Monatliches Archiv: November 2014

Aktualisierte Informationen über Einflüsse der Windenergienutzung auf Vögel

DDA Aktuell

Bild zur Meldung

© Mathias Putze

Seit dem Jahr 2002 trägt die Staatliche Vogelschutzwarte des Landesamtes für Umwelt, Gesundheit und Verbraucherschutz Brandenburg (LUGV) verfügbare Daten zu Kollisionen von Vögeln und Fledermäusen an Windenergieanlagen (WEA) aus ganz Deutschland zusammen. Ziel der Datenbank ist es, die vorhandenen, bundesweit verstreuten Daten über Anflugverluste an WEA zusammenzutragen, durch diese Sammlung zusätzliche Erkenntnisse zu gewinnen und die Einhaltung von Mindeststandards bei der weiteren Datengewinnung und -dokumentation durchzusetzen.

Regelmäßig werden die Kollisionszahlen auf der Internetseite des LUGV aktualisiert. Bei jeder Art ist jeder Einzelfund nachvollziehbar, so dass Jeder selbst überprüfen kann, was bereits gemeldet wurde und was nicht. Ergänzt wurden jüngst auch die Informationen über Einflüsse der Windenergienutzung auf Vögel. Darin werden für die einzelnen Arten Schutzstatus, Gefährdung durch Kollision, Lebensraumentwertung, Aktionsraum, Abstandsregelungen und hilfreiche Literaturhinweise zusammengefasst. Unterstützen Sie die Datensammlung durch die Meldung von Kollisionsopfern oder weiterer hilfreicher Publikationen zu dem Thema!

Weitere Informationen

 

 

Beitrag zur Vogelgrippe

Da wir sehr daran interessiert sind zu aktuellen Themen fachliche Beiträge zu leisten, und die Berichterstattung in den Medien derzeit alles andere als fachlich und professionell ist, veröffentliche ich hier gerne  eine Stellungnahme eines sehr versierten Kollegen. Diese trifft den Nagel auf den Kopf und regt hoffentlich dazu an, das auch Sie versuchen das in den Medien verbreitete differenzierter zu sehen und ein wenig mehr zu hinterfragen. Bei Fragen zu diesem Thema stehen wir sehr gerne zur Verfügugng.
Herzlichsten Dank an S. Lorenzen!

Liebe Beobachter
Schon wieder schlägt ein hochpathogenes Vogelgrippe-Virus zu: H5N8 heißt es dieses Mal. Und schon wieder geben Politiker mit sorgenschweren Gesichtern Auskunft über den Ernst der Lage, und reflexartig nimmt das Friedrich-Loeffler-Institut (FLI) von der Insel Riems (bei Rügen) wieder die Wildvögel als gefährliche Überträger des Virus ins Visier. Und endlich, im Umkreis von Rügen wurde eine Krickente geschossen, die H5N8 in sich trug. „Krickenten gelten als äußerst mobil und legen Entfernungen von bis zu 8000 Kilometer zurück. Sie leben nach Angaben von Minister Backhaus in großer Zahl am Baikalsee in Sibirien. Tiere von dort seien in Südkorea beobachtet worden und sie flögen auch bis nach Europa.“ So das Schreckensszenario gezeichnet vom Agrarministerium Meck-Pomm. Südkorea gilt zurzeit als das am stärksten von H5N8 betroffene Land. In Europa sei H5N8 kurz nacheinander auf Geflügelbetrieben in Meck-Pomm, in den Niederlanden und in Südengland festgestellt worden. In der letzten Woche noch sinnierte Prof. Dr. Mettenleiter vom FLI: Wildvögel könnten das Virus mit etappenweisen Neuinfektionen auf dem Zuge von Südkorea quer über Asien erst nach Deutschland und in die Niederlande gebracht haben, und über Island könnten andere Vögel das Virus nach England gebracht haben. Dieser Quatsch vom FLI ist inzwischen vom Netz genommen worden, aber Wildvögel bleiben noch immer im Fokus, der geschossenen Krickente sei Dank.

