Augen und Ohren auf! Einflug von Gelbbrauen-Laubsängern

Gelbbrauen-Laubsänger stammen aus den Wäldern der Taiga zwischen Ochotskischem Meer und Ural. Die Art ist im Herbst ein jährlicher Gast in Europa, obwohl die Hauptüberwinterungsgebiete eigentlich in den Subtropen und Tropen Asiens liegen. Wohin die bei uns durchziehenden Gelbbrauen-Laubsänger fliegen, ist bisher weitgehend unbekannt. Die bereits lange Reise scheint aber weit nach Südwesten weiter zu gehen: Ein im Herbst 2013 auf Helgoland beringter Vogel konnte im Januar 2014 auf der Kanareninsel Lanzarote fotografiert werden. Die Gründe für das alljährliche Auftreten von Hunderten von Gelbbrauen-Laubsängern in Europa sind ebenfalls  noch nicht endgültig geklärt. Als mögliche Ursache wird unter anderem eine genetisch fixierte, anhaltende Missorientierung der Vögel genannt.

In diesem Jahr scheinen besonders viele Gelbbrauen-Laubsänger die südwestliche Route über Europa einzuschlagen: In Finnland wurden seit Anfang September rund 1.000 Gelbbrauen-Laubsänger festgestellt – normal waren es in den letzten Jahren im gesamten Herbst weniger als 300. Auf dem Weg nach Südwesten sollte zumindest ein Teil dieser Vögel auch über Deutschland fliegen.

Die meisten Feststellungen gelingen zwischen Mitte September und Mitte Oktober, meist in den Küstenregionen. Die bereits rund 200 Meldungen von Gelbbrauen-Laubsängern, die in diesem Herbst bei ornitho.de gemeldet wurden, zeigt die aktuelle Verbreitungskarte. Der erste Herbstnachweis 2015 gelang außergewöhnlich früh bereits Ende August. Es folgten Beobachtungen vor allem auf Helgoland (Tagessumme bis zu 17 Ind.) und entlang der Nordseeküste, aber auch an einigen Stellen im Binnenland. Das Maximum wird in der Regel Anfang Oktober erreicht. Jetzt ist also genau die richtige Zeit, um nach den seltenen Gästen zu suchen!

Gelbbrauen-Laubsänger können auf dem Durchzug eigentlich überall auftauchen, an Gewässern, am Waldrand, in Stadtparks oder sogar im eigenen Garten. Man sollte sich vor allem mit dem charakteristischen und häufig vorgetragenen Ruf vertraut machen (www.xeno-canto.org/species/Phylloscopus-inornatus), über den die Vögel oftmals erst auf sich aufmerksam machen. Vom Aussehen her ähneln die kleinen Laubsänger Goldhähnchen, unterscheiden sich farblich unter anderem aber durch den namensgebenden gelben Überaugenstreif. Als Ausnahmeerscheinung taucht auch der sehr ähnliche Goldhähnchen-Laubsänger hin und wieder in Deutschland auf. Er unterscheidet sich vom Gelbbrauen-Laubsänger vor allem durch einen auffällig gelben Bürzel sowie einen gelben Scheitelstreifen auf dem Kopf.

Viel Erfolg bei der Suche nach den sibirischen Gelbbrauen-Laubsängern wünscht

das Team von ornitho.de und ornitho.lu

 

Foto: Gelbbrauen-Laubsänger, Lutz Ritzel.

Quelle DDA