Allgemein

Vergiftungsverdacht durch Mäusegift bei Wildgänsen

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Mitte November soll der Befund vorliegen, ob tatsächlich Wildgänse durch Giftköder getötet wurden.
© Ralf Kistowski

 

 

 

 

In den vergangenen zwei Wochen wurden im nördlichen Teil des Salzhaffes im Nordosten der Mecklenburger Bucht ca. 150 Wildgänse tot aufgefunden. Ein Teil davon wurde durch Angehörige des zuständigen Veterinär- und Lebensmitteluntersuchungsamtes zur Untersuchung in das Landesamt für Landwirtschaft, Lebensmittelsicherheit und Fischerei (LALLF) gesandt, wobei zunächst die Abklärung von Vogelgrippefällen im Vordergrund stand. Dies konnte bisher ausgeschlossen werden. Sind die ersten untersuchten Tiere noch durch verschiedene Ursachen verendet, erhärtet sich bei Proben seit dem 3. November der vorläufige Verdacht eines Vergiftungsgeschehens durch eine Intoxikation durch Zinkphosphid.

Von elf Tieren wurden seit gestern Proben bzw. Mageninhalt zu einem amtlichen Fachlabor nach Göttingen zur Untersuchung auf Zinkphosphid versandt. Außerdem wurden im eigenen Labor des LALLF die Lebern und der Mageninhalt von mindestens fünf Tieren auf Zink untersucht. Die heute vorliegenden Befunde ergeben kein einheitliches Bild, so dass zur Bestätigung des o.g. Verdachtes der toxikologische Befund aus Göttingen abgewartet werden muss. Dies kann ca. 10 Tage in Anspruch nehmen.

Bei Zinkphosphid handelt es sich um einen Wirkstoff, der zur Schadnagerbekämpfung eingesetzt wird, z.B.in der Landwirtschaft auch zur Bekämpfung von Feldmäusen, wobei die Anwendung von Zinkphosphidködern direkt in die Mäuselöcher mit anschließender Abdeckung erfolgen muss. Eine unverdeckte Ausbringung ist gesetzlich verboten, da so Wildtiere die Köder aufnehmen könnten.
Das LALLF hat unter Mithilfe von Naturschutzbehörden und Ornithologen die bekannten Rastplätze von Wildgänsen in der Nachbarschaft zum Salzhaff und die weitere Umgebung mit dem Ziel untersucht, die Vergiftungsquelle zu finden und zu beseitigen. Die Ermittlungen dauern zur Stunde an. Nähere Informationen können aus ermittlungstaktischen Gründen vorerst nicht gegeben werden.

Da auch in weiteren Bundesländern Giftweizen gegen Mäuse eingesetzt wird, sollten alle Vogelbeobachter die Augen offen halten und mögliche Vergiftungsfälle möglichst umgehend den zuständigen Naturschutzbehörden und den Vogelschutzwarten melden.

Quelle: Pressemitteilung des Ministeriums für Landwirtschaft, Umwelt und Verbraucherschutz Mecklenburg-Vorpommern vom 6.11.15

Dänemark statt Niederlande: Kurzschnabelgänse ändern ihre Zugstrategie

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Die Zahl der Kurzschnabelgänse an den traditionellen Rastplätzen in den Niederlanden ist in den letzten Jahren stark zurückgegangen
© Hans Glader

 

 

Der Südwesten der niederländischen Provinz Friesland gehört traditionell zu den wichtigsten Regionen für Kurzschnabelgänse in Europa. In diesem Jahr konnten bei der Wasservogelzählung der Organisation Sovon Vogelonderzoek Nederland Mitte Oktober jedoch gerade einmal rund 2200 Kurzschnabelgänse gezählt werden — der niedrigste Wert der vergangenen 30 Jahre. Bis vor etwa fünf Jahren waren in der Region schon einzelne Trupps dieser Größenordnung anzutreffen. Der niedrige Wert der aktuellen Zählung passt jedoch zum Trend der letzten Jahre.