Die stümperhafte Epidemiologie des FLI ist nicht zum Lachen geeignet, eher zum Weinen, denn sie richtet viel Schaden an. Wie früher schon bei H5N1 sind es wieder Nichtregierungsorganisationen, die Licht ins epidemiologische Dunkel bringen. Das Wissenschaftsforum Aviäre Influenza (WAI) hat herausgefunden, dass in Südengland H5N8 auf der Entenfarm Driffield gefunden wurde, die zum Unternehmen Cherry Valley Farms Ltd gehört, das nach eigenen Angaben enge Handelsbeziehungen zu Entenfarmen im H5N8-Epidemie-Gebiet Südkorea unterhält. In Deutschland unterhält das Unternehmen eine Entenfarm in Wriezen (Brandenburg). Die kürzeste Straßenroute von Driffield nach Wriezen führt unmittelbar am niederländischen Ort Hekendorp vorbei, wo der von H5N8 betroffene Betrieb liegt. Auf dem Weg zwischen Ostasien und Deutschland wurde trotz 10.000 Proben im Zuge des Wildvogelmonitoring seit 2006 kein infizierter Wildvogel gefunden, auch nicht an großen Rastplätzen. Fazit: Die Spekulationen des FLI sind haltlos, die Geflügelindustrie (samt ihren Transporten, z.B. zu Schlachthöfen) müssen ins Visier der Epidemiologen genommen werden, nicht die Wildvögel.

Ein Wunder wäre, wenn das FLI die Erkenntnisse vom WAI nicht schon selbst ermittelt hätte. Was könnte das FLI dann am Festhalten der Wildvogelhypothese zur Verbreitung von H5N8 bewegen? Auf der Suche nach einer Antwort würde ein Detektiv zunächst ein geeignetes Motiv suchen. Ein solches Motiv gibt es in der Tat: Das Image der deutschen Geflügelindustrie soll nicht beschädigt werden, und das gelingt am besten, wenn Wildvögel als Verbreiter von H5N8 hingestellt werden. Als Gegenleistung wurde das FLI schon früher, nach dem H5N1-Theater, mit Forschungsmillionen geradezu überschüttet. Das wäre doch ein Motiv, noch einmal Forschungsmillionen zu bekommen. Warten wir ab, ob an dem Motiv etwas Wahres dran ist. Eine andere Erklärung könnte sein, dass die Forscher im FLI einfach nur strohdumm sind. Damit ist nicht zu rechnen.

Mit ernüchtertem Gruß
S. Lorenzen

 

Hunderte wichtiger Naturgebiete in Gefahr

BirdLife International veröffentlicht weltweite Liste bedrohter Gebiete

Mehr als 350 der wertvollsten Naturgebiete der Erde stehen vor der Zerstörung, wie aus einem Bericht hervorgeht, den die Naturschutzorganisation BirdLife International am Wochenende auf dem World Parks Congress der Internationalen Naturschutzunion IUCN in Sydney, Australien, vorstellte. Die Liste enthält auch fünf Gebiete aus Deutschland.

Bekassine

Die Bekassine – Vogel des Jahres 2013 – ist in den laut BirdLife bedrohten deutschen Naturgebieten Leda-Jümme-Niederung und Unterer Niederrhein zu Hause

Der Bericht ist Ergebnis einer Bewertung der Gefährdung der 12.000 weltweit wichtigsten Gebiete für Vögel und Artenvielfalt, die seit den 1970er Jahren nach wissenschaftlichen Kriterien auf der ganzen Welt als „Important Bird and Biodiversity Areas“, kurz IBAs identifiziert wurden. 540 dieser Gebiete hatte der NABU in Deutschland in Zusammenarbeit mit Wissenschaftlern und lokalen Experten abgegrenzt.

IBAs stellen das größte und umfassendste Netz für den Naturschutz besonders wichtiger Gebiete auf der Welt dar. 356 dieser Gebiete aus 122 Ländern wurden nun als „IBAs in Gefahr“ gewertet. Sie laufen akute Gefahr, ihren Wert für die Natur in Kürze für immer zu verlieren und stehen damit beispielhaft für zahlreiche andere Gebiete mit ähnlichen Problemen. Dabei sind etwa die Hälfte dieser Gebiete ausgewiesene Schutzgebiete, was einmal mehr unterstreicht, dass eine Schutzgebietsausweisung alleine nicht ausreicht, wenn keine angemessenen Schutzmaßnahmen getroffen werden.

“Die Liste der ‚IBAs in Gefahr‘ ermöglicht es Regierungen, Entwicklungshilfeinstitutionen, ebenso wie der Wirtschaft und der Zivilgesellschaft, Anstrengungen auf bestimmte besonders gefährdete Gebiete zu fokussieren, um den Verlust ihrer internationalen Bedeutung für den Naturschutz zu verhindern,“ erläuterte Dr. Eick von Ruschkowski, Leiter der NABU-Naturschutzabteilung, der den NABU beim World Parks Congress vertritt.

Die Liste der ‘IBAs in Danger’ beinhaltet unter anderem den Tieflandregenwald der afrikanischen Tropeninsel São Tomé, Heimat hochbedrohter endemischer Vogelarten. Er ist durch die Anlage von Ölpalmenplantagen und den Bau eines Staudamms gefährdet. Auch die Tasmanische See zwischen Australien und Neuseeland, ein wichtiges Gebiet für Albatrosse und andere Seevögel ist gefährdet: Nirgendwo auf der Welt gefährdet die Verschmutzung der Meere mit Plastik die Seevögel so sehr wie dort. Die Vögel sterben, wenn sie statt Nahrung Plastikteile aufnehmen.

