Dänemark statt Niederlande: Kurzschnabelgänse ändern ihre Zugstrategie

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Die Zahl der Kurzschnabelgänse an den traditionellen Rastplätzen in den Niederlanden ist in den letzten Jahren stark zurückgegangen
© Hans Glader

 

 

Der Südwesten der niederländischen Provinz Friesland gehört traditionell zu den wichtigsten Regionen für Kurzschnabelgänse in Europa. In diesem Jahr konnten bei der Wasservogelzählung der Organisation Sovon Vogelonderzoek Nederland Mitte Oktober jedoch gerade einmal rund 2200 Kurzschnabelgänse gezählt werden — der niedrigste Wert der vergangenen 30 Jahre. Bis vor etwa fünf Jahren waren in der Region schon einzelne Trupps dieser Größenordnung anzutreffen. Der niedrige Wert der aktuellen Zählung passt jedoch zum Trend der letzten Jahre.

Seit 2009 sind die Bestände der Kurzschnabelgans in den Niederlanden um rund 20% pro Jahr gesunken. Der Oktober war stets der Monat mit dem höchsten Rastbestand (z.B. 2009 noch rund 40.000 Vögel). Entgegen des negativen Trends der niederländischen Rastbestände hat die Population der Kurzschnabelgans im selben Zeitraum zugenommen. Die bedeutet, dass ein zunehmend kleinerer Anteil der Population bis in die Niederlande zieht. Während 2009 noch rund 60% aller Kurzschnabelgänse dort rasteten, lag der Anteil im Oktober 2015 bei weniger als 5%.

Gänse sind für eine hohe Rastplatztradition bekannt, zumindest einige Arten scheinen jedoch flexibel auf veränderte Bedingungen reagieren zu können. Der Bestandsrückgang in Friesland geht mit einem starken Anstieg der Zahlen in Dänemark einher. Dort entdeckten die Kurzschnabelgänse offenbar in den letzten Jahren das reiche Angebot an Maisstoppeln im Herbst. In Dänemark stiegen jedoch nicht nur die Anzahlen der Gänse, auch die Rastplätze dehnten sich deutlich weiter aus. Lagen diese bislang in einem schmalen Streifen entlang der Westküste, reichen sie nun bis zu 40 Kilometer ins Inland. Allabendlich suchen diese Gänse in beeindruckenden Trupps die Schlafplätze im dänischen Wattenmeer und an der Küste auf.

Dänemark wurde von den Kurzschnabelgänsen bislang vorwiegend als Überwinterungs- oder Zwischenrastplatz auf dem Weg in die Brutgebiete Spitzbergens aufgesucht, während sich die Vögel von Oktober bis Dezember in den Niederlanden und Belgien einfanden. Diese Zugstrategie scheint sich in den letzten Jahren verändert zu haben. Das Beispiel der Kurzschnabelgans zeigt eindrucksvoll wie sich Veränderungen in der Landnutzung auf Vogelarten und deren Zugverhalten auswirken können.

Quelle: Sovon.nl, 5.11.2015