Seit 2009 sind die Bestände der Kurzschnabelgans in den Niederlanden um rund 20% pro Jahr gesunken. Der Oktober war stets der Monat mit dem höchsten Rastbestand (z.B. 2009 noch rund 40.000 Vögel). Entgegen des negativen Trends der niederländischen Rastbestände hat die Population der Kurzschnabelgans im selben Zeitraum zugenommen. Die bedeutet, dass ein zunehmend kleinerer Anteil der Population bis in die Niederlande zieht. Während 2009 noch rund 60% aller Kurzschnabelgänse dort rasteten, lag der Anteil im Oktober 2015 bei weniger als 5%.

Gänse sind für eine hohe Rastplatztradition bekannt, zumindest einige Arten scheinen jedoch flexibel auf veränderte Bedingungen reagieren zu können. Der Bestandsrückgang in Friesland geht mit einem starken Anstieg der Zahlen in Dänemark einher. Dort entdeckten die Kurzschnabelgänse offenbar in den letzten Jahren das reiche Angebot an Maisstoppeln im Herbst. In Dänemark stiegen jedoch nicht nur die Anzahlen der Gänse, auch die Rastplätze dehnten sich deutlich weiter aus. Lagen diese bislang in einem schmalen Streifen entlang der Westküste, reichen sie nun bis zu 40 Kilometer ins Inland. Allabendlich suchen diese Gänse in beeindruckenden Trupps die Schlafplätze im dänischen Wattenmeer und an der Küste auf.

Dänemark wurde von den Kurzschnabelgänsen bislang vorwiegend als Überwinterungs- oder Zwischenrastplatz auf dem Weg in die Brutgebiete Spitzbergens aufgesucht, während sich die Vögel von Oktober bis Dezember in den Niederlanden und Belgien einfanden. Diese Zugstrategie scheint sich in den letzten Jahren verändert zu haben. Das Beispiel der Kurzschnabelgans zeigt eindrucksvoll wie sich Veränderungen in der Landnutzung auf Vogelarten und deren Zugverhalten auswirken können.

Quelle: Sovon.nl, 5.11.2015

Bundesumweltministerium startet neue „Naturschutz-Offensive 2020“

Bild zur MeldungMitte Oktober wurde im Rahmen des 7. Nationalen Forums zur biologischen Vielfalt das neue Handlungsprogramm des Bundesumweltministeriums (BMUB) „Naturschutz-Offensive 2020“ vorgestellt. Die Naturschutz-Offensive soll die Umsetzung der Nationalen Strategie zur biologischen Vielfalt bis zum Jahr 2020 deutlich voranbringen. Das Programm des BMUB macht klar, in welchen Handlungsfeldern die größten Defizite bestehen und bis zum Jahr 2020 verstärkte Anstrengungen zur Erhaltung der biologischen Vielfalt von welchen Akteuren erforderlich sind. Auf der Basis einer Priorisierung der Ziele der Nationalen Strategie werden in zehn Handlungsfeldern insgesamt 40 konkrete Maßnahmen formuliert.

 
Unter anderem wird darin der nicht zuletzt durch die Ergebnisse des 2014 veröffentlichten Bericht zur EU-Vogelschutz- und Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie aufgezeigte Handlungsbedarf zum Schutz der biologischen Vielfalt dargestellt. Mit einer Initiative in der Umweltministerkonferenz zielt das BMUB darauf ab, den Grünlandschutz bundesweit auf hohem Niveau zu sichern und dabei insbesondere Vogelschutzgebiete und Niedermoorstandorte zu berücksichtigen. Auch ein umfassendes Biodiversitätsmonitoring auf der Basis von bundesweit repräsentativen Stichprobenflächen, wie es bereits im bundesweiten Vogelmonitoring etabliert ist, hält das BMUB für unbedingt erforderlich.

