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Erde erlebt sechste große Aussterbe-Welle

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Um sein Überleben kämpfen Vogelschützer seit Jahren: Der auf La Reunion endemische Newton-Raupenfänger rangiert unter den zehn seltensten Vogelarten der Erde.

Die Menschheit erlebt gegenwärtig einen regelrechten Tsunami des Aussterbens von Tierarten, die in ihrem Ausmaß die vorangegangenen fünf großen Aussterbe-Wellen in der Erdgeschichte in den Schatten stellen könnte. Zu diesem dramatischen Ergebnis kommt eine neue Studie aus den USA. Der US-Wissenschaftler Malcolm McCallum verglich für seine in Biodiversity Conservation publizierten Untersuchung das Ausmaß des Artensterbens seit 1800 beziehungsweise 1980 mit der großen Aussterbe-Welle am Ende der Kreidezeit vor etwa 65 Millionen Jahren, der auch die Dinosaurier zum Opfer fielen. Damals starben wahrscheinlich durch einen Asteroiden-Einschlag rund die Hälfte aller Wirbeltier-Gattungen und mehr als 70 Prozent der Wirbeltier-Arten aus. Für die Berechnungen zur gegenwärtigen Welle des Artensterbens griff der Autor auf die Daten der 2012 veröffentlichten Roten Liste der Internationalen Naturschutzunion IUCN zurück.
In verschiedenen statistischen Szenarien berechnet die Studie die Aussterberate sowohl auf Basis der tatsächlich seit dem Jahr 1500 bzw. 1980 ausgestorbenen Arten als auch unter Einbeziehung der Arten, die in der IUCN-Roten Liste in einer der Bedrohungskategorien von Ausgestorben bis zu Gefährdet rangieren und der Gruppe, über die nicht ausreichend Daten vorliegen (data deficient „dd“).

Die Ergebnisse sind ein Schrei nach Fortschritten im Artenschutz.
Die Ausrottung der Wirbeltierarten hat sich seit dem Jahr 1500 24- bis 85-fach schneller ereignet als während des Massensterbens in der Kreidezeit“, errechnete McCallum. Seit 1980 sei das Ausmaß des Aussterbens von Arten förmlich explodiert, warnt der Wissenschaftler.
Werden die gegenwärtig auf der Roten Liste geführten Arten sowie die „dd“-Arten für diese Berechnung als ausgestorben erachtet, erreichte das Ausmaß des Artensterbens sogar das 8.900- bis 18.500-fache des geschätzten Kreidezeit-Sterbens. „Diese extremen Werte und die hohe Geschwindigkeit, mit der die Biodiversität von Wirbeltieren zurückgeht, sind vergleichbar mit den Verheerungen früherer Aussterbe-Wellen.“ Sollte das Niveau des Artensterbens anhalten, sei dies ausreichend, ganze Wirbeltier-Gruppen in weniger als einem Jahrhundert auszurotten.

Für die Gruppe der Vögel errechnete McCallum auf Basis der seit 1500 ausgestorbenen Arten ein um 11 bis 78 Mal größeres Ausmaß des Artensterbens gegenüber des Kreidezeit-Sterbens. Unter Einbeziehung der Rote-Liste sowie der „dd“-Arten ergibt sich ein um 92- bis 793-fach größeres Ausmaß des Post-1500-Artensterbens gegenüber dem Kreidezeit-Ereignis. Hält das Artensterben im gleichen Tempo an, könnten alle Vogelarten der Studie zufolge in 23.400 bis 38.500 Jahren ausgestorben sein — abhängig davon, ob die Aussterberate seit 1980 oder seit 1500 zugrunde gelegt wird. „Wir rotten Tiere schneller aus, als es selbst der katastrophale Asteroiden-Einschlag zum Ende der Kreidezeit vermochte. Diese rasanten Verluste sind ohne Beispiel“, bilanziert der Autor.

