Allgemein

Warum verändert sich der Vogelzug?

Immer mehr südeuropäische ehemalige Langstreckenzieher wie Rötelfalken (aber auch Mehlschwalben, Schwarzmilane u.v.a.) verändern ihr Zugverhalten und überwintern bereits im Mittelmeerraum. Was verursacht diese Veränderungen? Landnutzungswandel und Klimawandel gehören natürlich vermutlich zu den treibenden Kräften, aber verstanden ist das Phänomen noch nicht.

BIRD MIGRATION – Why is it changing?
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Studienvorstellung zur schwindenden biologischen Vielfalt: Die (un-)heimliche Artenerosion

Bild zur MeldungZur Vorstellung der Studie „Wir sind dann mal weg — Die (un-)heimliche Artenerosion. Eine agroindustrielle Landwirtschaft dezimiert unsere Lebensvielfalt“ erklärt der Europaabgeordnete und agrarpolitische Sprecher der Grünen/EFA im Europäischen Parlament, Martin Häusling: „Die von mir in Auftrag gegebene und von dem Journalisten Stephan Börnecke verfasste Bestandsaufnahme belegt eindeutig: Der Versuch, über eine Reform der EU-Agrarpolitik den Verlust der Artenvielfalt in Deutschland und Europa wenigstens nur aufzuhalten, ist komplett gescheitert. Die EU-Agrarpolitik ist nur um ein Quentchen verändert worden, da unter anderem selbst in den ohnehin viel zu klein bemessenen ökologischen Vorrangflächen sogar Pestizide eingesetzt werden dürfen. So lässt sich Biodiversität nicht bewahren. Daran haben bislang weder die Nationale Strategie zur biologischen Vielfalt noch das ‚Greening‘ im Zuge der neuen EU-Agrarförderung etwas ändern können.

Sogar das bundeseigene Thünen-Institut, das in dem Dossier zitiert wird, reagiert unmissverständlich auf die Agrarreform: Das Greening, heißt es dort, sei bedauerlicherweise derart verwässert worden, dass von seiner Umsetzung voraussichtlich wenig Positives für die Biodiversität zu erwarten sei.

Die EU-Kommission täte gut daran, mit ihrem Fitness-Check die Umsetzung der bestehenden Naturschutzprogramme zu stärken, anstatt die Richtlinien zu weich zu spülen. Denn nicht die Richtlinien sind für die verfehlten Ziele verantwortlich. Sie wirken und zeitigen dort, wo sie konsequent umgesetzt wurden, sichtbare Erfolge.

Das reicht aber bei weitem nicht. Um die Trendwende im Artenrückgang bis 2020 zu erreichen, sind sowohl die EU-Kommission als auch die Mitgliedsstaaten gefordert, dem Naturschutz mehr Priorität einzuräumen.

Dazu gehört auch, in aller Deutlichkeit den Beitrag der Landwirtschaft am Verlust beziehungsweise den Erhalt der Biodiversität zu bilanzieren. Es zeigt sich ja, dass auch die letzte Agrarreform ihr Ziel verfehlt hat, Subventionen zu ökologisieren. Kein Weg führt daran vorbei, dass hier umgesteuert werden muss.

Der Ökolandbau erfüllt schon heute viele dieser Ziele, nicht aber der konventionelle Landbau. Das bedeutet: Wenn das jetzige System der kaum an Umweltauflagen gekoppelten Direktzahlungen das Ziel, mehr Biodiversität zu schaffen, nicht erfüllt, dann muss das System grundsätzlich in Frage
gestellt werden. Öffentliches Geld darf nur noch für öffentliche Leistungen ausgegeben werden.

Quelle: Pressemitteilung Martin Häusling, 12.1.2016

In die intensiven Recherchen für die Studie wurden auch die gemeinsam von DDA, Bundesamt für Naturschutz und der Länderarbeitsgemeinschaft der Vogelschutzwarten herausgegebenen Statusberichte „Vögel in Deutschland“ einbezogen.

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Vögel in Deutschland aktuell: Rückblick auf den Herbst 2015

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Erlenzeisige kamen im Herbst 2015 früh und zahlreich
© Christopher Plummer

 

 

Nachdem September und Oktober bundesweit vergleichsweise kühl und sonnenscheinarm waren, folgte der wärmste November seit Beginn regelmäßiger Wetteraufzeichnungen im Jahr 1881. Einige ungewöhnliche späte Beobachtungen typischer Langstreckenzieher könnten durchaus die Folge des sehr ungewöhnlichen Verlaufs des zurückliegenden Herbstes sein.

