News

Die MIA in der WAZ

 Vorab vielen Dank an Katja Bauer für diesen netten Artikel.

18.11.2014 | 19:10 Uhr
Herren der Lüfte haben Mülheims Vogelbestand im Blick

Herren der Lüfte haben Mülheims Vogelbestand im Blick
Patrick Kretz (l.) und Jörn Tupay von der Mülheimer Interessengemeinschaftz Avifauna (MIA).Foto: Oliver Müller

Ehrenamtliche Vogelkundler tragen als Mülheimer Interessengemeinschaft Avifauna Wissenswertes über die Bewohner der Lüfte zusammen und stellen ihre Erkenntnisse etwa für städteplanerische Projekte wie die Windenergieanlage in Styrum zur Verfügung.

Kaum rührt sich etwas im nächsten Baum, kaum nimmt das Auge am Himmel eine Bewegung wahr, schon zücken sie ihre Ferngläser. „Goldammer!“ schießt es aus Jörn Tupay heraus, Patrick Kretz nickt zustimmend.

Die beiden Mülheimer sind Vogelkundler aus Leidenschaft und haben daher vor etwa zwei Jahren die Mülheimer Interessengemeinschaft Avifauna, kurz MIA, ins Leben gerufen, ein verbandsübergreifender Zusammenschluss von Vogelkundlern und ornithologisch Interessierten. Gemeinsam mit ihren Mitstreitern – etwa fünf Vogelfreunde bilden den harten Kern, weitere liefern zu – sammeln sie Zufallsbeobachtungen und führen diese einer wissenschaftlichen Auswertung zu, unterstützen Artenschutzmaßnahmen und erheben den Vogelbestand in Mülheim und Umgebung.

Die Ergebnisse daraus fließen etwa ein in städteplanerische Projekte, werden von Planungsbüros herangezogen und lieferten beispielsweise bereits artenschutzrechtliche Aspekte beim Ausbau der Stromtrasse und der Erweiterung des Golfplatzes in Selbeck sowie bei der Planung für die Windenergieanlage in Styrum. Dort leben die letzten sechs Mülheimer Kiebitz-Paare – die Art ist nach einer aktuellen Erhebung in NRW vom Aussterben bedroht. Sollte das Projekt für die Windkraftanlage realisiert werden, so Kretz, müsse der Betreiber sicherstellen, dass sich für die Kiebitze nichts ändere.
Lohn für die ehrenamtliche Arbeit

Einen Erfolg verbucht Kretz für sich und seine Mitstreiter bereits für die Wiesenblänke an der Mendener Straße. Der Bereich ist auf die Initiative von MIA hin als Biotop ausgewiesen worden. Auch dabei kamen die Datenreihen der Hobby-Ornithologen über den dortigen Vogelbestand zum Tragen – Bestätigung als Lohn für die ehrenamtliche Arbeit der Vogelbeobachtung, die oft im Morgengrauen beginnt oder bis in den Abend hinein dauert. „Die Freude an der Vogelwelt ist Auslöser und Anreiz, niemand soll sich bei uns verpflichtet fühlen“, beschreibt Patrick Kretz den lockeren Zusammenschluss der ornithologisch Interessierten.

Über Unterstützung aus der Bevölkerung sind die Vogelfreunde aber dankbar, denn, erklärt Patrick Kretz: „Einige Vogelarten haben ihren Lebensmittelpunkt in die Siedlungsgebiete verlegt, sind vor allem in Gärten zu finden.“ Kein Terrain, in dem die Hobby-Ornithologen unterwegs sein können und deshalb auf Mithilfe setzen (Info: www.avifauna-mh.de, Mail mit Vogel-Beobachtungen oder Fragen an info@avifauna-mh.de). Kürzlich ist nach mehreren Jahren der Kartierung der Atlas deutscher Brutvogelarten erschienen, ein rund 700 Seiten starkes Werk, das die deutschlandweite Bestandsentwicklung der heimischen Brutvogelarten aufzeigt. Maßgeblich haben für den Bereich Mülheim und Umgebung daran die Mitglieder von MIA mitgearbeitet.
Tiefe Begeisterung für die Natur

„Es ist schon toll, wenn man zu solch einem Werk beitragen kann“, sagt Jörn Tupay. Sein Hobby sei aus einer tiefen Begeisterung für die Natur entstanden. „Mein Opa hat mir zum zehnten Geburtstag ein Vogelbestimmungsbuch geschenkt“, erinnert sich der 47-Jährige. Von da an war der Saarner gefangen genommen von der Welt da oben. Dass Jörn Tupay von Berufs wegen auch noch Pilot geworden ist, ist eine andere Geschichte.