Beitrag: Thomas Krumenacker

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  • McCallum, M.L. 2015: Vertebrate biodiversity losses point to a sixth mass extinction. Biodiversity and Conservation. DOI 10.1007/s10531-015-0940-6

 

Mittelmeer: 25 Millionen illegal getötete Zugvögel pro Jahr

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Rund 700.000 Feldlerchen werden alljährlich am Mittelmeer illegal getötet

© Peter Hering

 

Nach einer neuen Veröffentlichung von BirdLife International werden rund um das Mittelmeer jährlich viele Millionen Zugvögel gefangen oder geschossen. Unter den Staaten mit den höchsten Zahlen getöteter Vögel finden sich nicht nur Länder wie Syrien oder Libyen sondern auch einige europäische Nationen. So liegt Italien in der unrühmlichen Statistik mit rund 5,6 Millionen getöteten Vögeln pro Jahr nur knapp hinter Ägypten (5,7 Mio.). Ebenfalls hohe Zahlen wurden für Griechenland (0,7 Mio.), Frankreich (0,5 Mio.), Kroatien (0,5 Mio.) und Albanien (0,3 Mio.) ermittelt. Malta rangiert nicht unter den Ländern mit den höchsten Fangzahlen, doch bezogen auf die kleine Fläche des Landes, werden pro km² Fläche 343 Vögel getötet. Stellt man die Opferzahlen den Bevölkerungszahlen gegenüber, so liegt Zypern mit 196 pro 100 Einwohnern getöteten Vögeln vorne. Diese erschreckenden Zahlen zeigen den großen Bedarf, die EU-Vogelschutzrichtlinie zu erhalten und zu stärken.

In der Studie wurden auch die am meisten betroffenen Vogelarten ermittelt. Von den rund 25 Millionen Opfern entfallen mehr als 20 Millionen auf Singvögel. Es sind aber auch 1 Million Wasservögel sowie rund 700.000 Tauben und viele weitere Arten betroffen. Mit rund 2,9 Millionen getöteten Individuen rangiert der Buchfink deutlich auf Platz 1. Fangzahlen von über einer Million erreichen auch Mönchsgrasmücke (1,8 Mio.), Wachtel (1,6 Mio.) und Singdrossel.

Die im Rahmen der britischen Birdfair 2015, einer großen Messe rund um die Vogelbeobachtung, jüngst in einer Broschüre mit dem treffenden Namen „The Killing“ bekannt gegebenen Daten stellen nur eine Vorab-Information einer umfangreichen wissenschaftlichen Arbeit dar, die sich derzeit in Vorbereitung befindet.

Quelle: BirdLife International, 21.8.2015

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Windkraft versus Vogelschutz – Neue Dokumentationsstelle der Deutschen Wildtierstiftung

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Rotmilane geraten besonders oft ins Konfliktfeld zwischen Vogelschutz und Ausbau der Windenergie.
 © Martin Grimm

 

 

In den letzten Jahren mehrten sich Fälle von Zerstörungen von Großvogelhorsten und Fledermausquartieren, die mutmaßlich, teils nachweislich im Zusammenhang mit Windkraftplanungen standen. Die Deutsche Wildtierstiftung will solche Fälle nun deutschlandweit zusammentragen und dokumentieren. Dabei sollen neben der Häufigkeit solcher Fälle auch die hauptsächlich betroffenen Arten ermittelt werden.

Die Deutsche Wildtier Stiftung ist daher an jeglichen Hinweisen zu bewiesenen Vorfällen dieser Art interessiert. Ein entsprechender Meldebogen kann entweder zum Ausfüllen am PC oder zum Ausdrucken und Einsenden heruntergeladen werden.

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Vögel in Deutschland aktuell: Rückblick auf das Frühjahr 2015

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Zwergmöwe
© F. Sudendey

 

 

Das Frühjahr 2015 war — vergleichbar mit dem des letzten Jahres — insgesamt recht warm, sehr sonnig und fast überall viel zu trocken. Es gab jedoch beträchtliche regionale Unterschiede: Während die Mitte Deutschlands unter starker Trockenheit litt, regnete es im Norden, vor allem aber im äußersten Süden überdurchschnittlich viel. Ende März fegte zudem Orkan „Niklas“ mit Böen bis 150 km/h über uns hinweg. In unserem Beitrag über das Frühjahr 2015 in Der Falke betrachten wir einige Ereignisse in der Vogelwelt in den Monaten März bis Mai.