Über Deutschland verlaufen zwei Hauptzugrouten des Kranichs. In unserem Rückblick befassen wir uns diesmal unter anderem mit dem durch einen Temperatursturz ausgelösten, ungewöhnlich frühen Kranichabzug über die südlich Route und vergleichen den Verlauf des herbstlichen Kranichzuges über Hessen, Nordrhein-Westfalen und Bayern in den Jahren 2012 bis 2015.

Darüber hinaus beleuchten wir einmal mehr den vorwiegend Ende August und Anfang September bei uns durchziehenden Mornellregenpfeifer. Zu dieser Art konnten in den letzten Jahren — vor allem auch dank der zahlreichen Meldungen bei ornitho.de — viele neue Erkenntnisse zum Rastverhalten in Deutschland zusammengetragen werden. 2015 war das Rastgeschehen das schwächste seit 2011. Wir haben neben der Gesamtsumme auch die größten Truppstärken, die Rastdauer sowie den Jungvogelanteil betrachtet, um mögliche Gründe dafür zu finden.

Ungewöhnlich früh kam es bereits ab Anfang August 2015 zu einem kontinuierlichen Anstieg der Beobachtungen von Erlenzeisigen, der normalerweise erst im September bemerkt wird. Auch in anderen Ländern West- und Mitteleuropas war der frühe und starke Durchzug von Erlenzeisigen auffällig. Wir vergleichen das jahreszeitliche Auftreten des Erlenzeisigs in Deutschland von Mai bis November der Jahre 2012 bis 2015 und versuchen die frühe und auch individuenstarke Ankunft zu ergründen. Dabei haben wir uns auch die Durchzugsrichtungen der bei ornitho.de gemeldeten Erlenzeisige im Sommer und Herbst 2015 genauer angesehen.

In einem Rückblick auf den Herbst dürfen auch die Seltenheiten nicht zu kurz kommen. Neben einigen mehr oder weniger erwarteten Seltenheiten, gelangen 2015 auch vollkommen überraschende Entdeckungen. Neben Gerfalke, Wüstenregenpfeifer und Isabellsteinschmätzer sind dabei vor allem eine amerikanische Zwergdrossel und eine sibirische Weißbrauendrossel zu nennen. Diese und zahlreiche weitere bemerkenswerte Raritäten stellen wir wie gewohnt in unserem Rückblick vor.

Den Beitrag „Vögel in Deutschland aktuell: Herbst 2015: Frühe Kraniche, späte Mornellregenpfeifer und viele Erlenzeisige“ in der Zeitschrift „Der Falke“ können Sie hier als PDF herunterladen. Alle weiteren Beiträge mit direktem Bezug zu ornitho.de finden Sie unter Publikationen und Auswertungen.

Das komplette Falke-Heft 1/2016 mit vielen weiteren Beiträgen, u.a. zum Stieglitz als Vogel des Jahres 2016, zur Vogeljagd am Mittelmeer, dem Kleiber und den Preisträgern des „Silbernen Uhu“ 2015 können Sie über die Internetseite von „Der Falke“ beziehen.
Viel Spaß beim Lesen wünscht

das Team von ornitho.de und ornitho.lu

Schöner Start in ein neues Vogeljahr in NRW

Schöner Start in ein neues BirdingNRW Jahr!
Gemeinsam mit Jörn Tupay konnte ich heute erst den schönen Ringschnabelerpel am Kieswerk Kaphof in Hückelhoven wiederfinden, dann ging es erfolgreich weiter zu dem Eistaucher im Hafenwendebecken Krefeld und nicht zuletzt durften wir noch einen von Daniel Kemper gestern entdeckten Ohrentaucher auf einer Kiesgrube bei Meerbusch bewundern. Teilweise noch begleitet von großen Trupps Stieglitzen und Wacholderdrosseln in HS über Eisvogel, Schellente und Mittelmeermöwe in KR können wir uns trotz des Wetters über keine schlechte Ausbeute beklagen.

