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Vögel in Deutschland aktuell: Rückblick auf das Frühjahr 2015

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Zwergmöwe
© F. Sudendey

 

 

Das Frühjahr 2015 war — vergleichbar mit dem des letzten Jahres — insgesamt recht warm, sehr sonnig und fast überall viel zu trocken. Es gab jedoch beträchtliche regionale Unterschiede: Während die Mitte Deutschlands unter starker Trockenheit litt, regnete es im Norden, vor allem aber im äußersten Süden überdurchschnittlich viel. Ende März fegte zudem Orkan „Niklas“ mit Böen bis 150 km/h über uns hinweg. In unserem Beitrag über das Frühjahr 2015 in Der Falke betrachten wir einige Ereignisse in der Vogelwelt in den Monaten März bis Mai.

Anhand der Daten aus ornitho.de können wir die Ankunft der Zugvögel mittlerweile über vier Jahre miteinander vergleichen und der Frage nachgehen, ob einzelne Arten früher oder später zu uns zurückkehrten als in anderen Jahren. Sehr eindrucksvoll wird die Frühjahrsankunft von 25 häufigen und/oder weitverbreiteten Singvogelarten (inkl. Mauersegler) in Deutschland in den Jahren 2012 bis 2014 im Vergleich zu 2015 dargestellt. Bei der Dorngrasmücke deutet sich anhand der Beobachtungen von ornitho.de eine bereits durch die Vogelberingung ermittelte, schwach ausgeprägte Zugscheide durch die Mitte Deutschlands an.

Intensiver gehen wir in unserem Rückblick außerdem auf den Durchzug der Zwergmöwe ein. Die kleinste Möwe der Welt lässt bei uns vor allem im April/Mai sowie in deutlich geringerer Zahl auf dem Wegzug von Juli bis September beobachten. Durch die Stürme „Mike“ und „Niklas“ wurden in diesem Jahr ab dem 30. März ungewöhnlich früh zahlreiche Zwergmöwen bis tief ins Binnenland verdriftet.

Eines der eindrucksvollsten Ereignisse in diesem Frühjahr war das außergewöhnlich starke Auftreten von Rotfußfalken im südlichen Baden-Württemberg und Bayern. Bereits nördlich der Donau trat die Art hingegen nur ganz vereinzelt auf. Die Zusammenstellung der Meldungen aller ornitho-Portale ermöglicht einen aufschlussreichen Einblick zum großräumigen Verlauf des Einfluges. Auch mögliche Ursachen für das 2015 etwa fünfmal so starke Auftreten wie im Mittel der drei Vorjahre werden diskutiert.

Den Beitrag „Vögel in Deutschland aktuell: Frühjahr 2015: Zugvögel im Plan, Zwergmöwen vom Winde verweht und Rotfußfalken auf Abwegen“ in der Zeitschrift Der Falke können Sie hier als PDF herunterladen. Alle weiteren Beiträge finden Sie unter Publikationen und Auswertungen.

Das komplette Der Falke-Heft 08/2015 mit vielen weiteren Beiträgen, u.a. über Seevogelschutz in England, die illegale Jagd auf Weidenammern in China, Neues zum „Fahlkauz-Komplex“, interessante Vogelnamen aus anderen Sprachen sowie den Steinschmätzer und eine beeindruckende Auswahl von Fotos badender Vögel können Sie über die Internetseite von „Der Falke“ beziehen.

Viel Spaß beim Lesen wünscht das Team von ornitho.de und ornitho.lu!

Temminckstrandläufer auf dem Zug bis in afrikanische Winterquartiere verfolgt

Mehr als 5000 Kilometer liegen zwischen Brut- und Überwinterungsgebieten von TemminckstrandBild zur Meldungläufern.

 

 

 

Zum Zugverhalten und zur genauen Lage der Überwinterungsgebiete von Temminckstrandläufern war bislang nur relativ wenig bekannt. Im Rahmen einer Studie von Wissenschaftlern der Universität Bergen und der Schweizerischen Vogelwarte Sempach wurde nun das Zugverhalten von Temminckstrandläufern untersucht. Dabei wurden sowohl morphologische Daten der wissenschaftlichen Vogelberingung ausgewertet, als auch Vögel mit Hilfe von Geolokatoren auf ihrem Weg zwischen Brutgebiet und Winterquartier verfolgt. Es wurde angenommen, dass die Strandläufer entweder zahlreiche kurze Stopps einlegen und die Sahara mit relativ wenigen Reserven umfliegen oder nördlich der Sahara große Reserven aufbauen, um die Wüste direkt zu überqueren.