Anhand der Daten aus ornitho.de können wir die Ankunft der Zugvögel mittlerweile über vier Jahre miteinander vergleichen und der Frage nachgehen, ob einzelne Arten früher oder später zu uns zurückkehrten als in anderen Jahren. Sehr eindrucksvoll wird die Frühjahrsankunft von 25 häufigen und/oder weitverbreiteten Singvogelarten (inkl. Mauersegler) in Deutschland in den Jahren 2012 bis 2014 im Vergleich zu 2015 dargestellt. Bei der Dorngrasmücke deutet sich anhand der Beobachtungen von ornitho.de eine bereits durch die Vogelberingung ermittelte, schwach ausgeprägte Zugscheide durch die Mitte Deutschlands an.

Intensiver gehen wir in unserem Rückblick außerdem auf den Durchzug der Zwergmöwe ein. Die kleinste Möwe der Welt lässt bei uns vor allem im April/Mai sowie in deutlich geringerer Zahl auf dem Wegzug von Juli bis September beobachten. Durch die Stürme „Mike“ und „Niklas“ wurden in diesem Jahr ab dem 30. März ungewöhnlich früh zahlreiche Zwergmöwen bis tief ins Binnenland verdriftet.

Eines der eindrucksvollsten Ereignisse in diesem Frühjahr war das außergewöhnlich starke Auftreten von Rotfußfalken im südlichen Baden-Württemberg und Bayern. Bereits nördlich der Donau trat die Art hingegen nur ganz vereinzelt auf. Die Zusammenstellung der Meldungen aller ornitho-Portale ermöglicht einen aufschlussreichen Einblick zum großräumigen Verlauf des Einfluges. Auch mögliche Ursachen für das 2015 etwa fünfmal so starke Auftreten wie im Mittel der drei Vorjahre werden diskutiert.

Den Beitrag „Vögel in Deutschland aktuell: Frühjahr 2015: Zugvögel im Plan, Zwergmöwen vom Winde verweht und Rotfußfalken auf Abwegen“ in der Zeitschrift Der Falke können Sie hier als PDF herunterladen. Alle weiteren Beiträge finden Sie unter Publikationen und Auswertungen.

Das komplette Der Falke-Heft 08/2015 mit vielen weiteren Beiträgen, u.a. über Seevogelschutz in England, die illegale Jagd auf Weidenammern in China, Neues zum „Fahlkauz-Komplex“, interessante Vogelnamen aus anderen Sprachen sowie den Steinschmätzer und eine beeindruckende Auswahl von Fotos badender Vögel können Sie über die Internetseite von „Der Falke“ beziehen.

Viel Spaß beim Lesen wünscht das Team von ornitho.de und ornitho.lu!

Temminckstrandläufer auf dem Zug bis in afrikanische Winterquartiere verfolgt

Mehr als 5000 Kilometer liegen zwischen Brut- und Überwinterungsgebieten von TemminckstrandBild zur Meldungläufern.

 

 

 

Zum Zugverhalten und zur genauen Lage der Überwinterungsgebiete von Temminckstrandläufern war bislang nur relativ wenig bekannt. Im Rahmen einer Studie von Wissenschaftlern der Universität Bergen und der Schweizerischen Vogelwarte Sempach wurde nun das Zugverhalten von Temminckstrandläufern untersucht. Dabei wurden sowohl morphologische Daten der wissenschaftlichen Vogelberingung ausgewertet, als auch Vögel mit Hilfe von Geolokatoren auf ihrem Weg zwischen Brutgebiet und Winterquartier verfolgt. Es wurde angenommen, dass die Strandläufer entweder zahlreiche kurze Stopps einlegen und die Sahara mit relativ wenigen Reserven umfliegen oder nördlich der Sahara große Reserven aufbauen, um die Wüste direkt zu überqueren.

