Temminckstrandläufer auf dem Zug bis in afrikanische Winterquartiere verfolgt

Mehr als 5000 Kilometer liegen zwischen Brut- und Überwinterungsgebieten von TemminckstrandBild zur Meldungläufern.

 

 

 

Zum Zugverhalten und zur genauen Lage der Überwinterungsgebiete von Temminckstrandläufern war bislang nur relativ wenig bekannt. Im Rahmen einer Studie von Wissenschaftlern der Universität Bergen und der Schweizerischen Vogelwarte Sempach wurde nun das Zugverhalten von Temminckstrandläufern untersucht. Dabei wurden sowohl morphologische Daten der wissenschaftlichen Vogelberingung ausgewertet, als auch Vögel mit Hilfe von Geolokatoren auf ihrem Weg zwischen Brutgebiet und Winterquartier verfolgt. Es wurde angenommen, dass die Strandläufer entweder zahlreiche kurze Stopps einlegen und die Sahara mit relativ wenigen Reserven umfliegen oder nördlich der Sahara große Reserven aufbauen, um die Wüste direkt zu überqueren.

Insgesamt 30 Temminckstrandläufer wurden in den Jahren 2010 und 2011 an Brutplätzen in Norwegen mit ultraleichten Geolokatoren ausgestattet. Im folgenden Jahr konnten insgesamt 12 Vögel erneut im Brutgebiet festgestellt werden. Während ein Vogel seinen Sender verloren hatte und zwei weitere Vögel sich nicht fangen ließen, konnten immerhin neun Vögel erneut gefangen und die Daten ihrer Logger ausgelesen werden. Leider stellte sich heraus, dass drei dieser Geolokatoren keinerlei Daten enthielten und weitere drei bereits im August nach der Beloggerung ausgefallen waren, also lediglich Erkenntnisse über den Abzug in den ersten Wochen ermöglichten. Immerhin drei Geolokatoren hatten jedoch vollständige Routen des Weg- und Heimzugs der Vögel erfasst.

Mit dem Verlassen der Brutplätze Ende Juli zogen fünf der sechs ausgewerteten Vögel südwestwärts über Mitteleuropa, während einer der Strandläufer südöstlich bis auf die Balkanhalbinsel flog, wo sein Geolokator leider ausfiel. Während des 10-27 Tage dauernden Zuges bis nach Nordafrika legten die Vögel 1-4 kurze Zwischenstopps von durchschnittlich vier Tagen ein. Anschließend rasteten die Vögel 11-20 Tage in Nordafrika, bevor die Sahara überquert wurde. Das während des Herbstzuges an insgesamt 22 Rastplätzen zwischen Skandinavien und Nordafrika gemessene Gewicht der Vögel war generell deutlich höher, als während der Brutzeit und variierte geographisch kaum.

Als Überwinterungsgebiet der norwegischen Temminckstrandläufer konnte das große Binnendelta des Niger in Mali ermittelt werden, wo die Vögel sich nach durchschnittlich 47 Tagen auf dem Zug ab Anfang September für mehr als sieben Monate aufhielten. Der Frühjahrszug setzte Ende April/Anfang Mai ein, auf dem die Vögel die Sahara erneut überquerten und ebenfalls Zwischenrastplätze im westlichen Mittelmeerraum nutzten. Die geringsten Gewichte wurden bei Vögeln gemessen, die auf dem Frühjahrszug auf Inseln im Mittelmeer rasteten. Dies verdeutlicht die kräftezehrende Überquerung natürlicher Barrieren, wie der Sahara und des Mittelmeeres.

Aufgrund der geringen Stichprobe der beloggerten bzw. auswertbaren Vögel, lassen die Daten der Studie keine Rückschlüsse auf mögliche Auswirkungen von Niederschlagsereignissen, lokaler Nahrungsverfügbarkeit oder weiterer Umweltbedingungen auf das Zugverhalten von Temminckstrandläufern zu. Weitere Untersuchungen werden hier hoffentlich zusätzliche Erkenntnisse bringen. Die Ergebnisse der Studie sind im Journal of Avian Biology veröffentlicht worden.

Weitere Informationen

  • Lislevand, T. and Hahn, S. (2015), Skipping-type migration in a small Arctic wader, the Temminck′s stint Calidris temminckii. Journal of Avian Biology, 46: 419–424. doi: 10.1111/jav.00653

Quelle: DDA 08/2015