Insgesamt 30 Temminckstrandläufer wurden in den Jahren 2010 und 2011 an Brutplätzen in Norwegen mit ultraleichten Geolokatoren ausgestattet. Im folgenden Jahr konnten insgesamt 12 Vögel erneut im Brutgebiet festgestellt werden. Während ein Vogel seinen Sender verloren hatte und zwei weitere Vögel sich nicht fangen ließen, konnten immerhin neun Vögel erneut gefangen und die Daten ihrer Logger ausgelesen werden. Leider stellte sich heraus, dass drei dieser Geolokatoren keinerlei Daten enthielten und weitere drei bereits im August nach der Beloggerung ausgefallen waren, also lediglich Erkenntnisse über den Abzug in den ersten Wochen ermöglichten. Immerhin drei Geolokatoren hatten jedoch vollständige Routen des Weg- und Heimzugs der Vögel erfasst.

Mit dem Verlassen der Brutplätze Ende Juli zogen fünf der sechs ausgewerteten Vögel südwestwärts über Mitteleuropa, während einer der Strandläufer südöstlich bis auf die Balkanhalbinsel flog, wo sein Geolokator leider ausfiel. Während des 10-27 Tage dauernden Zuges bis nach Nordafrika legten die Vögel 1-4 kurze Zwischenstopps von durchschnittlich vier Tagen ein. Anschließend rasteten die Vögel 11-20 Tage in Nordafrika, bevor die Sahara überquert wurde. Das während des Herbstzuges an insgesamt 22 Rastplätzen zwischen Skandinavien und Nordafrika gemessene Gewicht der Vögel war generell deutlich höher, als während der Brutzeit und variierte geographisch kaum.

Als Überwinterungsgebiet der norwegischen Temminckstrandläufer konnte das große Binnendelta des Niger in Mali ermittelt werden, wo die Vögel sich nach durchschnittlich 47 Tagen auf dem Zug ab Anfang September für mehr als sieben Monate aufhielten. Der Frühjahrszug setzte Ende April/Anfang Mai ein, auf dem die Vögel die Sahara erneut überquerten und ebenfalls Zwischenrastplätze im westlichen Mittelmeerraum nutzten. Die geringsten Gewichte wurden bei Vögeln gemessen, die auf dem Frühjahrszug auf Inseln im Mittelmeer rasteten. Dies verdeutlicht die kräftezehrende Überquerung natürlicher Barrieren, wie der Sahara und des Mittelmeeres.

Aufgrund der geringen Stichprobe der beloggerten bzw. auswertbaren Vögel, lassen die Daten der Studie keine Rückschlüsse auf mögliche Auswirkungen von Niederschlagsereignissen, lokaler Nahrungsverfügbarkeit oder weiterer Umweltbedingungen auf das Zugverhalten von Temminckstrandläufern zu. Weitere Untersuchungen werden hier hoffentlich zusätzliche Erkenntnisse bringen. Die Ergebnisse der Studie sind im Journal of Avian Biology veröffentlicht worden.

Weitere Informationen

  • Lislevand, T. and Hahn, S. (2015), Skipping-type migration in a small Arctic wader, the Temminck′s stint Calidris temminckii. Journal of Avian Biology, 46: 419–424. doi: 10.1111/jav.00653

Quelle: DDA 08/2015

 

Vogelrazzia im Ruhrgebiet

Vogel-Razzia im Ruhrgebiet

Bei Vogelfänger D. in Bottrop beschlagnahmte DompfaffenBei Vogelfänger D. in Bottrop beschlagnahmte DompfaffenRecherchen des Komitees gegen den Vogelmord und des Journalistenbüros Correct!v haben die Polizei zu dem einschlägig vorbestraften Vogelhändler Otto D. aus Bottrop geführt. Der Vorwurf: Illegaler Fang und Verkauf einheimischer Singvögel in großem Stil. Der Mann war bereits vor 2 Jahren unter Verdacht geraten, jahrelang geschützte Singvögel auf seinem Grundstück gefangen und bundesweit verkauft zu haben. Bei einer Durchsuchung seiner Wohnräume wurden von der Polizei damals mehr als 150 wild gefangene einheimische Singvögel sichergestellt. Es handelte sich dabei um Stieglitze, Meisen, Buchfinken, Erlenzeisige, Dompfaffen, Mönchsgrasmücken und Kleiber. Bei der Aktion wurden auch mehrere Käfigfallen, Gerätschaften zur Manipulation von Zuchtringen sowie umfangreiche Korrespondenz mit anderen Vogelhaltern entdeckt und beschlagnahmt. Wegen Tierquälerei und Verstoß gegen das Bundesnaturschutzgesetz wurde D. Im April 2015 wurde per Strafbefehl zu einer Haftstrafe von einem Jahr auf Bewährung und zur Zahlung von 100.000 Euro an gemeinnützige Organisationen verdonnert.