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Augen und Ohren auf! Einflug von Gelbbrauen-Laubsängern

Gelbbrauen-Laubsänger stammen aus den Wäldern der Taiga zwischen Ochotskischem Meer und Ural. Die Art ist im Herbst ein jährlicher Gast in Europa, obwohl die Hauptüberwinterungsgebiete eigentlich in den Subtropen und Tropen Asiens liegen. Wohin die bei uns durchziehenden Gelbbrauen-Laubsänger fliegen, ist bisher weitgehend unbekannt. Die bereits lange Reise scheint aber weit nach Südwesten weiter zu gehen: Ein im Herbst 2013 auf Helgoland beringter Vogel konnte im Januar 2014 auf der Kanareninsel Lanzarote fotografiert werden. Die Gründe für das alljährliche Auftreten von Hunderten von Gelbbrauen-Laubsängern in Europa sind ebenfalls  noch nicht endgültig geklärt. Als mögliche Ursache wird unter anderem eine genetisch fixierte, anhaltende Missorientierung der Vögel genannt.

In diesem Jahr scheinen besonders viele Gelbbrauen-Laubsänger die südwestliche Route über Europa einzuschlagen: In Finnland wurden seit Anfang September rund 1.000 Gelbbrauen-Laubsänger festgestellt – normal waren es in den letzten Jahren im gesamten Herbst weniger als 300. Auf dem Weg nach Südwesten sollte zumindest ein Teil dieser Vögel auch über Deutschland fliegen.

Die meisten Feststellungen gelingen zwischen Mitte September und Mitte Oktober, meist in den Küstenregionen. Die bereits rund 200 Meldungen von Gelbbrauen-Laubsängern, die in diesem Herbst bei ornitho.de gemeldet wurden, zeigt die aktuelle Verbreitungskarte. Der erste Herbstnachweis 2015 gelang außergewöhnlich früh bereits Ende August. Es folgten Beobachtungen vor allem auf Helgoland (Tagessumme bis zu 17 Ind.) und entlang der Nordseeküste, aber auch an einigen Stellen im Binnenland. Das Maximum wird in der Regel Anfang Oktober erreicht. Jetzt ist also genau die richtige Zeit, um nach den seltenen Gästen zu suchen!

Gelbbrauen-Laubsänger können auf dem Durchzug eigentlich überall auftauchen, an Gewässern, am Waldrand, in Stadtparks oder sogar im eigenen Garten. Man sollte sich vor allem mit dem charakteristischen und häufig vorgetragenen Ruf vertraut machen (www.xeno-canto.org/species/Phylloscopus-inornatus), über den die Vögel oftmals erst auf sich aufmerksam machen. Vom Aussehen her ähneln die kleinen Laubsänger Goldhähnchen, unterscheiden sich farblich unter anderem aber durch den namensgebenden gelben Überaugenstreif. Als Ausnahmeerscheinung taucht auch der sehr ähnliche Goldhähnchen-Laubsänger hin und wieder in Deutschland auf. Er unterscheidet sich vom Gelbbrauen-Laubsänger vor allem durch einen auffällig gelben Bürzel sowie einen gelben Scheitelstreifen auf dem Kopf.

Viel Erfolg bei der Suche nach den sibirischen Gelbbrauen-Laubsängern wünscht

das Team von ornitho.de und ornitho.lu

 

Foto: Gelbbrauen-Laubsänger, Lutz Ritzel.

Quelle DDA

Vögel in Deutschland aktuell: Rückblick auf den Sommer 2015

Mit zahlreichen Temperaturrekorden zeigte sich der Sommer 2015 insgesamt heiß, trocken und sonnig. Während vor allem Wasservögel in austrocknenden Gewässern ihre Bruten verloren, wirkte sich die Witterung positiv auf den Bruterfolg wärmeliebender Arten aus. In unserem Beitrag über den Sommer 2015 in „Der Falke“ betrachten wir einige Ereignisse in der Vogelwelt in den Monaten Juni bis August.