Auf dem ersten Bild „bewacht“ der Erpel eine schlafende Reiherente und einen schlummernden Zwergtaucher. Der Vogel ist sehr wachsam und wie es scheint, immer zum Abflug bereit. Als der Erpel sich ausgiebig putzte konnte von uns an beiden Beinen keine Beringung festgestellt werden.
Fotos mit low-budget-Ausrüstung 😛IMG_3615 IMG_3622

Warum singen manche Vogelarten im Herbst?

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Unter unseren heimischen Arten fällt vor allem das Rotkehlchen durch intensiven Herbstgesang auf.
© Jan Goedelt

 

Singvögel nutzen ihren Gesang allgemein im Frühjahr zur Partnerfindung und Revierabgrenzung. Von einigen Arten ist jedoch auch eine Gesangsaktivität im Herbst bekannt, deren Gründe oftmals nicht auf der Hand liegen. Im internationalen Wissenschaftsblog SciLogs wurde den Geheimnissen des Herbstgesanges nun anhand von Beispielen amerikanischer Vogelarten auf den Grund gegangen. Demnach können drei verschiedene physiologische Mechanismen für den Herbstgesang von Vogelarten in den gemäßigten Breiten verantwortlich sein.

Der Star ist in der Paläarktis von West- und Nordeuropa bis zum Baikalsee verbreitet, wurde jedoch unter anderem in Nordamerika eingebürgert. Eingebürgerte Vögel zeigen jedoch oft kein oder nur eingeschränktes Wanderverhalten, sodass sich die Feststellungen in Amerika vermutlich nur bedingt mit europäischen Verhältnissen vergleichen lassen.
Nachdem die Vögel ihre jährliche Mauser abgeschlossen haben, kann bei nordamerikanischen Staren ein Anstieg des Testosteronspiegels festgestellt werden. Ein erhöhter Wert des Sexualhormons Testosteron im Blutplasma steht bei vielen Vögeln mit Gesang und territorialem Verhalten in Zusammenhang. Beim Star wird angenommen, dass die Brutsaison der Vögel bereits in den Herbstmonaten beginnt und die Stare versuchen, die besten Brutplätze zu besetzen. Während Stare im Süden der USA ganzjährig brüten, wird dieser Vorgang in nördlicheren Breiten und höheren Lagen jedoch offenbar durch die geringere Tageslänge unterdrückt. Erst im Frühjahr setzt das Verhalten mit steigender Tageslänge wieder ein. Ein ähnliches Verhalten ist für die dort ebenfalls eingebürgerten Haussperlinge bekannt.

Ein weiterer Herbstgesang erklärender physiologischer Mechanismus ist bei der Dachsammer zu finden. Im Gegensatz zu Staren oder Haussperlingen sind Dachsammern in Herbst und Winter nicht photosensitiv, was bedeutet, dass sie physiologisch keinerlei Reaktion auf eine Änderung der Tageslänge zeigen. In der Regel führt eine Verlängerung der Tageslänge zu einem Anstieg des Testosteron- oder Östrogenspiegels im Blut der Vögel. Diese Konzentrationen führen zum territorialer Aggression und Gesangsaktivität. Wissenschaftliche Studien haben jedoch gezeigt, dass Gesang — allerdings ohne territoriale Aggressivität — bei Dachsammern offenbar unabhängig vom Hormonspiegel der Vögel auftritt und sowohl Männchen als auch Weibchen und Jungvögel ganzjährig singen. Die Gründe liegen in diesem Fall im Sozialverhalten der Vögel. Dachsammern finden sich im Winter zu großen Schwärmen zusammen. Der Gesang wird dabei offenbar zur Feststellung der Rangordnung innerhalb der Trupps genutzt.

Ein dritter physiologischer Mechanismus wurde erst kürzlich bei Singammern entdeckt. Singammern sind zwar nah mit Dachsammern verwand, zeigen jedoch ein komplett unterschiedliches Verhalten. Sie zeigen kein Wanderverhalten und bilden keine Trupps. Stattdessen finden sich zwei bis drei Vögel geschlechtsunabhängig zusammen, um gemeinsame Winterreviere zu bilden, die nicht unbedingt den Brutplätzen entsprechen müssen. Ob es sich dabei zumindest teilweise um Partner oder Verwandte handelt ist bislang nicht geklärt. Singammern verhalten sich das ganze Jahr über territorial und grenzen auch ihre Winterreviere durch Gesang ab. Während der Herbstmonate konnte bei Singammern ein Anstieg des Steroidhormons DHEA festgestellt werden. In der Regel ist dieses Hormon bei Vögeln inaktiv und kaum nachweisbar, es kann jedoch durch bestimmte Enzyme aktiviert werden, was bei Singammern im Herbst offenbar der Fall ist und zu einer gesteigerten Gesangsaktivität führt. In Experimenten konnte die Gesangaktivität durch Zugabe oder biochemische Deaktivierung von DHEA gesteigert oder gehemmt werden. Auch bei der Wanderdrossel wird dieses Phänomen als Erklärung für den intensiven Herbstgesang der Art vermutet.