Die Katze lässt das Mausen nicht…

Interview unerwünscht: Vogelfänger D. wehrt Journalisten ab (© Correct!v)Interview unerwünscht: Vogelfänger D. wehrt Journalisten ab (© Correct!v)Wer glaubt, dass eine solche Strafe abschreckend wirkt, hat auf das falsche Pferd gesetzt. Wenige Wochen, nachdem der Strafbefehl gegen D. rechtskräftig wurde, erhielten wir im Frühling den Hinweis, dass auf dem Grundstück des Händlers weiterhin Vögel gefangen werden. Um dem Mann endgültig das Handwerk zu legen, schlossen sich die Experten des Komitees mit Journalisten des renommierten Recherchebüros Correkt!v aus Essen zusammen, das auf verdeckte Ermittlungen und Aufnahmen mit versteckten Kameras spezialisiert ist. Als italienische Vogelhändler getarnt gelang es, Kontakt zu D. aufzunehmen und bei einem Testkauf im Juni 2015 rund ein Dutzend Buchfinken und Gimpel zu erwerben. Sämtliche Vögel wurden sofort in eine Pflegestation gebracht, wo ein staatlich anerkannter Gutachter attestierte, dass es sich wie vermutet um Wildfänge und nicht – wie von D. angegeben – um Nachzuchten handelte.

Die Falle schnappt zu

Experten stellen illegale Klappnetze im Garten des Beschuldigten sicher (© Correct!v)Experten stellen illegale Klappnetze im Garten des Beschuldigten sicher (© Correct!v)Als sich der Vogelfänger einige Wochen später erneut meldete und verkündete, wieder frische „Ware“ liefern zu können, wurde sofort die Stabsstelle Umweltkriminalität des Landes NRW in Düsseldorf eingeschaltet. Bei der anschließenden Hausdurchsuchung durch die Polizei wurden in D.´s Garten und Garage rund ein Dutzend Käfige mit frisch gefangenen Singvögeln und mehrere aktive Vogelfallen vorgefunden. Die Staatsanwaltschaft Essen hat deshalb nun ein neues Strafverfahren eingeleitet. Als einschlägig vorbestrafter Wiederholungstäter dürfte D. diesmal nicht so glimpflich davonkommen. Das Bundesnaturschutzgesetz sieht für gewerbs- und gewohnheitsmäßigen Fang und Handel mit illegal gefangenen Singvögeln einen Strafrahmen von bis zu 5 Jahren Haft vor. Für die bei D. beschlagnahmten Vögel hatte das Ganze übrigens ein happy end: Sie wurden im Juli alle gesund und munter in die Freiheit entlassen.

Wildfänge für das Finkenmanöver?

Wie die Recherchen von Correct!v und dem Komitee ergeben haben, hat Otto D. übrigens auch regelmäßig wichtige Funktionäre des umstrittenen Harzer Finkenmanövers mit Buchfinken beliefert. Insgesamt geht es um fast 100 Vögel. Das Finkenmanöver ist eines der ältesten Volks- und Kulturfeste im Harz, bei dem Vogelhalter den Gesang ihrer gezüchtete Buchfinken vorführen. Dieses Wettsingen hat in vielen Harzorten eine lange Tradition, welche alten Überlieferungen zufolge bis in das Spätmittelalter zurückreichen soll. Den Veranstaltern zufolge werden dabei heutzutage „selbstverständlich“ nur legal nachgezüchtete Vögel verwendet. Die Tatsache, dass ausgerechnet Vogelfänger D. einen großen Teil der Tiere für das Finkenmanöver geliefert hat, lässt allerdings genau das Gegenteil vermuten.

 

Quelle: CABS 2015

Vögel in Deutschland aktuell: Rückblick auf das Frühjahr 2015

Das Frühjahr 2015 war – vergleichbar mit dem des letzten Jahres – insgesamt recht warm, sehr sonnig und fast überall viel zu trocken. Es gab jedoch beträchtliche regionale Unterschiede: Während die Mitte Deutschlands unter starker Trockenheit litt, regnete es im Norden, vor allem aber im äußersten Süden überdurchschnittlich viel. Ende Oktober fegte zudem Orkan „Niklas“ mit Böen bis 150 km/h über uns hinweg. In unserem Beitrag über das Frühjahr 2015 in Der Falke betrachten wir einige Ereignisse in der Vogelwelt in den Monaten März bis Mai.

