen. Hier sieht die Freiwillige Vereinbarung Ausschlussgebiete in den Sommermonaten vor, wenn die Wale ihre Kälber aufziehen. „Das reicht nicht aus. Schweinswale sind ganzjährig an unseren Küsten anzutreffen — auch außerhalb der viel zu kleinen, geschlossenen Gebiete“, so Schultz.

Für den NABU und die OAG kann die Freiwillige Vereinbarung mangels Effektivität keine ordnungsrechtlichen Fischereimaßnahmen in Meeresschutzgebieten ersetzen, sondern diese höchstens unterstützen. Die Verbände fordern seit langem zeitliche und räumliche Fischereiverbotszonen und eine Neuausrichtung der Küstenfischerei in der Ostsee. Um Fischern und geschützten Meerestieren eine Zukunft zu geben, müssen alternative, umweltschonende Fanggeräte weiter entwickelt und zum Einsatz gebracht werden. Der NABU arbeitet dabei seit mehreren Jahren im Rahmen eines Forschungsprojektes des Bundesamtes für Naturschutz sehr konstruktiv mit schleswig-holsteinischen Fischern zusammen.

Darüber hinaus brauchen wir eine bessere Datenbasis zum Fischereiaufwand und zu den beigefangenen Walen und Vögeln. Das erreichen wir aber nur durch verbesserte Logbuchpflichten“, so Schultz. Die meisten aktiven Fischer sind dem Nebenerwerb zuzuordnen. Anders als ihre hauptberuflichen Kollegen unterliegen sie nicht den Protokollpflichten der europäischen Fischereipolitik. Nebenerwerbsfischer müssen lediglich als Monatsmeldung die maximale Fangmenge nachweisen. „Damit lassen sich weder die ausgebrachte Stellnetzlänge, noch Beifänge nachvollziehen. Wenn die Fischer es ernst meinen mit dem Miteinander von Naturschutz und Fischerei, dann wäre ein elektronisches Logbuch der Haupt- und Nebenerwerbsfischer ein erster wichtiger Schritt. In Zeiten des flächendeckenden Einsatzes von Smartphones wäre dies problemlos möglich“, so der NABU. Denn immer wieder scheiterten in der Vergangenheit echte Maßnahmen an der unzureichenden Datenbasis, würden sich Fischer und Naturschützer um reale Beifangzahlen streiten. „Erst wenn die Freiwillige Vereinbarung aus dieser Sackgasse herausführt wächst auch die Akzeptanz des Naturschutzes“, so NABU und OAG.

Quelle: Pressemitteilung des NABU-SH vom 9.11.2015

Weitere Informationen

 

 

Vergiftungsverdacht durch Mäusegift bei Wildgänsen

Bild zur Meldung
Mitte November soll der Befund vorliegen, ob tatsächlich Wildgänse durch Giftköder getötet wurden.
© Ralf Kistowski

 

 

 

 

In den vergangenen zwei Wochen wurden im nördlichen Teil des Salzhaffes im Nordosten der Mecklenburger Bucht ca. 150 Wildgänse tot aufgefunden. Ein Teil davon wurde durch Angehörige des zuständigen Veterinär- und Lebensmitteluntersuchungsamtes zur Untersuchung in das Landesamt für Landwirtschaft, Lebensmittelsicherheit und Fischerei (LALLF) gesandt, wobei zunächst die Abklärung von Vogelgrippefällen im Vordergrund stand. Dies konnte bisher ausgeschlossen werden. Sind die ersten untersuchten Tiere noch durch verschiedene Ursachen verendet, erhärtet sich bei Proben seit dem 3. November der vorläufige Verdacht eines Vergiftungsgeschehens durch eine Intoxikation durch Zinkphosphid.

Von elf Tieren wurden seit gestern Proben bzw. Mageninhalt zu einem amtlichen Fachlabor nach Göttingen zur Untersuchung auf Zinkphosphid versandt. Außerdem wurden im eigenen Labor des LALLF die Lebern und der Mageninhalt von mindestens fünf Tieren auf Zink untersucht. Die heute vorliegenden Befunde ergeben kein einheitliches Bild, so dass zur Bestätigung des o.g. Verdachtes der toxikologische Befund aus Göttingen abgewartet werden muss. Dies kann ca. 10 Tage in Anspruch nehmen.