Herbstgesang bei Singvögeln kann also unterschiedlich begründet sein. Neben einer bereits im Herbst beginnenden und in den Wintermonaten durch geringe Tageslänge unterdrückten Brutsaison kann der Gesang der Feststellung der Rangordnung in winterlichen Trupps dienen oder durch bislang wenig erforschte hormonelle Veränderungen hervorgerufen werden. Es ist anzunehmen, dass es noch weitere physiologische Mechanismen für das Phänomen Herbstgesang gibt. Auch die Gründe für spezielle Hormonanreicherungen sind oftmals noch unbekannt.

Der Frage wann unsere Singvögel singen, wurde anhand der Daten von ornitho.de auch in der Januar-Ausgabe 2014 der Zeitschrift „DER FALKE“ nachgegangen. Den Beitrag kann man hier kostenlos herunterladen.

Quelle: SciLogs.com, 1.11.2015

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Vergiftete Wildgänse in Mecklenburg-Vorpommern: Folgen für Agrarbetrieb

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Zahlreiche Gänse sind an Mäusegiftkördern verendet
© Ralf Kistowski

 

 

Nach dem Tod von rund 150 Wildgänsen am Salzhaff in Mecklenburg-Vorpommen (siehe Nachricht vom 10.11.2015) haben die Behörden ein Ordnungswidrigkeitenverfahren gegen den Landwirtschaftsbetrieb eingeleitet, auf dessen Gelände Mäusegift unsachgemäß ausgelegt worden war. Außerdem muss das Unternehmen mit einem Abzug finanzieller Zuwendungen rechnen, wie Agrarminister Till Backhaus (SPD) am 19. November im Landtag in Schwerin sagte. Das Gift lag nach seinen Worten auf der Oberfläche und war nicht, wie vorgeschrieben, tief in die Mauselöcher geschoben worden. Bauern müssen das Auslegen von Giftködern beantragen. Auch dies sei in diesem Fall nicht erfolgt, sagte der Minister. In der Nähe der Haffpromenade des Ostseebades Rerik im Landkreis Rostock waren seit Anfang November fast täglich tote Vögel gefunden worden.

Quelle: Schweriner Volkszeitung, 20.11.2015

Rotmilanprojekt Land zum Leben: erste Erfolge

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Frisch geschlüpfte Küken in einem Rotmilannest im Projektgebiet Göttingen warten auf Futter. Nach Umsetzung der im Projekt vorgesehenen Maßnahmen sollen sie keinen Hunger mehr erleiden
© Eckhard Gottschalk

 

Die Situation des Rotmilans in Deutschland zu verbessern, ist Ziel des bundesweiten Artenschutzprojektes „Land zum Leben“, das der DDA gemeinsam mit dem Deutschen Verband für Landschaftspflege (DVL) und der Deutschen Wildtier Stiftung durchführt. Seit 2013 untersucht der DDA mit Unterstützung verschiedener Artexperten im Rahmen des Projektes das Nahrungsangebot und die Raumnutzung der Greifvogelart in Deutschland. Ihr Lebensraum setzt sich zusammen aus einem abwechslungsreichen Mosaik aus Wald- und Offenlandschaft. Land- und Forstwirtschaft spielen bei der Erhaltung des Rotmilans daher Schlüsselrollen. Artenschutz und Landnutzung in Einklang zu bringen, wird in insgesamt neun Projektgebieten getestet. Wie steht es um den Schutz der eleganten Greifvogelart in Deutschland, von der wir mehr als die Hälfte der weltweiten Population beherbergen? Erste Erfolge des Projekts beschreibt der DDA in der aktuellen Ausgabe der Zeitschrift DER FALKE. Den Artikel können Sie bereits vor Erscheinen der gedruckten Ausgabe hier herunterladen.

Vielen Dank für Ihre Unterstützung!

