Offshore-Windparks: Neue Berechnungen zum Kollisionsrisiko von Basstölpeln

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Kenntnisse über die Flughöhe der Vögel spielen bei der Berechnung des Kollisionsrisikos mit Windkraftanlagen eine entscheidende Rolle.

© Hans Glader

In den nächsten Jahren ist vielerorts in Europa mit einem Anstieg an Offshore-Windenergieanlagen zu rechnen. Naturschützer warnen in diesem Zusammenhang vor einem erhöhten Kollisionsrisiko für Vögel. Eine entscheidende Rolle spielt dabei deren Flughöhe. Bisherige Untersuchungen stützten sich vorrangig auf Radarbilder sowie Beobachtungen von Schiffen aus begrenzten Untersuchungsgebieten. In einer nun im Journal of Applied Ecology veröffentlichten Studie wurden Basstölpel in einer der größten Kolonien der Welt auf Bass Rock im Südosten Schottlands mit GPS-Loggern und Luftdruckfühlern ausgestattet, um deren Nahrungsflüge dreidimensional analysieren zu können. Die unbewohnte Insel Bass Rock liegt weniger als 50 Kilometer von mehreren geplanten Offshore-Windparks entfernt.

Im Rahmen der Untersuchung wurde einerseits der von den Vögeln zur Nahrungssuche genutzte Raum erfasst und darüber hinaus die Flughöhe während unterschiedlicher Verhaltensweisen der Vögel sowie deren räumliche Variation. Anschließend wurde anhand der gewonnenen Daten das Kollisionsrisiko der Vögel modelliert.

Es stellte sich heraus, dass die Basstölpel auch in und um die geplanten Windparks Nahrung suchen. Während der Flüge zwischen Brutkolonie und Nahrungsgründen lag die Flughöhe mit durchschnittlich 12 Metern kaum in Bereichen höheren Kollisionsrisikos, doch während der aktiven Nahrungssuche stieg das Risiko deutlich an, da durchschnittliche Höhen von 27 Metern genutzt wurden. Den zwei derzeit geplanten Offshore-Windparks im Meeresarm Firth of Forth könnten Berechnungen zufolge jährlich rund 1500 adulte Brutvögel der Basstölpel-Kolonie von Bass Rock zum Opfer fallen. Diese Zahl liegt bis zu 12-fach höher als bisherige Berechnungen unter Berücksichtigung von Daten zur Flughöhe der Vögel.

Die Nutzung herkömmlicher Techniken zur Berechnung von Flughöhen könnte demnach zu einer deutlichen Unterschätzung der durch Windenergieanlagen zu erwartenden Schlagopfer führen. Die Forscher empfehlen daher die Nutzung von GPS und Luftdruckmessern, um die Flughöhe verhaltensspezifisch und räumlich differenziert zu erfassen. Die neuen Berechnungen der Opferzahlen, die eine langfristige Gefährdung für die Population bedeuten könnten, verdeutlichen den weiteren Bedarf umfangreicher Untersuchungen zum Kollisionsrisiko. Für Standorte mit erhöhtem Risikopotential wird außerdem eine Erhöhung der zulässigen Mindesthöhe der Rotorblätter von 22 auf 30 Meter über dem Meeresspiegel empfohlen.

Weitere Informationen

  • Cleasby, I. R., Wakefield, E. D., Bearhop, S., Bodey, T. W., Votier, S. C., Hamer, K. C. (2015), Three-dimensional tracking of a wide-ranging marine predator: flight heights and vulnerability to offshore wind farms. Journal of Applied Ecology. doi: 10.1111/1365-2664.12529