Unter allen europäischen Landvögeln zeigt das Rebhuhn seit 1980 mit einem Rückgang von rund 93% die stärksten Verluste. Besonders im Jahr 2013 war der Bruterfolg dieser Art nach dem anhaltenden Nachwinter und einer sehr kühlen und feuchten Periode Ende Mai gering. Im Sommer 2015 waren die Bedingungen für die ursprüngliche Steppenart hingegen nahezu ideal. In unserem Beitrag vergleichen wir die Truppgrößen der Rebhühner im Jahresverlauf nach den Daten von ornitho.de in den Jahren 2012 bis 2015 und geben Tipps, wie die kleinen Hühnervögel am einfachsten zu beobachten sind.

Die Luftspiele größerer Starenschwärme gehören sicherlich zu den faszinierendsten Schauspielen in der Vogelwelt. Doch wann und wo treten die Vögel in derartiger Anzahl bei uns auf? Anlässlich einer aktuellen Anfrage eines Fernsehteams haben wir die über 200.000 Meldungen von Staren in ornitho.de einmal auf diese Fragen hin ausgewertet. Der Beitrag liefert neben einer Deutschlandkarte der größten Starenschlafplätze und Ansammlungen auch eine Darstellung der jahreszeitlichen Verteilung der Truppgrößen nach Größenklassen.

Ausführlicher als in bisherigen Rückblicken auf die zurückliegende Jahreszeit gehen wir diesmal auch auf das Auftreten von Seltenheiten ein. Der Sommer 2015 hatte hier viele Überraschungen parat. Neben „dem“ Schwarzbrauenalbatros, Deutschlands erstem Bulwersturmvogel und mehreren Zwergscharben wurden besonders viele seltene Greifvögel beobachtet. Gleitaar, Eleonoren- und Würgfalke sowie Adlerbussard wurden gleich mehrfach gesichtet, ergänzt durch den bei Anerkennung erst vierten Rötelfalken für Deutschland. Unter den Limikolen sind neben zwei Wüstenregenpfeifern vor allem die beiden ersten hierzulande auch fotografisch dokumentierten Sandstrandläufer erwähnenswert.

Den Beitrag „Vögel in Deutschland aktuell: Sommer 2015: Rebhühner, Stare und viele Überraschungen“ in der Zeitschrift „Der Falke“ können Sie hier als PDF herunterladen. Einen Artikel zum neuen „Atlas-Tool“ bei ornitho (siehe Newsmeldung vom 1.9.) mit dem Titel „ornitho.de: Verbreitung von Vogelarten jetzt auch auf Rasterbasis“ finden Sie hier als PDF. Alle weiteren Beiträge mit direktem Bezug zu ornitho.de finden Sie unter Publikationen und Auswertungen.

Das komplette Falke-Heft 10/2015 mit vielen weiteren Beiträgen, u.a. über Wacholderdrosseln, Braunkehlchen und das neue globale Tierbeobachungssystem ICARUS können Sie über die Internetseite von „Der Falke“ beziehen.

Viel Spaß beim Lesen wünscht
das Team von ornitho.de und ornitho.lu

 

Foto: Stare am Sammelplatz, Rosl Rößner

Zugplan Bodendeponie Kolkerhofweg 12.09.2015

Samstag 12 September 2015

 

Zählzeitraum: 07:15 – 12:15
Type zählug: alle Arten
Wetter: wind SW3, wolkenbedeckungsgrad 7/8
Zähler: P. Kretz; T. Rautenberg

S N S N S N
Kormoran 7 17 Brachpieper 3 Wacholderdrossel * 1
Silberreiher 1 Baumpieper 32 Singdrossel * 1
Rohrweihe * 1 Wiesenpieper 2 Kohlmeise 13
Hohltaube 3 Schafstelze 49 Buchfink 5
Feldlerche 1 Gebirgstelze 1 Erlenzeisig 1
Rauchschwalbe 672 Bachstelze 8 Bluthänfling 3
Mehlschwalbe 4 Heckenbraunelle 2 Tagpfauenauge 1
Gesamt: 828 Exemplare, 21 Arten, 5:00 Stunden