Anhand der Daten aus ornitho.de können wir die Ankunft der Zugvögel mittlerweile über vier Jahre miteinander vergleichen und der Frage nachgehen, ob einzelne Arten früher oder später

zu uns zurückkehrten als in anderen Jahren. Sehr eindrucksvoll wird die Frühjahrsankunft von 25 häufigen und/oder weitverbreiteten Singvogelarten (inkl. Mauersegler) in Deutschland in den Jahren 2012 bis 2014 im Vergleich zu 2015 dargestellt. Bei der Dorngrasmücke deutet sich anhand der Beobachtungen von ornitho.de eine bereits durch die Vogelberingung ermittelte, schwach ausgeprägte Zugscheide durch die Mitte Deutschlands an.

Intensiver gehen wir in unserem Rückblick außerdem auf den Durchzug der Zwergmöwe ein. Die kleinste Möwe der Welt lässt bei uns vor allem im April/Mai sowie in deutlich geringerer Zahl auf dem Wegzug von Juli bis September beobachten. Durch die Stürme „Mike“ und „Niklas“ wurden in diesem Jahr ab dem 30. März ungewöhnlich früh zahlreiche Zwergmöwen bis tief ins Binnenland verdriftet.

Eines der eindrucksvollsten Ereignisse in diesem Frühjahr war das außergewöhnlich starke Auftreten von Rotfußfalken im südlichen Baden-Württemberg und Bayern. Bereits nördlich der Donau trat die Art hingegen nur ganz vereinzelt auf. Die Zusammenstellung der Meldungen aller ornitho-Portale ermöglicht einen aufschlussreichen Einblick zum großräumigen Verlauf des Einfluges. Auch mögliche Ursachen für das 2015 etwa fünfmal so starke Auftreten wie im Mittel der drei Vorjahre werden diskutiert.

Den Beitrag „Vögel in Deutschland aktuell: Frühjahr 2015: Zugvögel im Plan, Zwergmöwen vom Winde verweht und Rotfußfalken auf Abwegen“ in der Zeitschrift Der Falke können Sie hier als PDF herunterladen. Alle weiteren Beiträge finden Sie unter Publikationen und Auswertungen.

Das komplette Falke-Heft 08/2015 mit vielen weiteren Beiträgen, u.a. über Seevogelschutz in England, die illegale Jagd auf Weidenammern in China, Neues zum „Fahlkauz-Komplex“, interessante Vogelnamen aus anderen Sprachen sowie den Steinschmätzer und eine beeindruckende Auswahl von Fotos badender Vögel können Sie über die Internetseite von „Der Falke“ beziehen.

Viel Spaß beim Lesen wünscht
das Team von ornitho.de und ornitho.lu!

 

Foto: Zwergmöwe. F. Sudendey

Quelle: DDA 2015

Alarmierend: Seevögelbestände gehen weltweit zurück

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Seeschwalben zeigten seit 1950 besonders starke Rückgänge
© Jan Goedelt

Populationen von Seevögeln sind gute Indikatoren für langfristige und großräumige Veränderungen mariner Ökosysteme. In einer Untersuchung des Projektes „Sea Around Us“ der Universität von British Columbia und der Pew Charitable Trusts wurden nun die Entwicklungen der weltweiten Seevogelbestände 1950-2010 verglichen. Insgesamt wurden dabei Daten von mehr als 300 Seevogelarten aus 13 Familien und von über 350 Küstenabschnitten ausgewertet. Geschätzte 19 % der weltweiten Seevogelbestände konnten somit berücksichtigt werden, sodass die ermittelten Trends die reale Entwicklung widerspiegeln dürften. Die Ergebnisse geben Grund zur Sorge, denn es wurde festgestellt, dass die Bestände insgesamt um rund 70 % zusammengebrochen sind. Die größten Rückgänge wurden dabei bei Seevogelfamilien festgestellt, deren Arten vorwiegend weit verbreitet sind oder die sehr große Aktionsräume haben, was auf eine weltweite statt kleinräumige Gefährdung hinweist. So gab es bei den Seeschwalben, die insbesondere auf dem Zug enorme Entfernungen zurücklegen, die größten Rückgänge, gefolgt von Fregatt- und Sturmvögeln. Zunahmen konnten bei Sturmschwalben, Alken und Tölpeln verzeichnet werden. Die Ergebnisse wurden in der internationalen Online-Fachzeitschrift PLOS ONE veröffentlicht.

Weitere Informationen

 

Vögel in Deutschland aktuell: Rückblick auf den Herbst 2014

Der Herbst 2014 war in Deutschland der zweitwärmste seit Beginn flächendeckender Messungen im Jahr 1881. Auch die Vögel reagierten auf die milden Temperaturen und so gehen wir in unserem aktuellen Rückblick auf die Monate September bis November der Frage nach „Wer blieb länger, wer kam später?“. Eine Reihe von Vogelarten wurde spät im Jahr noch ungewöhnlich zahlreich beobachtet. Besonders auffällig war dies bei Rotmilan und Weißstorch festzustellen. Wir vergleichen die Zahl der Beobachtungen mit der aus dem Herbst 2013. Doch nicht alle Arten waren häufiger als gewöhnlich zu beobachten. Wacholderdrosseln wurden deutlich seltener beobachtet.