Die bisherige Resonanz zum Rotmilanprojekt Land zum Leben war überwältigend. Herzlichen Dank für die vielen interessierten Nachfragen, Anregungen und Spenden!
Auch wenn das Projekt überwiegend aus Mitteln der öffentlichen Hand finanziert wird, muss der DDA einen nicht unerheblichen Teil der Kosten selbst aufbringen. Die ersten Ergebnisse beweisen sehr eindrucksvoll, dass es sich lohnt! Deshalb sind wir auch weiterhin auf Ihre Spenden angewiesen.

Spenden Sie ganz einfach online unter www.dda-web.de/rotmilan/spende. Die Ergebnisse unserer Arbeit dienen unmittelbar dazu, die Rotmilan-Maßnahmen und deren Umsetzung zu optimieren, um die Bestandssituation unseres „heimlichen Wappenvogels“ in den Projektgebieten und darüber hinaus hoffentlich schon bald zu verbessern.

Logo Bundesprogramm Biologische Vielfalt

Das Projekt wird im Rahmen des Bundesprogramms Biologische Vielfalt durch das Bundesamt für Naturschutz mit Mitteln des Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit gefördert. Der DDA bedankt sich außerdem bei der Stiftung Naturschutz Thüringen für die Förderung der wissenschaftlichen Begleituntersuchungen.

Logo BfN Logo BMUB Logo SNT

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RSPB veröffentlicht neuen Bericht zu Auswirkungen des Klimawandels

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© RSPB

Der neue Bericht „The Nature of Climate Change“ der Royal Society for the Protection of Birds (RSPB) zeigt, dass die Tierwelt Europas bereits heute von Klimaveränderungen betroffen ist und sich die Auswirkungen im Laufe dieses Jahrhunderts voraussichtlich noch verstärken werden. Eine Umfrage zeigt, dass sich die Briten mehr Sorgen über negative Auswirkungen der Klimaerwärmung auf die Tierwelt machen, als über alle übrigen Aspekte des Klimawandels.

In dem Bericht werden anschauliche Beispiele genannt, in denen Effekte von Klimaveränderungen schon heute deutlich spürbar sind. So haben Extremwetterlagen in den vergangenen Jahren deutlich zugenommen. Nasse und stürmische Bedingungen können zu starken Brutverlusten u.a. bei der Krähenscharbe führen, von der rund 45% der Weltpopulation in Großbritannien brüten. Nahrungsquellen verändern sich ebenfalls im Zuge klimatischer Veränderungen. Durch zeitliche Verschiebungen der Planktonblüte hat sich die Nahrungsverfügbarkeit für viele Meeresbewohner deutlich verändert. Unter anderem wird der massive Rückgang der britischen Dreizehenmöwenbestände in den letzten Jahrzehnten damit in Zusammenhang gebracht.

Doch längst nicht nur Vogelarten sind vom Klimawandel betroffen. Ein Drittel aller Hummelarten Europas könnte bis zum Jahr 2100 bis zu 80% ihrer aktuellen Verbreitung einbüßen. Vor allem ein Mangel geeigneter Habitate lässt den Arten keine Chance ihre Areale zu verlagern. Viele neue Arten breiten sich nordwärts aus und können zum Verdrängen einheimischer Arten führen. Seit Beginn des 20. Jahrhunderts wurden mindestens 120 neue Tierarten in Großbritannien nachgewiesen.

79% aller Briten sorgen sich um die Auswirkungen von Klimaveränderungen auf die Tierwelt Großbritanniens. Diesem Aspekt kommt damit eine größere Bedeutung zu als Überflutungen (72%), Hitzeperioden (50%) oder einem Anstieg der Nahrungsmittelpreise (60%).

Der neue Report vermittelt die eindeutige Botschaft, dass es höchste Zeit ist, die Klimaerwärmung zu minimieren. Darüber hinaus muss ein Netz von Schutzgebieten Möglichkeiten für die Tierwelt gewährleisten, auf den Klimawandel durch Arealveränderungen reagieren zu können. Der Bericht „The Nature of Climate Change“ kann auf der Internetseite der RSPB kostenlos heruntergeladen werden. In Kürze will auch BirdLife International einen neuen Bericht über die Einflüsse des Klimawandels auf die Vogelwelt veröffentlichen.

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Vergiftete Wildgänse jetzt auch an der Nordseeküste?