Anwesend: Graureiher 8, Graugans 15, Kanadagans 72, Krickente 2, Habicht 1, Sperber 3, Mäusebussard 4, Turmfalke 2, Waldwasserläufer 1, Hohltaube 2, Ringeltaube 80, Buntspecht 1, Feldlerche 2, Brachpieper 6, Bachstelze 3, Gartenrotschwanz 2, Braunkehlchen 5, Schwarzkehlchen 2, Steinschmätzer 1, Neuntöter 1, Star 120, Feldsperling 30, Stieglitz 30

Fett = Bemerkenswerte Beobachtung (seltene oder wenig häufige Art oder hohe Anzahl)

 

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Brachpieper auf der Deponie von T. Rautenberg

Fernsehbericht „Das Verschwinden der Vögel — Artensterben in Brandenburg“ (OZON Umwelt/Wissenschaft)

Am 14.9.2015 um 22.15 Uhr berichtet „Ozon unterwegs“ im rbb-Fernsehen über das Artensterben in Brandenburg.

Es ist still geworden in Brandenburgs Agrarlandschaften. Laut Artenschutzexperte Helmut Brücher hat sich der Bestand der Feldvögel seit 1980 fast halbiert. Besonders betroffen sind Arten wie Feldlerche, Braunkehlchen. Wiesenpieper, Arten, denen aufgrund der Veränderungen in den Ackerlandschaften die Nahrung ausgeht. Dabei sind es nicht nur die immer rarer werdenden Brachflächen, sondern auch die vielen tausend Tonnen Glyphosat, die jedes Jahr zur Unkrautvernichtung versprüht werden und die damit auch die Nahrungsketten der Vögel vernichten. Seit 2001 haben Biologen im Auftrag des Bundesamtes für Naturschutz unter anderem im Ökodorf Brodowin erforscht, wie sich Landwirtschaft und Feldvogelschutz besser vereinbaren lassen, etwa durch Höherstellen der Messer bei der Mahd in der Brutzeit. Das Ergebnis sind nicht nur wieder mehr Vögel und blühende Flächen, sondern auch ein Handbuch für Bauern. Auf das es, so Martin Flade, Leiter des Biosphärenreservates, schon erfreuliche Resonanz gibt.

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Prognose für 2050: Plastikteile in bis zu 99% aller Seevogelmägen

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Plastikmüll stellt neben der direkten Aufnahme auch als Nistmaterial eine Gefahr für Seevögel dar
© Hans Glader

 

Die Verschmutzung der Ozeane durch Plastikmüll stellt ein weltweites Problem dar. Konzentrationen von bis zu 580.000 Teilen pro km² wurden nachgewiesen und die Verschmutzung steigt exponentiell weiter an. Die weltweite Produktion von Plastik verdoppelt sich derzeit alle elf Jahre. Obwohl bereits zahlreiche Studien Erkenntnisse über Auswirkungen auf die Tierwelt geliefert haben, gibt es bislang wenige systematische Risikobewertungen.

Im Rahmen einer Untersuchung der staatlichen Behörde Australiens für wissenschaftliche und industrielle Forschung CSIRO und des Imperial College London wurden 270 Studien zu Seevögeln aus den Jahren 1962 bis 2012 ausgewertet. Bei 80 von 135 (59%) in den betrachteten Studien untersuchten Seevogelarten wurde Plastik in der Nahrung nachgewiesen, durchschnittlich 29% der Individuen hatten Plastikteile in ihren Mägen. In einzelnen Vögeln wurden dabei bis zu 200 Teile gefunden. Der für Nahrung gehaltene und von den Vögeln aufgenommene bunte Plastikmüll kann zu Magenverschlüssen, Gewichtsverlusten und schließlich zum Tod der Vögel führen.

Während um 1960 gerade einmal bei 5% der untersuchten Vögel Plastik gefunden wurde, waren es 2010 bereits 80%. Hochgerechnet erwarten die Forscher, dass derzeit bereits rund 90% der Seevögel Plastik in sich tragen und diese Quote bis 2050 sogar bis auf 99% ansteigen wird.