IBA-Karte BirdLife-Karte der europäischen „IBAs in Gefahr“

Fünf Gebiete repräsentieren Deutschlands gefährdete IBAs: Der Untere Niederrhein und die Hellwegbörde in Nordrhein-Westfalen sowie die Leda-Jümme-Niederung in Niedersachsen leiden vor allem unter einer andauernden Intensivierung der landwirtschaftlichen Nutzung mit Entwässerung von Feuchtwiesen und dem Verlust von Grünland zugunsten von Maisanbau. Gleichzeitig reicht der gesetzliche Schutzstatus dieser Gebiete nicht aus, und das notwendige Naturschutzmanagement fehlt oder ist unzureichend. Das Mühlenberger Loch, ein Brackwasser-Watt der Elbe in Hamburg wurde für die Verlängerung der Landebahn des angrenzenden Airbus-Werkes zum Teil überbaut, die auferlegten Ersatzmaßnahmen jedoch bis heute nicht umgesetzt. Stattdessen droht durch die geplante Elbvertiefung neue Gefahr für das bereits geschädigte Gebiet. Die Vorpommersche Küsten- und Boddenlandschaft ist vor allem durch die Entnahme von Sand und Kies vor der Küste und durch den massenhaften Beifang überwinternder tauchender Meeresenten in küstennahen Fischerei-Stellnetzen bedroht.

Ein zweiter Bericht von BirdLife International fasst die Errungenschaften des weltweiten IBA-Programms aus vier Jahrzehnten zusammen. IBAs haben für den Naturschutz einen großen Einfluss: Sie ermöglichen gezielte Schutzmaßnahmen für die wichtigsten Gebiete eines Landes und haben die Ausweisung vieler formal geschützter Naturschutzgebiete und Nationalparks forciert.

In den Mitgliedstaaten der Europäischen Union waren sie die Grundlage für die Ausweisung von EU-Vogelschutzgebieten, eine der wichtigsten Vorgaben der bereits 1979 verabschiedeten EU-Vogelschutzrichtlinie. Allein in Deutschland wurden auf Grundlage der IBAs bis 2009 740 EU-Vogelschutzgebiete auf über 14% der deutschen Land- und Seefläche ausgewiesen. Für deren Schutz und Erhalt sind heute die Bundesländer und die Bundesregierung verantwortlich. Nach der formellen Ausweisung müssen diese heute für einen angemessenen Schutz und ein angepasstes Management dieser Gebiete sorgen. Nicht nur bei den fünf deutschen Gebieten auf der internationalen Liste der‚ IBAs in Gefahr gibt es dabei noch erhebliche Defizite. Eine kürzlich angelaufene Überprüfung der Effektivität der Vogelschutzrichtlinie durch die EU-Kommission, bietet aktuell eine gute Möglichkeit, noch effektivere Wege für die Umsetzung der Vogelschutzrichtlinie, und damit des Schutzes der wertvollsten Naturgebiete Europas zu entwickeln.

IBAs in Danger Leaflet

Ansichten

Vielen Dank an Ekkehard Psotta aus Oberhausen für diese tollen Bilder

 

 

Habicht, ad. Männchen Accipiter gentilis

Habicht, ad. Männchen
Accipiter gentilis

Schwanzmeise Aegithalos caudatus

Schwanzmeise
Aegithalos caudatus

Beobachtungen vom 22./23.11.2014

Alle ausführlichen Meldungen des Tages wie immer unter www.ornitho.de

Bei gefühltem „Vorwinter“ am 22.11. mit Morgens 5 Grad und herrlichstem Sonnenschein waren bei einer Runde um Kocks Loch und über die Höhenzüge in Menden:

Im Bereich Wetzkamp 4 kurz rastende Misteldrossen die dann aber südwärts abzogen, 2 sonnende Goldammern und 5 Stare.