Bei Zinkphosphid handelt es sich um einen Wirkstoff, der zur Schadnagerbekämpfung eingesetzt wird, z.B.in der Landwirtschaft auch zur Bekämpfung von Feldmäusen, wobei die Anwendung von Zinkphosphidködern direkt in die Mäuselöcher mit anschließender Abdeckung erfolgen muss. Eine unverdeckte Ausbringung ist gesetzlich verboten, da so Wildtiere die Köder aufnehmen könnten.
Das LALLF hat unter Mithilfe von Naturschutzbehörden und Ornithologen die bekannten Rastplätze von Wildgänsen in der Nachbarschaft zum Salzhaff und die weitere Umgebung mit dem Ziel untersucht, die Vergiftungsquelle zu finden und zu beseitigen. Die Ermittlungen dauern zur Stunde an. Nähere Informationen können aus ermittlungstaktischen Gründen vorerst nicht gegeben werden.

Da auch in weiteren Bundesländern Giftweizen gegen Mäuse eingesetzt wird, sollten alle Vogelbeobachter die Augen offen halten und mögliche Vergiftungsfälle möglichst umgehend den zuständigen Naturschutzbehörden und den Vogelschutzwarten melden.

Quelle: Pressemitteilung des Ministeriums für Landwirtschaft, Umwelt und Verbraucherschutz Mecklenburg-Vorpommern vom 6.11.15

Dänemark statt Niederlande: Kurzschnabelgänse ändern ihre Zugstrategie

Bild zur Meldung
Die Zahl der Kurzschnabelgänse an den traditionellen Rastplätzen in den Niederlanden ist in den letzten Jahren stark zurückgegangen
© Hans Glader

 

 

Der Südwesten der niederländischen Provinz Friesland gehört traditionell zu den wichtigsten Regionen für Kurzschnabelgänse in Europa. In diesem Jahr konnten bei der Wasservogelzählung der Organisation Sovon Vogelonderzoek Nederland Mitte Oktober jedoch gerade einmal rund 2200 Kurzschnabelgänse gezählt werden — der niedrigste Wert der vergangenen 30 Jahre. Bis vor etwa fünf Jahren waren in der Region schon einzelne Trupps dieser Größenordnung anzutreffen. Der niedrige Wert der aktuellen Zählung passt jedoch zum Trend der letzten Jahre.

Seit 2009 sind die Bestände der Kurzschnabelgans in den Niederlanden um rund 20% pro Jahr gesunken. Der Oktober war stets der Monat mit dem höchsten Rastbestand (z.B. 2009 noch rund 40.000 Vögel). Entgegen des negativen Trends der niederländischen Rastbestände hat die Population der Kurzschnabelgans im selben Zeitraum zugenommen. Die bedeutet, dass ein zunehmend kleinerer Anteil der Population bis in die Niederlande zieht. Während 2009 noch rund 60% aller Kurzschnabelgänse dort rasteten, lag der Anteil im Oktober 2015 bei weniger als 5%.

Gänse sind für eine hohe Rastplatztradition bekannt, zumindest einige Arten scheinen jedoch flexibel auf veränderte Bedingungen reagieren zu können. Der Bestandsrückgang in Friesland geht mit einem starken Anstieg der Zahlen in Dänemark einher. Dort entdeckten die Kurzschnabelgänse offenbar in den letzten Jahren das reiche Angebot an Maisstoppeln im Herbst. In Dänemark stiegen jedoch nicht nur die Anzahlen der Gänse, auch die Rastplätze dehnten sich deutlich weiter aus. Lagen diese bislang in einem schmalen Streifen entlang der Westküste, reichen sie nun bis zu 40 Kilometer ins Inland. Allabendlich suchen diese Gänse in beeindruckenden Trupps die Schlafplätze im dänischen Wattenmeer und an der Küste auf.

Dänemark wurde von den Kurzschnabelgänsen bislang vorwiegend als Überwinterungs- oder Zwischenrastplatz auf dem Weg in die Brutgebiete Spitzbergens aufgesucht, während sich die Vögel von Oktober bis Dezember in den Niederlanden und Belgien einfanden. Diese Zugstrategie scheint sich in den letzten Jahren verändert zu haben. Das Beispiel der Kurzschnabelgans zeigt eindrucksvoll wie sich Veränderungen in der Landnutzung auf Vogelarten und deren Zugverhalten auswirken können.