Als eine der häufigsten Vogelarten in Deutschland finden Ringeltauben vergleichsweise wenig Beachtung. Ihren mitunter spektakulären Zug innerhalb weniger Massenzugtage schauen wir uns einmal näher an. Wir gehen der Frage nach, ob und wie sich diese Zugereignisse in den Daten von ornitho.de widerspiegeln und welche Aussagen zum Durchzug der Ringeltauben sich gegebenenfalls daraus ableiten lassen.

Bereits 2013 gab es hierzulande ein starkes Auftreten von Rotfußfalken. In diesem Jahr waren die Zahlen nochmals größer, sodass es sich wohl um eine der stärksten dokumentierten Invasionen in Deutschland handelte. In unserem Rückblick befassen wir uns genauer mit dem zeitlichen und räumlichen Auftreten und der Altersstruktur der beteiligten Vögel.

Den Beitrag „Vögel in Deutschland aktuell: Herbst 2014: Rotmilane, Ringeltauben und Rotfußfalken“ können Sie hier als PDF herunterladen. Alle weiteren Beiträge finden Sie unter Publikationen und Auswertungen.

Das komplette Falke-Heft 01/2015 mit vielen weiteren Beiträgen, u.a. über den Habicht als Vogel des Jahres 2015, Seeregenpfeifer in Deutschland, die Herkunft einiger deutscher Vogelnamen, Vögel des Offenlandes und Schleiereulen können Sie über die Internetseite von „Der Falke“ beziehen.

Viel Spaß beim Lesen wünscht das Team von ornitho.de und ornitho.lu!

 

Foto: J. Gerlach

Quelle: DDA, ornitho.de

Aktualisierte Informationen über Einflüsse der Windenergienutzung auf Vögel

DDA Aktuell

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© Mathias Putze

Seit dem Jahr 2002 trägt die Staatliche Vogelschutzwarte des Landesamtes für Umwelt, Gesundheit und Verbraucherschutz Brandenburg (LUGV) verfügbare Daten zu Kollisionen von Vögeln und Fledermäusen an Windenergieanlagen (WEA) aus ganz Deutschland zusammen. Ziel der Datenbank ist es, die vorhandenen, bundesweit verstreuten Daten über Anflugverluste an WEA zusammenzutragen, durch diese Sammlung zusätzliche Erkenntnisse zu gewinnen und die Einhaltung von Mindeststandards bei der weiteren Datengewinnung und -dokumentation durchzusetzen.

Regelmäßig werden die Kollisionszahlen auf der Internetseite des LUGV aktualisiert. Bei jeder Art ist jeder Einzelfund nachvollziehbar, so dass Jeder selbst überprüfen kann, was bereits gemeldet wurde und was nicht. Ergänzt wurden jüngst auch die Informationen über Einflüsse der Windenergienutzung auf Vögel. Darin werden für die einzelnen Arten Schutzstatus, Gefährdung durch Kollision, Lebensraumentwertung, Aktionsraum, Abstandsregelungen und hilfreiche Literaturhinweise zusammengefasst. Unterstützen Sie die Datensammlung durch die Meldung von Kollisionsopfern oder weiterer hilfreicher Publikationen zu dem Thema!

Weitere Informationen

 

 

Beitrag zur Vogelgrippe

Da wir sehr daran interessiert sind zu aktuellen Themen fachliche Beiträge zu leisten, und die Berichterstattung in den Medien derzeit alles andere als fachlich und professionell ist, veröffentliche ich hier gerne  eine Stellungnahme eines sehr versierten Kollegen. Diese trifft den Nagel auf den Kopf und regt hoffentlich dazu an, das auch Sie versuchen das in den Medien verbreitete differenzierter zu sehen und ein wenig mehr zu hinterfragen. Bei Fragen zu diesem Thema stehen wir sehr gerne zur Verfügugng.
Herzlichsten Dank an S. Lorenzen!