Insgesamt 30 Temminckstrandläufer wurden in den Jahren 2010 und 2011 an Brutplätzen in Norwegen mit ultraleichten Geolokatoren ausgestattet. Im folgenden Jahr konnten insgesamt 12 Vögel erneut im Brutgebiet festgestellt werden. Während ein Vogel seinen Sender verloren hatte und zwei weitere Vögel sich nicht fangen ließen, konnten immerhin neun Vögel erneut gefangen und die Daten ihrer Logger ausgelesen werden. Leider stellte sich heraus, dass drei dieser Geolokatoren keinerlei Daten enthielten und weitere drei bereits im August nach der Beloggerung ausgefallen waren, also lediglich Erkenntnisse über den Abzug in den ersten Wochen ermöglichten. Immerhin drei Geolokatoren hatten jedoch vollständige Routen des Weg- und Heimzugs der Vögel erfasst.

Mit dem Verlassen der Brutplätze Ende Juli zogen fünf der sechs ausgewerteten Vögel südwestwärts über Mitteleuropa, während einer der Strandläufer südöstlich bis auf die Balkanhalbinsel flog, wo sein Geolokator leider ausfiel. Während des 10-27 Tage dauernden Zuges bis nach Nordafrika legten die Vögel 1-4 kurze Zwischenstopps von durchschnittlich vier Tagen ein. Anschließend rasteten die Vögel 11-20 Tage in Nordafrika, bevor die Sahara überquert wurde. Das während des Herbstzuges an insgesamt 22 Rastplätzen zwischen Skandinavien und Nordafrika gemessene Gewicht der Vögel war generell deutlich höher, als während der Brutzeit und variierte geographisch kaum.

Als Überwinterungsgebiet der norwegischen Temminckstrandläufer konnte das große Binnendelta des Niger in Mali ermittelt werden, wo die Vögel sich nach durchschnittlich 47 Tagen auf dem Zug ab Anfang September für mehr als sieben Monate aufhielten. Der Frühjahrszug setzte Ende April/Anfang Mai ein, auf dem die Vögel die Sahara erneut überquerten und ebenfalls Zwischenrastplätze im westlichen Mittelmeerraum nutzten. Die geringsten Gewichte wurden bei Vögeln gemessen, die auf dem Frühjahrszug auf Inseln im Mittelmeer rasteten. Dies verdeutlicht die kräftezehrende Überquerung natürlicher Barrieren, wie der Sahara und des Mittelmeeres.

Aufgrund der geringen Stichprobe der beloggerten bzw. auswertbaren Vögel, lassen die Daten der Studie keine Rückschlüsse auf mögliche Auswirkungen von Niederschlagsereignissen, lokaler Nahrungsverfügbarkeit oder weiterer Umweltbedingungen auf das Zugverhalten von Temminckstrandläufern zu. Weitere Untersuchungen werden hier hoffentlich zusätzliche Erkenntnisse bringen. Die Ergebnisse der Studie sind im Journal of Avian Biology veröffentlicht worden.

Weitere Informationen

  • Lislevand, T. and Hahn, S. (2015), Skipping-type migration in a small Arctic wader, the Temminck′s stint Calidris temminckii. Journal of Avian Biology, 46: 419–424. doi: 10.1111/jav.00653

Quelle: DDA 08/2015

 

Wiesenvogelbestände in den Niederlanden weiter auf Talfahrt

 Die Feldlerchenbestände in den Niederlanden sind in den letzten 25 Jahren um 60 % zusammengebrochen

© Ralf KistowskiBild zur Meldung

 

 

Dass die Bestände zahlreicher Wiesenbrüter in weiten Teilen Europas stark abnehmen, ist bereits zahlreich behandelt worden. In einer gemeinsamen Studie des niederländischen Centraal Bureau voor de Statistiek (CBS) und Sovon Vogelonderzoek Nederland wurden nun die Bestände 1990 mit heutigen Anzahlen verglichen. Demnach zählen Feldlerche und Austernfischer zu den größten Verlierern, doch auch weitere einst häufige Arten haben starke Verluste erfahren. Eine Zunahme konnte lediglich bei der Reiherente festgestellt werden.