Katja Bauer

Herren der Lüfte haben Mülheims Vogelbestand im Blick | WAZ.de – Lesen Sie mehr auf:
http://www.derwesten.de/staedte/muelheim/herren-der-luefte-haben-muelheims-vogelbestand-im-blick-id10053855.html#plx21490312

09.11.2014 Massenzug der Kraniche über dem Ruhrgebiet

Durchzug von rund 70.0000 Kranichen über dem Ruhrgebiet

Da sich der Herbst in diesem Jahr zumeist spätsommerlich präsentiert hatte, machte sich auch der Kranichzug über dem Ruhrgebiet bisher kaum bemerkbar. Lediglich am 28.10. konnte über dem östlichen Ruhrgebiet (Dortmund und Bochum) stärkerer Durchzug mit rund 12.000 Individuen registriert werden. Im westlichen Ruhrgebiet war davon kaum etwas zu spüren, denn es konnten nur ganz vereinzelt Trupps mit insgesamt wenigen Hundert Tieren beobachtet werden
Dies sollte sich am Sonntag den 9.11. schlagartig ändern, denn es kaum zu einem Massenzugereignis, welches es in dieser ausgeprägten Form im Ruhrgebiet bisher nicht gegeben hat.

Viele Vogelbeobachter in den Ruhrgebietsstädten waren dank des Internets bereits vorgewarnt, denn ab etwa 10:00 Uhr wurde starker Durchzug über Münster registriert und nahezu in Echtzeit auf dem Beobachtungsportal www.ornitho.de gemeldet. Und so postierten sich u. a. in Duisburg, Mülheim, Oberhausen, Bochum und Dortmund zahlreiche Vogelgucker und erwarteten die Kranichwelle. Sie sollten nicht enttäuscht werden, dann ab 11:30 erreichten die ersten Vögel auch unsere Region. Zwischen 12:00 und 15:00 war der Luftraum über weiten Teilen des Ruhrgebiets dann nahezu durchgehend von Kranichrufen erfüllt.

Abbildung: Kartografische Darstellung des Kranichdurchzugs am 9.11.14 über Nordrhein-Westfalen und Nordhessen auf der Grundlage der bei www.ornitho.de gemeldeten Beobachtungen. Quelle: Selbstgenerierte Datenabfrage auf www.ornitho.de

 

 

So wurden in diesem Zeitraum über Oberhausen von Mitgliedern des NABU mindestens 18.000 durchziehende Vögel beobachtet, was eine Rekordzahl für das Stadtgebiet darstellt. In der gleichen Zeit überquerten mindestens 30.000 Vögel die östlichen Ruhrgebietsstädte Bochum und Dortmund. Einen optimalen Standort hatte der Mülheimer Beobachter Patrick Kretz gewählt, der von der Mendener Höhe eine tolle Fernsicht hatte und das gesamte Zuggeschehen zwischen Duisburg-Walsum im Westen und Essen-Bredeney im Osten bestens mitverfolgen konnte. Alleine er konnte somit innerhalb von 4 Stunden über 43.000 Kraniche in diesem rund 30km breiten Korridor registrieren. Insgesamt durchquerten somit am Sonntag zwischen 11:30 und 15:30 mindestens etwa 70.000 Vögel den Luftraum zwischen Duisburg und Dortmund. Diese Vögel stammen zum überwiegenden Teil vom großen niedersächsischen Sammelplatz in der Diepholzer Moorniederung nordöstlich von Osnabrück. Dort konnten bei der letzten Synchronzählung Anfang November rund 105.000 Kraniche erfasst werden. Von dort war ein Großteil der Vögel am Morgen aufgebrochen, um sich auf den Weg in ihre Winterquartiere in Frankreich und Spanien zu machen.

 

Kranichzug 2014

Abbildung: Grafische Darstellung des herbstlichen Durchzugs des Kranichs über dem Ruhrgebiet auf der Grundlage der auf www.ornitho.de gemeldeten Beobachtungen. Quelle: Datenabfrage auf www.ornitho.de für die Städte Bochum, Bottrop, Dortmund, Duisburg, Essen, Gelsenkirchen, Herne, Mülheim und Oberhausen (inklusiver Doppelmeldungen durch verschiedene Beobachter).

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Quelle: bswr2014