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Auch an der Nordseeküste wurden in den vergangenen Tagen tote Wildgänse gefunden. Ein Zusammenhang mit den mutmaßlichen Vergiftungen in Mecklenburg-Vorpommern liegt nahe.
© Neele Carina Peters/beachexplorer.org

 

 

An den Stränden Nordfrieslands werden seit einigen Tagen Dutzende von toten Blässgänsen angespült. Allein auf Sylt wurden 30 — 40 Exemplare gemeldet. Die Tiere sind möglicherweise Ende Oktober bei einer Zwischenlandung in Mecklenburg vergiftet worden (vgl. Newsmeldung vom 10.11.15) und auf dem Weiterflug über der Nordsee verendet.

Der Sylter Meeresbiologe Lothar Koch meldete die ersten Beobachtungen von toten Blässgänsen am 8. und 9. November bei Rantum. Zeitgleich wurde ein Fund aus Westerhever im Strandfund-Portal BeachExplorer.org eingetragen. Die Schutzstation Wattenmeer kontrollierte daraufhin verschiedene Sylter Strandabschnitte und barg eine der toten Gänse zur Untersuchung. „Der sezierte Vogel war etwa zehn Tage tot, stark abgemagert und hatte keine Flugmuskeln mehr. So etwas gibt es hier um diese Jahreszeit normalerweise nicht“, erläutert der Biologe Rainer Borcherding von der Schutzstation Wattenmeer. Bei dem überaus milden Herbstwetter queren die Wildgänse die Deutsche Bucht eigentlich problemlos und landen im südlichen Wattenmeer, am Niederrhein oder weiter westlich in den Niederlanden.

Am Salzhaff in der Wismarer Bucht (Mecklenburg-Vorpommern) hat es Ende Oktober ein Massensterben von Wildgänsen gegeben, die mutmaßlich an unsachgemäß ausgebrachten Wühlmaus-Bekämpfungsmitteln gestorben sind. Da dieses mit dem mutmaßlichen Todeszeitpunkt der nun an der Nordsee angespülten Gänse übereinstimmt, vermutet die Schutzstation Wattenmeer einen Zusammenhang.

Hierzu Rainer Borcherding: „Blässgänse ziehen von Sibirien westwärts bis nach Norddeutschland, Holland und Belgien. Dieser Herbst war so mild, dass kein natürlicher Grund erkennbar ist, warum hier Hunderte von Gänsen vom Himmel fallen sollten. Wenn wir 50 am Strand haben, ist sicher die zehnfache Zahl auf See gestorben.

Funde von tot angespülten Gänsen oder andere besondere Beobachtungen können jederzeit über die kostenlose App „BeachExplorer.org“ der Schutzstation Wattenmeer gemeldet werden:
www.beachexplorer.org

Quelle: schutzstation-wattenmeer.de, 10.11.2015

NABU und OAG Schleswig-Holstein kritisieren Freiwillige Vereinbarung zum Schutz von Schweinswalen und Tauchenten auch nach Unterzeichnung der Fortschreibung

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NABU und OAG Schleswig-Holstein kritisieren Freiwillige Vereinbarung zum Schutz von Schweinswalen und Tauchenten auch nach Unterzeichnung der Fortschreibung
© Johan Stenlund

 

Die Freiwilligen Vereinbarung trat vor zwei Jahren in Kraft, nachdem das Ministeriums überraschend die Landesküstenfischereiverordnung nicht wie zuvor im Koalitionsvertrag festgeschrieben reformierte. „Fachlich entspricht diese Freiwillige Vereinbarung nicht den Erfordernissen für einen wirksamen Schutz der Meeresvögel und Schweinswale an unserer Ostseeküste. Fraglich ist, ob die EU-Kommission diesen faulen Kompromiss auf Dauer mittragen wird. Viele der vom Beifang betroffenen Arten sind nicht nur national, sondern auch europarechtlich geschützt“, so Hermann Schultz, Vorsitzender des NABU-Schleswig-Holstein.