Uferschnepfe, Austernfischer, Löffelente, Feldlerche und Wiesenpieper zeigen seit den 1990er Jahren einen allmählichen aber deutlichen Rückgang. Die Bestände der Uferschnepfe haben sich seitdem halbiert, Austernfischer und Feldlerche sind sogar um 60 % zurückgegangen. Kiebitz und Wiesenschafstelze blieben bis zur Jahrtausendwende stabil, der Rotschenkel konnte sogar im Bestand zulegen. Seitdem hat jedoch auch bei diesen Arten ein deutlicher Rückgang eingesetzt.

Das Verschwinden der Wiesenvögel ist unzweifelhaft mit der Intensivierung der Landwirtschaft verbunden. Zum einen treten durch immer frühere und häufigere Mahd direkte Verluste von Gelegen und Jungvögeln auf, noch bedeutender sind jedoch Änderungen in der Landnutzung, die zum Verschwinden feuchter, kräuterreicher Wiesen führten. Durch fortwährende Zerschneidung der Landschaft und Vergrößerung der Siedlungsflächen gingen weitere Brutplätze verloren. Insgesamt verschwanden in den Niederlanden seit 1990 mehr als 150.000 Hektar Grünland, was einem Rückgang von über 14 % entspricht.

Auch der Prädationsdruck durch Arten wie Fuchs, Hermelin, Mäusebussard, Rabenkrähe oder Graureiher trägt zum Rückgang der Wiesenbrüter bei. Da einige dieser Arten im Bestand zunehmen, andere jedoch zurückgehen, ist es nur schwer zu ermitteln, inwiefern sich diese Gefährdung für die Vögel ändert.

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Vogelrazzia im Ruhrgebiet

Vogel-Razzia im Ruhrgebiet

Bei Vogelfänger D. in Bottrop beschlagnahmte DompfaffenBei Vogelfänger D. in Bottrop beschlagnahmte DompfaffenRecherchen des Komitees gegen den Vogelmord und des Journalistenbüros Correct!v haben die Polizei zu dem einschlägig vorbestraften Vogelhändler Otto D. aus Bottrop geführt. Der Vorwurf: Illegaler Fang und Verkauf einheimischer Singvögel in großem Stil. Der Mann war bereits vor 2 Jahren unter Verdacht geraten, jahrelang geschützte Singvögel auf seinem Grundstück gefangen und bundesweit verkauft zu haben. Bei einer Durchsuchung seiner Wohnräume wurden von der Polizei damals mehr als 150 wild gefangene einheimische Singvögel sichergestellt. Es handelte sich dabei um Stieglitze, Meisen, Buchfinken, Erlenzeisige, Dompfaffen, Mönchsgrasmücken und Kleiber. Bei der Aktion wurden auch mehrere Käfigfallen, Gerätschaften zur Manipulation von Zuchtringen sowie umfangreiche Korrespondenz mit anderen Vogelhaltern entdeckt und beschlagnahmt. Wegen Tierquälerei und Verstoß gegen das Bundesnaturschutzgesetz wurde D. Im April 2015 wurde per Strafbefehl zu einer Haftstrafe von einem Jahr auf Bewährung und zur Zahlung von 100.000 Euro an gemeinnützige Organisationen verdonnert.

Die Katze lässt das Mausen nicht…

Interview unerwünscht: Vogelfänger D. wehrt Journalisten ab (© Correct!v)Interview unerwünscht: Vogelfänger D. wehrt Journalisten ab (© Correct!v)Wer glaubt, dass eine solche Strafe abschreckend wirkt, hat auf das falsche Pferd gesetzt. Wenige Wochen, nachdem der Strafbefehl gegen D. rechtskräftig wurde, erhielten wir im Frühling den Hinweis, dass auf dem Grundstück des Händlers weiterhin Vögel gefangen werden. Um dem Mann endgültig das Handwerk zu legen, schlossen sich die Experten des Komitees mit Journalisten des renommierten Recherchebüros Correkt!v aus Essen zusammen, das auf verdeckte Ermittlungen und Aufnahmen mit versteckten Kameras spezialisiert ist. Als italienische Vogelhändler getarnt gelang es, Kontakt zu D. aufzunehmen und bei einem Testkauf im Juni 2015 rund ein Dutzend Buchfinken und Gimpel zu erwerben. Sämtliche Vögel wurden sofort in eine Pflegestation gebracht, wo ein staatlich anerkannter Gutachter attestierte, dass es sich wie vermutet um Wildfänge und nicht – wie von D. angegeben – um Nachzuchten handelte.