Aus der Verbreitung und den Bestandstrends der Seevogelarten über die betrachteten fünf Jahrzehnte sowie der Verteilung des Plastikmülls haben die Forscher auch die Bereiche mit der größten Gefährdung für Seevögel durch die Verschmutzungen errechnet. Demnach sind besonders die südlichen Teile des Indischen, Pazifischen und Atlantischen Ozeans betroffen — Bereiche, die bislang eher als relativ unberührt angesehen wurden. Die größten Auswirkungen werden in der Tasmanischen See zwischen Australien und Neuseeland erwartet.

Zum ersten Mal wurde im Rahmen der in der amerikanischen Fachzeitschrift Proceedings of the National Academy of Sciences veröffentlichten Studie das weltweite Ausmaß der Gefährdung von Seevögeln durch Plastikmüll bewertet. Seevögel stellen hervorragende Indikatoren für den Zustand der marinen Ökosysteme dar. Es ist daher dringend notwendig die Verwendung von Plastik einzuschränken und die Verschmutzung durch besseres Abfallmanagement zu minimieren. Dass schon kleinere Maßnahmen effektiv sein können, zeigen beispielsweise Bemühungen zur Reduktion von Plastikmüll in Europa. Eine messbare Reduktion von Plastik in Seevogelmägen konnte hier bereits innerhalb von rund 10 Jahren erreicht werden.

Weitere Informationen

  • Chris Wilcox, Erik Van Sebille, and Britta Denise Hardesty. Threat of plastic pollution to seabirds is global, pervasive, and increasing. PNAS, August 31, 2015 DOI: 10.1073/pnas.1502108112

 

Erde erlebt sechste große Aussterbe-Welle

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Um sein Überleben kämpfen Vogelschützer seit Jahren: Der auf La Reunion endemische Newton-Raupenfänger rangiert unter den zehn seltensten Vogelarten der Erde.

Die Menschheit erlebt gegenwärtig einen regelrechten Tsunami des Aussterbens von Tierarten, die in ihrem Ausmaß die vorangegangenen fünf großen Aussterbe-Wellen in der Erdgeschichte in den Schatten stellen könnte. Zu diesem dramatischen Ergebnis kommt eine neue Studie aus den USA. Der US-Wissenschaftler Malcolm McCallum verglich für seine in Biodiversity Conservation publizierten Untersuchung das Ausmaß des Artensterbens seit 1800 beziehungsweise 1980 mit der großen Aussterbe-Welle am Ende der Kreidezeit vor etwa 65 Millionen Jahren, der auch die Dinosaurier zum Opfer fielen. Damals starben wahrscheinlich durch einen Asteroiden-Einschlag rund die Hälfte aller Wirbeltier-Gattungen und mehr als 70 Prozent der Wirbeltier-Arten aus. Für die Berechnungen zur gegenwärtigen Welle des Artensterbens griff der Autor auf die Daten der 2012 veröffentlichten Roten Liste der Internationalen Naturschutzunion IUCN zurück.
In verschiedenen statistischen Szenarien berechnet die Studie die Aussterberate sowohl auf Basis der tatsächlich seit dem Jahr 1500 bzw. 1980 ausgestorbenen Arten als auch unter Einbeziehung der Arten, die in der IUCN-Roten Liste in einer der Bedrohungskategorien von Ausgestorben bis zu Gefährdet rangieren und der Gruppe, über die nicht ausreichend Daten vorliegen (data deficient „dd“).

Die Ergebnisse sind ein Schrei nach Fortschritten im Artenschutz.
Die Ausrottung der Wirbeltierarten hat sich seit dem Jahr 1500 24- bis 85-fach schneller ereignet als während des Massensterbens in der Kreidezeit“, errechnete McCallum. Seit 1980 sei das Ausmaß des Aussterbens von Arten förmlich explodiert, warnt der Wissenschaftler.
Werden die gegenwärtig auf der Roten Liste geführten Arten sowie die „dd“-Arten für diese Berechnung als ausgestorben erachtet, erreichte das Ausmaß des Artensterbens sogar das 8.900- bis 18.500-fache des geschätzten Kreidezeit-Sterbens. „Diese extremen Werte und die hohe Geschwindigkeit, mit der die Biodiversität von Wirbeltieren zurückgeht, sind vergleichbar mit den Verheerungen früherer Aussterbe-Wellen.“ Sollte das Niveau des Artensterbens anhalten, sei dies ausreichend, ganze Wirbeltier-Gruppen in weniger als einem Jahrhundert auszurotten.