Quelle: Sovon.nl, 5.11.2015

Bundesumweltministerium startet neue „Naturschutz-Offensive 2020“

Bild zur MeldungMitte Oktober wurde im Rahmen des 7. Nationalen Forums zur biologischen Vielfalt das neue Handlungsprogramm des Bundesumweltministeriums (BMUB) „Naturschutz-Offensive 2020“ vorgestellt. Die Naturschutz-Offensive soll die Umsetzung der Nationalen Strategie zur biologischen Vielfalt bis zum Jahr 2020 deutlich voranbringen. Das Programm des BMUB macht klar, in welchen Handlungsfeldern die größten Defizite bestehen und bis zum Jahr 2020 verstärkte Anstrengungen zur Erhaltung der biologischen Vielfalt von welchen Akteuren erforderlich sind. Auf der Basis einer Priorisierung der Ziele der Nationalen Strategie werden in zehn Handlungsfeldern insgesamt 40 konkrete Maßnahmen formuliert.

 
Unter anderem wird darin der nicht zuletzt durch die Ergebnisse des 2014 veröffentlichten Bericht zur EU-Vogelschutz- und Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie aufgezeigte Handlungsbedarf zum Schutz der biologischen Vielfalt dargestellt. Mit einer Initiative in der Umweltministerkonferenz zielt das BMUB darauf ab, den Grünlandschutz bundesweit auf hohem Niveau zu sichern und dabei insbesondere Vogelschutzgebiete und Niedermoorstandorte zu berücksichtigen. Auch ein umfassendes Biodiversitätsmonitoring auf der Basis von bundesweit repräsentativen Stichprobenflächen, wie es bereits im bundesweiten Vogelmonitoring etabliert ist, hält das BMUB für unbedingt erforderlich.

Weitere Informationen

 

Zugplanbeobachtung 24.10.2015 Mendener Höhe

Zählzeitraum: 07:30 – 12:00
Type Zählug: Alle Arten
Wetter: wind SW2, wolkenbedeckungsgrad 7/8
Zähler: P. Kretz

S N S N S N
Kormoran 1 Wiesenpieper
55 Star
381
Graureiher 2 Bachstelze
9 Buchfink
640
Rotmilan 1 Heckenbraunelle
5 Bergfink
79
Mäusebussard 3 Hausrotschwanz
1 Stieglitz
9
Wanderfalke
1 Wacholderdrossel
68 Erlenzeisig
9
Kiebitz
599 Singdrossel
26 Birkenzeisig sp
1
Hohltaube
11 Rotdrossel
17 Gimpel
3
Ringeltaube
91 Wintergoldhähnchen
1 Goldammer
13
Heidelerche
6 Blaumeise
8 Rohrammer
3
Feldlerche
2417 Saatkrähe
53
Gesamt: 4513 Exemplare, 29 Arten, 4:30 Stunden

Zugplanbeobachtungen Mendener Höhe 04.10.2015

Zählzeitraum: 07:15 – 12:00
Typ Zählug: Alle Arten
Wetter: Wind Süd 2 Bft., Wolkenbedeckungsgrad 7/8, Sichtweite 15000m
Zähler: P. Kretz

S N S N S N
Silberreiher 1 Baumpieper 6 Buchfink 613
Nilgans 22 Wiesenpieper 308 Grünling 8
Sperber 1 Schafstelze 24 Stieglitz 8
Mäusebussard 2 Gebirgstelze 1 Erlenzeisig 11
Hohltaube 3 Bachstelze 45 Bluthänfling 13
Ringeltaube 18 Wacholderdrossel 2 Gimpel 1
Heidelerche 25 Singdrossel 10 Goldammer 6
Feldlerche 571 Misteldrossel 2 Admiral 2
Rauchschwalbe 2 Kohlmeise 4
Mehlschwalbe 3 Star 24
Gesamt: 1736 Exemplare, 28 Arten, 4:45 Stunden

Anwesend: Kanadagans 114, Turmfalke 2, Grünspecht 1, Buntspecht 1, Feldlerche 124, Wiesenpieper 36, Bachstelze 4, Grünling 2, Stieglitz 4, Goldammer 11