Prognose für 2050: Plastikteile in bis zu 99% aller Seevogelmägen

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Plastikmüll stellt neben der direkten Aufnahme auch als Nistmaterial eine Gefahr für Seevögel dar
© Hans Glader

 

Die Verschmutzung der Ozeane durch Plastikmüll stellt ein weltweites Problem dar. Konzentrationen von bis zu 580.000 Teilen pro km² wurden nachgewiesen und die Verschmutzung steigt exponentiell weiter an. Die weltweite Produktion von Plastik verdoppelt sich derzeit alle elf Jahre. Obwohl bereits zahlreiche Studien Erkenntnisse über Auswirkungen auf die Tierwelt geliefert haben, gibt es bislang wenige systematische Risikobewertungen.

Im Rahmen einer Untersuchung der staatlichen Behörde Australiens für wissenschaftliche und industrielle Forschung CSIRO und des Imperial College London wurden 270 Studien zu Seevögeln aus den Jahren 1962 bis 2012 ausgewertet. Bei 80 von 135 (59%) in den betrachteten Studien untersuchten Seevogelarten wurde Plastik in der Nahrung nachgewiesen, durchschnittlich 29% der Individuen hatten Plastikteile in ihren Mägen. In einzelnen Vögeln wurden dabei bis zu 200 Teile gefunden. Der für Nahrung gehaltene und von den Vögeln aufgenommene bunte Plastikmüll kann zu Magenverschlüssen, Gewichtsverlusten und schließlich zum Tod der Vögel führen.

Während um 1960 gerade einmal bei 5% der untersuchten Vögel Plastik gefunden wurde, waren es 2010 bereits 80%. Hochgerechnet erwarten die Forscher, dass derzeit bereits rund 90% der Seevögel Plastik in sich tragen und diese Quote bis 2050 sogar bis auf 99% ansteigen wird.

Aus der Verbreitung und den Bestandstrends der Seevogelarten über die betrachteten fünf Jahrzehnte sowie der Verteilung des Plastikmülls haben die Forscher auch die Bereiche mit der größten Gefährdung für Seevögel durch die Verschmutzungen errechnet. Demnach sind besonders die südlichen Teile des Indischen, Pazifischen und Atlantischen Ozeans betroffen — Bereiche, die bislang eher als relativ unberührt angesehen wurden. Die größten Auswirkungen werden in der Tasmanischen See zwischen Australien und Neuseeland erwartet.

Zum ersten Mal wurde im Rahmen der in der amerikanischen Fachzeitschrift Proceedings of the National Academy of Sciences veröffentlichten Studie das weltweite Ausmaß der Gefährdung von Seevögeln durch Plastikmüll bewertet. Seevögel stellen hervorragende Indikatoren für den Zustand der marinen Ökosysteme dar. Es ist daher dringend notwendig die Verwendung von Plastik einzuschränken und die Verschmutzung durch besseres Abfallmanagement zu minimieren. Dass schon kleinere Maßnahmen effektiv sein können, zeigen beispielsweise Bemühungen zur Reduktion von Plastikmüll in Europa. Eine messbare Reduktion von Plastik in Seevogelmägen konnte hier bereits innerhalb von rund 10 Jahren erreicht werden.

Weitere Informationen

  • Chris Wilcox, Erik Van Sebille, and Britta Denise Hardesty. Threat of plastic pollution to seabirds is global, pervasive, and increasing. PNAS, August 31, 2015 DOI: 10.1073/pnas.1502108112