Monatliches Archiv: Dezember 2015

Bitte auf farbberingte Dohlen achten

Liebe Vogelbeobachter/-innen,

Frohe Weihnachten. Wer in den nächsten Tagen und Wochen Vögel beobachtet, möchte bitte auf farbberingte Dohlen achten. Im Rahmen meiner Arbeit an der Universität Lund, Schweden, habe ich in den letzten 2 Jahren mehr als 240 Jungvögel und 51 Altvögel in einer Kolonie in Südschweden farbberingt. Zumindest ein Teil der Jungvögel zieht im Winter nach Süden und verlässt Schweden. Im letzten Jahr hat ein Jungvogel nachweislich erfolgreich in Schleswig-Holstein überwintert. Es ist daher nicht ausgeschlossen, dass farbberingte Vögel auch in Niedersachsen oder NRW auftauchen. Daher bitte ich alle Beobachter/-innen Dohlentrupps im Winter auf farbberingte Individuen zu kontrollieren. Jungvögel haben am linken Bein einen gelben Farbrbing mit einem schwarzen Nummer. Am rechten Bein tragen sie ausser dem Metalring einen unbeschrifteten Farbring. Altvögel haben einen gelben Ring mit einem Buchstaben am rechten Bein, sowie zwei Farbringe am linken Bein.

Beobachtungen von farbberingten Vögeln bitte an arne.hegemann@biol.lu.se

Vielen Dank und die besten Wünsche für ein gesundes und glückliches 2016

Arne Hegemann

Baumfalke trug dazu bei, sechs Windräder in Bayern zu verhindern

Das Bayerische Verwaltungsgericht Augsburg hat am 02. Juli 2015 zwei Klagen von Planern auf
Erteilung einer Genehmigung für insgesamt sechs Windräder bei Wallerdorf, Stadt Rain,
abgewiesen (Aktenzeichen Au 4 K 13.567 Enercon GmbH und Aktenzeichen 4 K 14.795 Windpark
Wallerdorf Projekt GmbH & Co. KG).

Das Urteil ist zumindest für Bayern wegweisend und wird die oftmals fragwürdige
Genehmigungspraxis von Windrädern künftig erschweren. Die Entscheidung des VG
Augsburg stärkt die verwaltungsrechtliche Bedeutung von Beobachtungen und
Aufzeichnungen örtlicher Naturschützer über das Vorkommen gefährdeter Vogel- und
Fledermausarten im Umfeld geplanter Windradstandorte.

Das örtlich zuständige Landratsamt Donau-Ries hatte zuvor die Anträge der Windradprojektierer
abgelehnt, weil durch die geplanten Windkraftanlagen das Kollisions- und Tötungsrisiko der
geschützten Vogelarten Baumfalke, Rotmilan, Schwarzmilan und Wespenbussard mit den
Rotorblättern signifikant erhöht gewesen wäre. Die Windradplaner reichten daraufhin Klage am VG
Augsburg gegen das Landratsamt ein.

Besonders hervorzuheben ist die höchst gewissenhafte und verantwortungsvolle Prüfung des
Landratsamtes Donau-Ries: Es hat nicht nur die von den Betreibern vorgelegte spezielle
artenschutzrechtliche Prüfung (saP), sondern auch das umfangreiche Beobachtungsmaterial der
Bürger, insbesondere auch deren Videobeweise, zur Entscheidung zugelassen und
naturschutzfachlich korrekt bewertet.

Die Behörde kam letztendlich zu dem Schluss, dass die Vogelbeobachtungen der Bürger so aussagekräftig seien, dass der Bau von Windrädern
abzulehnen ist. Das VG Ausgburg akzeptierte in seinem Urteil die Ablehnung des Bauantrages durch das Landratsamt.

Urteil VG Augsburg:

http://www.umwelt-watchblog.de/wp-content/uploads/Urteil-VG-Augsburg.pdf

40 Fälle von Greifvogelverfolgung im Zusammenhang mit Windkraftanlagen

In bislang 40 Fällen aus den Jahren 2010 bis 2015 besteht
dringender Verdacht auf die illegale Zerstörung von Großvogelhorsten
oder gar die Tötung der Vögel in Zusammenhang mit bestehenden und
geplanten Windkraftanlagen. Dies ergibt eine erste Auswertung von
Meldungen illegaler Greifvogelverfolgung in Deutschland.

Die nun ausgewerteten Meldungen zeigen eine ganz neue Dimension der
illegalen Greifvogelverfolgung im Umfeld von Windkraftanlagen. Um eine
Gefährdung von Vogelarten auszuschließen, müssen für Windkraftanlagen
bestimmte Mindestabstände zu den Horsten einhalten werden. Das
sogenannte „Helgoländer Papier“ der staatlichen Vogelschutzwarten hat
dazu erst kürzlich fachlich fundierte Werte ermittelt. Um
Windkraftanlagen trotzdem bauen zu können, werden daher offensichtlich
häufig Horste der Vögel zerstört. Oft wird dazu einfach der Horstbaum
der betroffenen Arten abgesägt, bei anderen Fällen werden die Horste
vorsichtig Zweig für Zweig abgetragen, um keine Spuren zu hinterlassen.

In bisher zehn Bundesländern wurden Fälle registriert. Besonders
betroffen sind windkraftsensible Arten wie Rotmilan, Seeadler,
Schreiadler und Schwarzstorch. Viele Fälle wurden zur Anzeige gebracht.
Die Naturschützer gehen von einer sehr hohen Dunkelziffer aus. Um in
Zukunft Täter überführen zu können, erwägt der NABU den vermehrten
Einsatz automatischer Kameras an gefährdeten Horststandorten.