In der Feldflur zw. Kligenburgstr. und Wischenberg 21 Golammern und 3 sehr späte Wiesenpieper die aus dem Wintergetreide aufflogen

Im gesamten Verlauf des Rossenbecktals 4 Rotdrosseln, 2 Gebirgstelzen, 2 Hohltauben, 1m Buntspecht

Über dem Bollenberg am Biohof Felchner 1 kräftiges Habicht-Weibchen überfliegend

In der Feldflur zw. Wöllenbeck und Holde Str. 1 überfliegender Grünspecht, 9 Goldammern, 32 überfliegende Wachholderdrosseln

 

Bei traumhaft sonnigem November Wetter, mit angenehmen Temeperaturen von 10-16 Grad wurden am 23.11. gesichtet:

Bei einer gemeinsamen Runde mit H. Koch an der Ruhr konnte wieder der hübsche Büffelkopfenten-Erpel gesichtet werden. Der Vogel hält sich jetzt seit  2009 im Bereich der Kassenbergbrücke und dem Ruhrkristall auf. Dieser kleine Verwandte der Schellenten ist ursprünglich in Nordamerika beheimatet und wird aufgrund seiner Färbung, in unseren Breiten, gerne als Parkvogel gehalten. So trägt auch dieses Ind. einen blauen Züchterring am linken Lauf.

Büffelkopfente Männchen Bucephala albeola

 

 

 

 

 

 

 

Desweiteren am Mühlbach neben einigen Stockenten und Blässhuhnern noch Zwergtaucher 5, Schnatterente 1m1w, Krickente 3m2w, Höckerschwan 2, Kormorane 4, Graureiher 3, Teichhuhn 2.

Auf der großen Wiese zw. Mühlbach und Ruhr mehr als 100 Kanadagänse, jetzt auch 23 Graugänse, die Schneegans, der Hybrid aus Weißwangen-/ Kanadagans, 2 Nilgänse und 1 Graureiher. Zudem noch 5 Nutria „weidend“

Auf der Anger Krickenten 4m1w, recht schwer in der Uferwegetation auszumachen. Außerdem 2 rufende Gimpel

Über der Jhb am Kahlenberghang kreiste ein Sperber-Weibchen, das von 3 Krähen angehasst wurde.

Auf dem gesamten Ruhrverlauf zwischen Schloßbrücke und Mendener Brücke hielten sich mind. 9 Zwergtaucher und 5 Haubentaucher auf.

 

Das Ergebnis einer Auswertung ist immer nur so gut wie die Daten die ihm zugrunde liegen. Von daher bitten wir Sie uns Ihre Sichtungen zu melden. Wichtige oder Unwichtige Arten gibt es nicht! Bitte helfen Sie uns das Bild der Vogelwelt aus MH zu vervollständigen. Vielen Dank!

 

 

 

 

 

Ohne Worte!

Aus einer Meldung der Regionalzeitung Neue Westfälische von heute:

„In einer Tellerfalle ist ein Graureiher in einem Wald bei Niedertalle
im Kalletal (Kreis Lippe) qualvoll verendet. Er war mit einem Bein in
die schwere Eisenfalle geraten, die auf dem Steg eines Fischteichs
ausgelegt war. Tellerfallen sind EU-weit seit 1995 und in Deutschland
bereits seit 1934 verboten“

Der alte Hass lebt immer noch…

Illegale Greifvogelverfolgung NRW

Erkennen, Bekämpfen, Verhindern

Vogelschützer stellen Leitfaden mit Tipps für Bürger, Ermittlungsbeamte und Behörden vor

Viele Greifvogelarten sind im Bestand bedroht und stehen seit Jahren auf den Roten Listen der in Deutschland gefährdeten Tierarten. Ein Grund dafür sind die Auswirkungen illegaler Verfolgungen durch den Menschen, die das Überleben vieler Arten bei uns nachhaltig gefährden. Um die durch illegale Vergiftungsaktionen, Fang und Abschuss verursachten Verluste effektiv zu bekämpfen, ist eine konsequente Verfolgung dieser Straftaten von entscheidender Bedeutung. Die vom Komitee gegen den Vogelmord, der Nordrhein-Westfälischen Ornithologengesellschaft (NWO) und dem NABU mit Unterstützung des Landesumweltministeriums herausgegebene Broschüre richtet sich einerseits als eine Art „Erkennungshandbuch“ an Vogelschützer und Zeugen von Greifvogelverfolgungen. Anderseits soll sie als Leitfaden für Ermittlungsbeamte dienen, die mit der Aufklärung derartiger Fälle beauftragt sind.

Als Konkurrenten um Jagdbeute und angebliche Gefahr für Haus und Nutztiere, insbesondere Tauben und Geflügel, werden Greifvögel und Eulen seit Jahrhunderten von Menschen verfolgt. Noch bis in die 1960er Jahre war der Abschuss von Bussarden, Habichten, Weihen und Eulen weit verbreitet. So weist die offizielle Jagdstatistik zwischen 1935 und 1939 fast 550.000 geschossene Greifvögel und Eulen aus. Auf Druck der Vogelschutzverbände wurde die Jagd auf Greifvögel in Deutschland in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts zuerst eingeschränkt und angesichts dramatisch zurückgehender Bestände 1970 schließlich bundesweit ganz verboten. Heute haben sich die Bestände einiger Arten wie Wanderfalke und Sperber dank der Einführung einer ganzjährigen Schonzeit, dem Verbot von DDT und anderen gefährlichen Pestiziden sowie wirksamer Schutzmaßnahmen in den Brutgebieten wieder erholt. Andere Arten wie Schreiadler, Wespenbussard und Rotmilan sind weiterhin akut gefährdet und stehen auf der Roten Liste der in Deutschland gefährdeten Tierarten.