Liebe Beobachter
Schon wieder schlägt ein hochpathogenes Vogelgrippe-Virus zu: H5N8 heißt es dieses Mal. Und schon wieder geben Politiker mit sorgenschweren Gesichtern Auskunft über den Ernst der Lage, und reflexartig nimmt das Friedrich-Loeffler-Institut (FLI) von der Insel Riems (bei Rügen) wieder die Wildvögel als gefährliche Überträger des Virus ins Visier. Und endlich, im Umkreis von Rügen wurde eine Krickente geschossen, die H5N8 in sich trug. „Krickenten gelten als äußerst mobil und legen Entfernungen von bis zu 8000 Kilometer zurück. Sie leben nach Angaben von Minister Backhaus in großer Zahl am Baikalsee in Sibirien. Tiere von dort seien in Südkorea beobachtet worden und sie flögen auch bis nach Europa.“ So das Schreckensszenario gezeichnet vom Agrarministerium Meck-Pomm. Südkorea gilt zurzeit als das am stärksten von H5N8 betroffene Land. In Europa sei H5N8 kurz nacheinander auf Geflügelbetrieben in Meck-Pomm, in den Niederlanden und in Südengland festgestellt worden. In der letzten Woche noch sinnierte Prof. Dr. Mettenleiter vom FLI: Wildvögel könnten das Virus mit etappenweisen Neuinfektionen auf dem Zuge von Südkorea quer über Asien erst nach Deutschland und in die Niederlande gebracht haben, und über Island könnten andere Vögel das Virus nach England gebracht haben. Dieser Quatsch vom FLI ist inzwischen vom Netz genommen worden, aber Wildvögel bleiben noch immer im Fokus, der geschossenen Krickente sei Dank.

Die stümperhafte Epidemiologie des FLI ist nicht zum Lachen geeignet, eher zum Weinen, denn sie richtet viel Schaden an. Wie früher schon bei H5N1 sind es wieder Nichtregierungsorganisationen, die Licht ins epidemiologische Dunkel bringen. Das Wissenschaftsforum Aviäre Influenza (WAI) hat herausgefunden, dass in Südengland H5N8 auf der Entenfarm Driffield gefunden wurde, die zum Unternehmen Cherry Valley Farms Ltd gehört, das nach eigenen Angaben enge Handelsbeziehungen zu Entenfarmen im H5N8-Epidemie-Gebiet Südkorea unterhält. In Deutschland unterhält das Unternehmen eine Entenfarm in Wriezen (Brandenburg). Die kürzeste Straßenroute von Driffield nach Wriezen führt unmittelbar am niederländischen Ort Hekendorp vorbei, wo der von H5N8 betroffene Betrieb liegt. Auf dem Weg zwischen Ostasien und Deutschland wurde trotz 10.000 Proben im Zuge des Wildvogelmonitoring seit 2006 kein infizierter Wildvogel gefunden, auch nicht an großen Rastplätzen. Fazit: Die Spekulationen des FLI sind haltlos, die Geflügelindustrie (samt ihren Transporten, z.B. zu Schlachthöfen) müssen ins Visier der Epidemiologen genommen werden, nicht die Wildvögel.

Ein Wunder wäre, wenn das FLI die Erkenntnisse vom WAI nicht schon selbst ermittelt hätte. Was könnte das FLI dann am Festhalten der Wildvogelhypothese zur Verbreitung von H5N8 bewegen? Auf der Suche nach einer Antwort würde ein Detektiv zunächst ein geeignetes Motiv suchen. Ein solches Motiv gibt es in der Tat: Das Image der deutschen Geflügelindustrie soll nicht beschädigt werden, und das gelingt am besten, wenn Wildvögel als Verbreiter von H5N8 hingestellt werden. Als Gegenleistung wurde das FLI schon früher, nach dem H5N1-Theater, mit Forschungsmillionen geradezu überschüttet. Das wäre doch ein Motiv, noch einmal Forschungsmillionen zu bekommen. Warten wir ab, ob an dem Motiv etwas Wahres dran ist. Eine andere Erklärung könnte sein, dass die Forscher im FLI einfach nur strohdumm sind. Damit ist nicht zu rechnen.

Mit ernüchtertem Gruß
S. Lorenzen

 

Hunderte wichtiger Naturgebiete in Gefahr

BirdLife International veröffentlicht weltweite Liste bedrohter Gebiete

Mehr als 350 der wertvollsten Naturgebiete der Erde stehen vor der Zerstörung, wie aus einem Bericht hervorgeht, den die Naturschutzorganisation BirdLife International am Wochenende auf dem World Parks Congress der Internationalen Naturschutzunion IUCN in Sydney, Australien, vorstellte. Die Liste enthält auch fünf Gebiete aus Deutschland.

Bekassine

Die Bekassine – Vogel des Jahres 2013 – ist in den laut BirdLife bedrohten deutschen Naturgebieten Leda-Jümme-Niederung und Unterer Niederrhein zu Hause

Der Bericht ist Ergebnis einer Bewertung der Gefährdung der 12.000 weltweit wichtigsten Gebiete für Vögel und Artenvielfalt, die seit den 1970er Jahren nach wissenschaftlichen Kriterien auf der ganzen Welt als „Important Bird and Biodiversity Areas“, kurz IBAs identifiziert wurden. 540 dieser Gebiete hatte der NABU in Deutschland in Zusammenarbeit mit Wissenschaftlern und lokalen Experten abgegrenzt.