Nach Ansicht der Experten von NABU und Ornithologischer Arbeitsgemeinschaft Schleswig-Holstein ist die gewählte Flächenkulisse für temporäre Fischereiverbote auch nach der jetzigen Fortschreibung bis Ende 2019, einer Erweiterung des Gültigkeitsbereichs sowie der Ausweisung zwei weiterer Schutzgebiete deutlich zu klein. „Es gibt großflächige Wasservogelrastgebiete, die von dieser Vereinbarung nicht berührt werden, z.B. der Flüggesand vor der Westküste Fehmarns in vollständiger Ausdehnung. „Die diesjährigen Wasservogelzählungen haben zudem gezeigt, dass sich bereits Mitte Oktober Tausende von Rastvögeln, u.a. 32.000 Eiderenten, auf dem Flüggesand aufgehalten haben. Die zeitliche Befristung der Vereinbarung gilt aber erst ab Mitte November“, kritisiert, Bernd Koop, Avifaunistischer Leiter der OAG. Im vergangenen Frühjahr zeigte sich, dass auch das Ende des freiwilligen Stellnetzverzichtes viel zu früh gesetzt ist. Auch seien die personellen Kapazitäten zur Überwachung der freiwilligen Maßnahmen nach Auffassung der Umweltverbände zu gering. Verstöße würden weder vollständig erfasst und dokumentiert noch sanktioniert. Das zeigten Beobachtungen immer wieder.

Neben den Verlusten in Stellnetzen belasten in den Winter- und Frühjahrsmonaten auch andere massive Störungen die für den gesamten Ostseeraum bedeutenden Wasservogelansammlungen vor Schleswig-Holsteins Ostseeküste. Dazu gehören etwa schnelle Angelboote und Kite-Surfer. Viele der nach FFH- und Vogelschutzrichtlinie geschützten Gebiete sind für überwinternde Wasservögel nicht vollständig nutzbar. Sie bestehen weitgehend nur auf dem Papier, ein regulierendes Management menschlicher Aktivitäten findet kaum statt. Das gelte für alle deutschen Meeresschutzgebiete.

Der fehlende Schutz macht auch Deutschlands einzigem heimischen Wal, dem Schweinswal, schwer zu schaffen. Hier sieht die Freiwillige Vereinbarung Ausschlussgebiete in den Sommermonaten vor, wenn die Wale ihre Kälber aufziehen. „Das reicht nicht aus. Schweinswale sind ganzjährig an unseren Küsten anzutreffen — auch außerhalb der viel zu kleinen, geschlossenen Gebiete“, so Schultz.

Für den NABU und die OAG kann die Freiwillige Vereinbarung mangels Effektivität keine ordnungsrechtlichen Fischereimaßnahmen in Meeresschutzgebieten ersetzen, sondern diese höchstens unterstützen. Die Verbände fordern seit langem zeitliche und räumliche Fischereiverbotszonen und eine Neuausrichtung der Küstenfischerei in der Ostsee. Um Fischern und geschützten Meerestieren eine Zukunft zu geben, müssen alternative, umweltschonende Fanggeräte weiter entwickelt und zum Einsatz gebracht werden. Der NABU arbeitet dabei seit mehreren Jahren im Rahmen eines Forschungsprojektes des Bundesamtes für Naturschutz sehr konstruktiv mit schleswig-holsteinischen Fischern zusammen.

Darüber hinaus brauchen wir eine bessere Datenbasis zum Fischereiaufwand und zu den beigefangenen Walen und Vögeln. Das erreichen wir aber nur durch verbesserte Logbuchpflichten“, so Schultz. Die meisten aktiven Fischer sind dem Nebenerwerb zuzuordnen. Anders als ihre hauptberuflichen Kollegen unterliegen sie nicht den Protokollpflichten der europäischen Fischereipolitik. Nebenerwerbsfischer müssen lediglich als Monatsmeldung die maximale Fangmenge nachweisen. „Damit lassen sich weder die ausgebrachte Stellnetzlänge, noch Beifänge nachvollziehen. Wenn die Fischer es ernst meinen mit dem Miteinander von Naturschutz und Fischerei, dann wäre ein elektronisches Logbuch der Haupt- und Nebenerwerbsfischer ein erster wichtiger Schritt. In Zeiten des flächendeckenden Einsatzes von Smartphones wäre dies problemlos möglich“, so der NABU. Denn immer wieder scheiterten in der Vergangenheit echte Maßnahmen an der unzureichenden Datenbasis, würden sich Fischer und Naturschützer um reale Beifangzahlen streiten. „Erst wenn die Freiwillige Vereinbarung aus dieser Sackgasse herausführt wächst auch die Akzeptanz des Naturschutzes“, so NABU und OAG.

Quelle: Pressemitteilung des NABU-SH vom 9.11.2015

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