Für die Gruppe der Vögel errechnete McCallum auf Basis der seit 1500 ausgestorbenen Arten ein um 11 bis 78 Mal größeres Ausmaß des Artensterbens gegenüber des Kreidezeit-Sterbens. Unter Einbeziehung der Rote-Liste sowie der „dd“-Arten ergibt sich ein um 92- bis 793-fach größeres Ausmaß des Post-1500-Artensterbens gegenüber dem Kreidezeit-Ereignis. Hält das Artensterben im gleichen Tempo an, könnten alle Vogelarten der Studie zufolge in 23.400 bis 38.500 Jahren ausgestorben sein — abhängig davon, ob die Aussterberate seit 1980 oder seit 1500 zugrunde gelegt wird. „Wir rotten Tiere schneller aus, als es selbst der katastrophale Asteroiden-Einschlag zum Ende der Kreidezeit vermochte. Diese rasanten Verluste sind ohne Beispiel“, bilanziert der Autor.

Beitrag: Thomas Krumenacker

Weitere Informationen

  • McCallum, M.L. 2015: Vertebrate biodiversity losses point to a sixth mass extinction. Biodiversity and Conservation. DOI 10.1007/s10531-015-0940-6

 

Mittelmeer: 25 Millionen illegal getötete Zugvögel pro Jahr

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Rund 700.000 Feldlerchen werden alljährlich am Mittelmeer illegal getötet

© Peter Hering

 

Nach einer neuen Veröffentlichung von BirdLife International werden rund um das Mittelmeer jährlich viele Millionen Zugvögel gefangen oder geschossen. Unter den Staaten mit den höchsten Zahlen getöteter Vögel finden sich nicht nur Länder wie Syrien oder Libyen sondern auch einige europäische Nationen. So liegt Italien in der unrühmlichen Statistik mit rund 5,6 Millionen getöteten Vögeln pro Jahr nur knapp hinter Ägypten (5,7 Mio.). Ebenfalls hohe Zahlen wurden für Griechenland (0,7 Mio.), Frankreich (0,5 Mio.), Kroatien (0,5 Mio.) und Albanien (0,3 Mio.) ermittelt. Malta rangiert nicht unter den Ländern mit den höchsten Fangzahlen, doch bezogen auf die kleine Fläche des Landes, werden pro km² Fläche 343 Vögel getötet. Stellt man die Opferzahlen den Bevölkerungszahlen gegenüber, so liegt Zypern mit 196 pro 100 Einwohnern getöteten Vögeln vorne. Diese erschreckenden Zahlen zeigen den großen Bedarf, die EU-Vogelschutzrichtlinie zu erhalten und zu stärken.

In der Studie wurden auch die am meisten betroffenen Vogelarten ermittelt. Von den rund 25 Millionen Opfern entfallen mehr als 20 Millionen auf Singvögel. Es sind aber auch 1 Million Wasservögel sowie rund 700.000 Tauben und viele weitere Arten betroffen. Mit rund 2,9 Millionen getöteten Individuen rangiert der Buchfink deutlich auf Platz 1. Fangzahlen von über einer Million erreichen auch Mönchsgrasmücke (1,8 Mio.), Wachtel (1,6 Mio.) und Singdrossel.

Die im Rahmen der britischen Birdfair 2015, einer großen Messe rund um die Vogelbeobachtung, jüngst in einer Broschüre mit dem treffenden Namen „The Killing“ bekannt gegebenen Daten stellen nur eine Vorab-Information einer umfangreichen wissenschaftlichen Arbeit dar, die sich derzeit in Vorbereitung befindet.

Quelle: BirdLife International, 21.8.2015

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