Kornweihe_Heinsberg_2008Dieses Kornweihenmännchen wurde von Unbekannten mit einer Schrotflinte getötet (Kreis Heinsberg, Februar 2008).

Situation in NRW
Obwohl alle Greifvogelarten seit den 70er Jahren unter strengem Schutz stehen, werden alljährlich zahlreiche Fälle von illegaler Verfolgung bekannt. In den letzten Jahren wurde durch das nordrhein-westfälische Umweltministerium sogar eine kontinuierliche Zunahme der gemeldeten Fälle von Greifvogelverfolgung festgestellt. So sind in den Jahren 2005 bis 2013 allein in NRW mehr als 400 Fälle dokumentiert, bei denen insgesamt 700 Greifvögel und Eulen gefangen, verletzt oder getötet wurden. Trauriger Rekordhalter ist der Mäusebussard mit 467 getöteten Individuen, gefolgt vom Habicht mit 74 Opfern illegaler Verfolgung. Betroffen waren mehr als 30 Kreise und kreisfreie Städte in NRW, wobei mehr als drei Viertel der Tatorte im weitgehend landwirtschaftlich geprägten Tiefland liegen. Da es sich hauptsächlich um Zufallsfunde handelt, ist nach kriminalistischer Erfahrung von einer hohen Dunkelziffer unentdeckter Taten auszugehen. Trotz strenger Schutzvorschriften ist die illegale Greifvogelverfolgung in Nordrhein-Westfalen also nach wie vor ein gravierendes Problem.

„Greifvogelverfolgung ist eine Straftat und muss konsequent verfolgt werden“, so Josef Tumbrinck, Vorsitzender des NABU NRW. Zwar habe man dank des Engagements des Umweltministeriums, der Stabstelle für Umweltkriminalität, die alle ihr bekannten Fälle illegaler Greifvogelverfolgung im Auge behielte, und des engagierten Einsatzes ehrenamtlicher Vogelschützer erste Erfolge erzielen können, aber die Zahl der verfolgten Delikte sei nur die Spitze des Eisberges. „Je besser die Bevölkerung informiert ist und je mehr Verdachtsfälle zur Anzeige gebracht werden, umso deutlicher wird, welche Dimension die illegale Greifvogelverfolgung in NRW tatsächlich hat.“

Maeusebussard im Tellereisen Foto:ZopfMäusebussard gefangen im Tellereisen.

Seit Beginn eines landesweiten Monitorings in NRW im Jahr 2005 wurden über 400 Fälle von illegaler Greifvogelverfolgung registriert, allein in den Jahren 2012 und 2013 sind weitere 94 Fälle illegaler Verfolgung hinzugekommen. „Als Täter treten dabei immer wieder Taubenzüchter, Geflügelhalter und Jagdscheininhaber in Erscheinung“, berichtet Axel Hirschfeld vom Komitee gegen den Vogelmord. Greifvögel würden von einem Teil dieser Interessengruppen immer noch als Hühnerdiebe und Niederwildschädlinge betrachtet und deshalb mit allen Mitteln verfolgt.

Dabei sei die ökologische Bedeutung der heimischen Greifvögel als Spitzen verschiedener Nahrungsketten, als ‚Gesundheitspolizisten‘ und Aasfresser unbestritten und ein wesentlicher Grund für ihren Schutz, aber auch leider Anlass für jahrhundertelange gnadenlose Verfolgung und Dezimierung. Die heutige Form der Nachstellung im Verborgenen mache den vielen ehrenamtlichen Ornithologen dabei besonders zu schaffen: So konnte im Fall einer tot aufgefundenen kompletten Rotmilan-Familie mit zwei Jungtieren im Sommer 2010 im Kreis Lippe nur durch schnelles Handeln als Ursache Vergiftung nachgewiesen werden. Das dies heute noch geschehe sei ein Skandal, zumal 60 Prozent des Rotmilan-Weltbestandes in Deutschland brütete, das damit für diese Art eine besondere Verantwortung habe.