IBAs stellen das größte und umfassendste Netz für den Naturschutz besonders wichtiger Gebiete auf der Welt dar. 356 dieser Gebiete aus 122 Ländern wurden nun als „IBAs in Gefahr“ gewertet. Sie laufen akute Gefahr, ihren Wert für die Natur in Kürze für immer zu verlieren und stehen damit beispielhaft für zahlreiche andere Gebiete mit ähnlichen Problemen. Dabei sind etwa die Hälfte dieser Gebiete ausgewiesene Schutzgebiete, was einmal mehr unterstreicht, dass eine Schutzgebietsausweisung alleine nicht ausreicht, wenn keine angemessenen Schutzmaßnahmen getroffen werden.

“Die Liste der ‚IBAs in Gefahr‘ ermöglicht es Regierungen, Entwicklungshilfeinstitutionen, ebenso wie der Wirtschaft und der Zivilgesellschaft, Anstrengungen auf bestimmte besonders gefährdete Gebiete zu fokussieren, um den Verlust ihrer internationalen Bedeutung für den Naturschutz zu verhindern,“ erläuterte Dr. Eick von Ruschkowski, Leiter der NABU-Naturschutzabteilung, der den NABU beim World Parks Congress vertritt.

Die Liste der ‘IBAs in Danger’ beinhaltet unter anderem den Tieflandregenwald der afrikanischen Tropeninsel São Tomé, Heimat hochbedrohter endemischer Vogelarten. Er ist durch die Anlage von Ölpalmenplantagen und den Bau eines Staudamms gefährdet. Auch die Tasmanische See zwischen Australien und Neuseeland, ein wichtiges Gebiet für Albatrosse und andere Seevögel ist gefährdet: Nirgendwo auf der Welt gefährdet die Verschmutzung der Meere mit Plastik die Seevögel so sehr wie dort. Die Vögel sterben, wenn sie statt Nahrung Plastikteile aufnehmen.

IBA-Karte BirdLife-Karte der europäischen „IBAs in Gefahr“

Fünf Gebiete repräsentieren Deutschlands gefährdete IBAs: Der Untere Niederrhein und die Hellwegbörde in Nordrhein-Westfalen sowie die Leda-Jümme-Niederung in Niedersachsen leiden vor allem unter einer andauernden Intensivierung der landwirtschaftlichen Nutzung mit Entwässerung von Feuchtwiesen und dem Verlust von Grünland zugunsten von Maisanbau. Gleichzeitig reicht der gesetzliche Schutzstatus dieser Gebiete nicht aus, und das notwendige Naturschutzmanagement fehlt oder ist unzureichend. Das Mühlenberger Loch, ein Brackwasser-Watt der Elbe in Hamburg wurde für die Verlängerung der Landebahn des angrenzenden Airbus-Werkes zum Teil überbaut, die auferlegten Ersatzmaßnahmen jedoch bis heute nicht umgesetzt. Stattdessen droht durch die geplante Elbvertiefung neue Gefahr für das bereits geschädigte Gebiet. Die Vorpommersche Küsten- und Boddenlandschaft ist vor allem durch die Entnahme von Sand und Kies vor der Küste und durch den massenhaften Beifang überwinternder tauchender Meeresenten in küstennahen Fischerei-Stellnetzen bedroht.

Ein zweiter Bericht von BirdLife International fasst die Errungenschaften des weltweiten IBA-Programms aus vier Jahrzehnten zusammen. IBAs haben für den Naturschutz einen großen Einfluss: Sie ermöglichen gezielte Schutzmaßnahmen für die wichtigsten Gebiete eines Landes und haben die Ausweisung vieler formal geschützter Naturschutzgebiete und Nationalparks forciert.

In den Mitgliedstaaten der Europäischen Union waren sie die Grundlage für die Ausweisung von EU-Vogelschutzgebieten, eine der wichtigsten Vorgaben der bereits 1979 verabschiedeten EU-Vogelschutzrichtlinie. Allein in Deutschland wurden auf Grundlage der IBAs bis 2009 740 EU-Vogelschutzgebiete auf über 14% der deutschen Land- und Seefläche ausgewiesen. Für deren Schutz und Erhalt sind heute die Bundesländer und die Bundesregierung verantwortlich. Nach der formellen Ausweisung müssen diese heute für einen angemessenen Schutz und ein angepasstes Management dieser Gebiete sorgen. Nicht nur bei den fünf deutschen Gebieten auf der internationalen Liste der‚ IBAs in Gefahr gibt es dabei noch erhebliche Defizite. Eine kürzlich angelaufene Überprüfung der Effektivität der Vogelschutzrichtlinie durch die EU-Kommission, bietet aktuell eine gute Möglichkeit, noch effektivere Wege für die Umsetzung der Vogelschutzrichtlinie, und damit des Schutzes der wertvollsten Naturgebiete Europas zu entwickeln.