Leitfaden Illegale Greifvogelverfolgung, 2. aktual. Fassung Dez. 2012

Was ist zu tun?
Die Feststellung von Greifvogelverfolgung in der freien Landschaft führt alleine leider nur selten zur Ermittlung des Täters. Um zu gewährleisten, dass alle rechtlichen Mittel zur Aufklärung ausgeschöpft werden können, sollten folgende Hinweise unbedingt beachtet werden:

  • Die Auffindesituation sollte nach Möglichkeit nicht verändert werden.
  • Auch wenn die Beweislage eindeutig ist oder nur ein Verdacht besteht sollte auf jeden Fall alles umfassend fotografisch oder mit einer Videokamera dokumentiert werden. Fallen, Köder oder Tiere sollten dabei möglichst nicht berührt werden.
  • Danach sollte zunächst so schnell wie möglich die zuständige Polizeidienststelle informiert und um Entsendung eines Streifenwagens gebeten werden (Notrufnummer 110). Die Naturschutz- und Jagdbehörden der Kreisverwaltungen sind nicht für die Aufklärung von Straftaten zuständig, können die Ermittlungen aber unter Umständen unterstützen.
  • Erklären Sie kurz und sachlich, was vorgefallen ist. Beschreiben Sie die genaue Lage des Tatortes und machen Sie möglichst einen Treffpunkt mit der Polizei in der Nähe aus.
  • Falls Sie das Gefühl haben, dass die ermittelnden Beamten zum ersten Mal mit Greifvogelverfolgung zu tun haben, oder dass keine Bereitschaft besteht, zum Auffindeort zu kommen,weisen Sie darauf hin, dass es sich bei der Verfolgung von Greifvögeln und Eulen um eine Straftat handelt, die von Amts wegen verfolgt werden muss. Die Strafprozessordnung (§ 163) verpflichtet die Polizei zu unverzüglichen Maßnahmen.
  • Gibt es möglicherweise weitere Zeugen, die im Zusammenhang mit der von Ihnen festgestellten Tat Angaben machen können? Falls ja, weisen Sie die Polizei darauf hin.
  • Fangeinrichtungen, Köder sowie tote oder verletzte Tiere sind für den Nachweis der Straftat wichtige Beweismittel, die daher auf jeden Fall von den Behörden sicherzustellen sind und untersucht werden sollten.
  • Verletzte Greifvögel sollten umgehend tierärztlich versorgt und artgerecht untergebracht werden. Eine Liste geeigneter Pflegestationen in NRW finden Sie in der Broschüre.
  • Notieren Sie sich den Namen des Polizeibeamten, der Dienststelle und die Tagebuchnummer.
  • Bei allen Fällen sollte zusätzlich auch umgehend telefonisch die Stabsstelle Umweltkriminalität in Düsseldorf (Tel. 02 11-45 66-473 oder -407) eingeschaltet und – am besten unter Angabe des Aktenzeichens bzw. der Tagebuchnummer der Polizei – über den Vorgang informiert werden.
  • Falls Sie nur einen vagen Verdacht haben und sich nicht sicher sind, ob eine Straftat vorliegt, stehen Ihnen die Experten des Komitees gegen den Vogelmord und des NABU oder der Stabsstelle mit Rat und Tat zur Seite.
  • Bei Verdacht auf Vergiftungen sollten verdächtige Köder oder tote Vögel möglichst schnell dem zuständigen Veterinäruntersuchungsamt überstellt werden. Bis dahin sollten sie kühl oder am besten tiefgefroren gelagert werden. Je früher Proben untersucht werden, desto größer ist die Chance, dass das von den Tätern verwendete Gift noch zweifelsfrei nachgewiesen werden kann. Achtung! Bei Kontakt mit vergifteten Tieren und Ködern immer Handschuhe verwenden.
  • Oft wird behauptet, tote Greifvögel dürften nur mit Erlaubnis des Jagdpächters aus dessen Revier entfernt werden. Dies ist bei Vorliegen eines Verdachts auf Greifvogelverfolgung nicht der Fall. Die Sicherung der Tiere als mögliches Beweismittel in einem Strafverfahren ist ein höheres Rechtsgut als das jagdliche Aneignungsrecht.

Hier können Sie Ihre Beobachtung melden:

Stabsstelle Umweltkriminalität
Ministerium für Klimaschutz, Umwelt, Landwirtschaft, Natur- und Verbraucherschutz
Stabsstelle Umweltkriminalität
Schwannstraße 3,40476 Düsseldorf
Tel. 02 11-45 66-473 oder -407, stabuk@mkulnv.nrw.de

Verbände:

Komitee gegen den Vogelmord
Arbeitsgruppe Greifvogelschutz
An der Ziegelei 8, 53127 Bonn
Tel. 02 28-66 55 21, axel.hirschfeld@komitee.de

NABU-Landesverband NRW
Landesgeschäftsstelle
Völklinger Straße 7-9 88, 40219 Düsseldorf
Tel. 02 11-15 92 51-10, info@NABU-NRW.de

Nordrhein-Westfälische Ornithologengesellschaft (NWO)
c/o Veronika Huisman-Fiegen
Leydelstraße 26, 47802 Krefeld
huisman-fiegen@nw-ornithologen.de

Alarmierend : 421 Mio. Vögel weniger als vor 30 Jahren

Die Bestände zahlreicher europäischer Vogelarten gehen seit vielen Jahren dramatisch zurück. Betroffen sind  vor allem häufige Arten wie Haussperling, Star, Feldlerche oder Rebhuhn. Verantwortlich dafür seien die zunehmend intensivierte Landwirtschaft sowie die Vernichtung natürlicher Lebensräume. Zu diesem Ergebnis kommt eine aktuelle Studie der University of Exeter, die jüngst im Wissenschaftsmagazin Ecology Letters veröffentlicht wurde.

Die Forscher schätzen, dass heute etwa 421 Millionen Vögel weniger in Europa leben als noch vor drei Jahrzehnten, was einem Rückgang von etwa 20 Prozent entspricht. Alarmierend ist, dass unter den häufigen Vogelarten insbsondere die kleineren im Bestand  überproportional abgenommen haben. Dies wirkt sich unmittelbar negativ auf die Ökosystemdienstleistungen aus, die von kleineren Vögeln bspw. durch Schädlingskontrolle erbracht werden.

Bemühungen zum Schutz setzen oftmals erst dann ein, wenn die Arten bereits selten geworden und gefährdet oder vom Aussterben bedroht sind. Beispielsweiese zeigen in Deutschland Wiesenweihe, Großtrappe und Großer Brachvögel dank aufwändiger – und deshalb teurer – Schutzmaßnahmen einen  positiven Bestandstrend. Oder es handelt sich um bekannte Sympathieträger des Naturschutzes, meist attraktive Großvogelarten wie  Weißstorch, Kranich oder Seeadler.

Europaweit kam es vor allem zwischen 1980 und 2000 zu starken Bestandsabnahmen. Im neuen Jahrtausend hatte sich sich die Talfahrt dann verlangsamt. Aktuelle Forschungsergebnisse aus Deutschland weisen allerdings darauf hin, dass die kurze Verschnaufpause bereits vorbei ist. Seit Aufgabe der von der EU geförderten Stilllegung landwirtschaftlicher Anbauflächen zum Ende des letzten Jahrzehnts (die als Ordnungsinstrument nicht zum Zwecke des Naturschutzes sondern zur Stabilisierung der Marktpreise geschaffen worden war) und dem rasant steigenden Anbau von Energiepflanzen wie Mais, nimmt die Verarmung der Artenvielfalt in der Agrarlandschaft wieder dramatisch zu. Dies zeigt der alljährlich vom Bundesamt für Naturschutz erstellte „Indikator für Artenvielfalt und Landschaftsqualität“.

Fazit der Forscher: Um den allgemeinen Rückgang der Vögel in der „Normallandschaft“ aufzuhalten, sind effektive Maßnahmen zum Schutz der Vögel, die stellvertretend für die Artenvielfalt insgesamt stehen, und ihrer Lebensräume dringlicher denn je. Große Sorge bereiten insbesondere die dramatischen Verluste in der Agrarlandschaft, die immerhin rund 50 % der Landfläche Deutschlands einnimmt.

Die Forschungsergebnisse der Exeter-Studie basieren auf  Daten von 144 europäischen Vogelarten aus 25 europäischen Ländern, die im Rahmen des pan-europäischen Brutvogelmonitorings in den letzten drei Jahrzehnten erhoben wurden. Daten aus Deutschland stellte der Dachverband Deutscher Avifaunisten (DDA) bereit, der – unterstützt durch Bund und Länder – das Vogelmonitoring auf nationaler Ebene koordiniert. Der schleichende Verlust der Artenvielfalt und die alarmierenden Bestandsrückgänge der Brutvögel Deutschlands sind auch Schwerpunkt des aktuellen Statusberichts „Vögel in Deutschland 2013“. Die gemeinsam vom Bundesamt für Naturschutz, der Länderarbeitsgemeinschaft staatlicher Vogelschutzwarten und dem DDA herausgegebene Publikation kann über den DDA-Schriftenversand bezogen oder hier kostenlos heruntergeladen werden.

Grafik: Der Teilindikator „Agrarland“ zeigt einen sich signifikant vom Zielwert entfernenden Trend. © Vögel in Deutschland 2013

Quelle: DDA 2014

Die MIA in der WAZ

 Vorab vielen Dank an Katja Bauer für diesen netten Artikel.