IBAs in Danger Leaflet

Alarmierend : 421 Mio. Vögel weniger als vor 30 Jahren

Die Bestände zahlreicher europäischer Vogelarten gehen seit vielen Jahren dramatisch zurück. Betroffen sind  vor allem häufige Arten wie Haussperling, Star, Feldlerche oder Rebhuhn. Verantwortlich dafür seien die zunehmend intensivierte Landwirtschaft sowie die Vernichtung natürlicher Lebensräume. Zu diesem Ergebnis kommt eine aktuelle Studie der University of Exeter, die jüngst im Wissenschaftsmagazin Ecology Letters veröffentlicht wurde.

Die Forscher schätzen, dass heute etwa 421 Millionen Vögel weniger in Europa leben als noch vor drei Jahrzehnten, was einem Rückgang von etwa 20 Prozent entspricht. Alarmierend ist, dass unter den häufigen Vogelarten insbsondere die kleineren im Bestand  überproportional abgenommen haben. Dies wirkt sich unmittelbar negativ auf die Ökosystemdienstleistungen aus, die von kleineren Vögeln bspw. durch Schädlingskontrolle erbracht werden.

Bemühungen zum Schutz setzen oftmals erst dann ein, wenn die Arten bereits selten geworden und gefährdet oder vom Aussterben bedroht sind. Beispielsweiese zeigen in Deutschland Wiesenweihe, Großtrappe und Großer Brachvögel dank aufwändiger – und deshalb teurer – Schutzmaßnahmen einen  positiven Bestandstrend. Oder es handelt sich um bekannte Sympathieträger des Naturschutzes, meist attraktive Großvogelarten wie  Weißstorch, Kranich oder Seeadler.

Europaweit kam es vor allem zwischen 1980 und 2000 zu starken Bestandsabnahmen. Im neuen Jahrtausend hatte sich sich die Talfahrt dann verlangsamt. Aktuelle Forschungsergebnisse aus Deutschland weisen allerdings darauf hin, dass die kurze Verschnaufpause bereits vorbei ist. Seit Aufgabe der von der EU geförderten Stilllegung landwirtschaftlicher Anbauflächen zum Ende des letzten Jahrzehnts (die als Ordnungsinstrument nicht zum Zwecke des Naturschutzes sondern zur Stabilisierung der Marktpreise geschaffen worden war) und dem rasant steigenden Anbau von Energiepflanzen wie Mais, nimmt die Verarmung der Artenvielfalt in der Agrarlandschaft wieder dramatisch zu. Dies zeigt der alljährlich vom Bundesamt für Naturschutz erstellte „Indikator für Artenvielfalt und Landschaftsqualität“.

Fazit der Forscher: Um den allgemeinen Rückgang der Vögel in der „Normallandschaft“ aufzuhalten, sind effektive Maßnahmen zum Schutz der Vögel, die stellvertretend für die Artenvielfalt insgesamt stehen, und ihrer Lebensräume dringlicher denn je. Große Sorge bereiten insbesondere die dramatischen Verluste in der Agrarlandschaft, die immerhin rund 50 % der Landfläche Deutschlands einnimmt.

Die Forschungsergebnisse der Exeter-Studie basieren auf  Daten von 144 europäischen Vogelarten aus 25 europäischen Ländern, die im Rahmen des pan-europäischen Brutvogelmonitorings in den letzten drei Jahrzehnten erhoben wurden. Daten aus Deutschland stellte der Dachverband Deutscher Avifaunisten (DDA) bereit, der – unterstützt durch Bund und Länder – das Vogelmonitoring auf nationaler Ebene koordiniert. Der schleichende Verlust der Artenvielfalt und die alarmierenden Bestandsrückgänge der Brutvögel Deutschlands sind auch Schwerpunkt des aktuellen Statusberichts „Vögel in Deutschland 2013“. Die gemeinsam vom Bundesamt für Naturschutz, der Länderarbeitsgemeinschaft staatlicher Vogelschutzwarten und dem DDA herausgegebene Publikation kann über den DDA-Schriftenversand bezogen oder hier kostenlos heruntergeladen werden.

Grafik: Der Teilindikator „Agrarland“ zeigt einen sich signifikant vom Zielwert entfernenden Trend. © Vögel in Deutschland 2013

Quelle: DDA 2014