18.11.2014 | 19:10 Uhr
Herren der Lüfte haben Mülheims Vogelbestand im Blick

Herren der Lüfte haben Mülheims Vogelbestand im Blick
Patrick Kretz (l.) und Jörn Tupay von der Mülheimer Interessengemeinschaftz Avifauna (MIA).Foto: Oliver Müller

Ehrenamtliche Vogelkundler tragen als Mülheimer Interessengemeinschaft Avifauna Wissenswertes über die Bewohner der Lüfte zusammen und stellen ihre Erkenntnisse etwa für städteplanerische Projekte wie die Windenergieanlage in Styrum zur Verfügung.

Kaum rührt sich etwas im nächsten Baum, kaum nimmt das Auge am Himmel eine Bewegung wahr, schon zücken sie ihre Ferngläser. „Goldammer!“ schießt es aus Jörn Tupay heraus, Patrick Kretz nickt zustimmend.

Die beiden Mülheimer sind Vogelkundler aus Leidenschaft und haben daher vor etwa zwei Jahren die Mülheimer Interessengemeinschaft Avifauna, kurz MIA, ins Leben gerufen, ein verbandsübergreifender Zusammenschluss von Vogelkundlern und ornithologisch Interessierten. Gemeinsam mit ihren Mitstreitern – etwa fünf Vogelfreunde bilden den harten Kern, weitere liefern zu – sammeln sie Zufallsbeobachtungen und führen diese einer wissenschaftlichen Auswertung zu, unterstützen Artenschutzmaßnahmen und erheben den Vogelbestand in Mülheim und Umgebung.

Die Ergebnisse daraus fließen etwa ein in städteplanerische Projekte, werden von Planungsbüros herangezogen und lieferten beispielsweise bereits artenschutzrechtliche Aspekte beim Ausbau der Stromtrasse und der Erweiterung des Golfplatzes in Selbeck sowie bei der Planung für die Windenergieanlage in Styrum. Dort leben die letzten sechs Mülheimer Kiebitz-Paare – die Art ist nach einer aktuellen Erhebung in NRW vom Aussterben bedroht. Sollte das Projekt für die Windkraftanlage realisiert werden, so Kretz, müsse der Betreiber sicherstellen, dass sich für die Kiebitze nichts ändere.
Lohn für die ehrenamtliche Arbeit

Einen Erfolg verbucht Kretz für sich und seine Mitstreiter bereits für die Wiesenblänke an der Mendener Straße. Der Bereich ist auf die Initiative von MIA hin als Biotop ausgewiesen worden. Auch dabei kamen die Datenreihen der Hobby-Ornithologen über den dortigen Vogelbestand zum Tragen – Bestätigung als Lohn für die ehrenamtliche Arbeit der Vogelbeobachtung, die oft im Morgengrauen beginnt oder bis in den Abend hinein dauert. „Die Freude an der Vogelwelt ist Auslöser und Anreiz, niemand soll sich bei uns verpflichtet fühlen“, beschreibt Patrick Kretz den lockeren Zusammenschluss der ornithologisch Interessierten.

Über Unterstützung aus der Bevölkerung sind die Vogelfreunde aber dankbar, denn, erklärt Patrick Kretz: „Einige Vogelarten haben ihren Lebensmittelpunkt in die Siedlungsgebiete verlegt, sind vor allem in Gärten zu finden.“ Kein Terrain, in dem die Hobby-Ornithologen unterwegs sein können und deshalb auf Mithilfe setzen (Info: www.avifauna-mh.de, Mail mit Vogel-Beobachtungen oder Fragen an info@avifauna-mh.de). Kürzlich ist nach mehreren Jahren der Kartierung der Atlas deutscher Brutvogelarten erschienen, ein rund 700 Seiten starkes Werk, das die deutschlandweite Bestandsentwicklung der heimischen Brutvogelarten aufzeigt. Maßgeblich haben für den Bereich Mülheim und Umgebung daran die Mitglieder von MIA mitgearbeitet.
Tiefe Begeisterung für die Natur

„Es ist schon toll, wenn man zu solch einem Werk beitragen kann“, sagt Jörn Tupay. Sein Hobby sei aus einer tiefen Begeisterung für die Natur entstanden. „Mein Opa hat mir zum zehnten Geburtstag ein Vogelbestimmungsbuch geschenkt“, erinnert sich der 47-Jährige. Von da an war der Saarner gefangen genommen von der Welt da oben. Dass Jörn Tupay von Berufs wegen auch noch Pilot geworden ist, ist eine andere Geschichte.

Katja Bauer

Herren der Lüfte haben Mülheims Vogelbestand im Blick | WAZ.de – Lesen Sie mehr auf:
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