Die Falle schnappt zu

Experten stellen illegale Klappnetze im Garten des Beschuldigten sicher (© Correct!v)Experten stellen illegale Klappnetze im Garten des Beschuldigten sicher (© Correct!v)Als sich der Vogelfänger einige Wochen später erneut meldete und verkündete, wieder frische „Ware“ liefern zu können, wurde sofort die Stabsstelle Umweltkriminalität des Landes NRW in Düsseldorf eingeschaltet. Bei der anschließenden Hausdurchsuchung durch die Polizei wurden in D.´s Garten und Garage rund ein Dutzend Käfige mit frisch gefangenen Singvögeln und mehrere aktive Vogelfallen vorgefunden. Die Staatsanwaltschaft Essen hat deshalb nun ein neues Strafverfahren eingeleitet. Als einschlägig vorbestrafter Wiederholungstäter dürfte D. diesmal nicht so glimpflich davonkommen. Das Bundesnaturschutzgesetz sieht für gewerbs- und gewohnheitsmäßigen Fang und Handel mit illegal gefangenen Singvögeln einen Strafrahmen von bis zu 5 Jahren Haft vor. Für die bei D. beschlagnahmten Vögel hatte das Ganze übrigens ein happy end: Sie wurden im Juli alle gesund und munter in die Freiheit entlassen.

Wildfänge für das Finkenmanöver?

Wie die Recherchen von Correct!v und dem Komitee ergeben haben, hat Otto D. übrigens auch regelmäßig wichtige Funktionäre des umstrittenen Harzer Finkenmanövers mit Buchfinken beliefert. Insgesamt geht es um fast 100 Vögel. Das Finkenmanöver ist eines der ältesten Volks- und Kulturfeste im Harz, bei dem Vogelhalter den Gesang ihrer gezüchtete Buchfinken vorführen. Dieses Wettsingen hat in vielen Harzorten eine lange Tradition, welche alten Überlieferungen zufolge bis in das Spätmittelalter zurückreichen soll. Den Veranstaltern zufolge werden dabei heutzutage „selbstverständlich“ nur legal nachgezüchtete Vögel verwendet. Die Tatsache, dass ausgerechnet Vogelfänger D. einen großen Teil der Tiere für das Finkenmanöver geliefert hat, lässt allerdings genau das Gegenteil vermuten.

 

Quelle: CABS 2015

Vögel in Deutschland aktuell: Rückblick auf das Frühjahr 2015

Das Frühjahr 2015 war – vergleichbar mit dem des letzten Jahres – insgesamt recht warm, sehr sonnig und fast überall viel zu trocken. Es gab jedoch beträchtliche regionale Unterschiede: Während die Mitte Deutschlands unter starker Trockenheit litt, regnete es im Norden, vor allem aber im äußersten Süden überdurchschnittlich viel. Ende Oktober fegte zudem Orkan „Niklas“ mit Böen bis 150 km/h über uns hinweg. In unserem Beitrag über das Frühjahr 2015 in Der Falke betrachten wir einige Ereignisse in der Vogelwelt in den Monaten März bis Mai.

Anhand der Daten aus ornitho.de können wir die Ankunft der Zugvögel mittlerweile über vier Jahre miteinander vergleichen und der Frage nachgehen, ob einzelne Arten früher oder später

zu uns zurückkehrten als in anderen Jahren. Sehr eindrucksvoll wird die Frühjahrsankunft von 25 häufigen und/oder weitverbreiteten Singvogelarten (inkl. Mauersegler) in Deutschland in den Jahren 2012 bis 2014 im Vergleich zu 2015 dargestellt. Bei der Dorngrasmücke deutet sich anhand der Beobachtungen von ornitho.de eine bereits durch die Vogelberingung ermittelte, schwach ausgeprägte Zugscheide durch die Mitte Deutschlands an.

Intensiver gehen wir in unserem Rückblick außerdem auf den Durchzug der Zwergmöwe ein. Die kleinste Möwe der Welt lässt bei uns vor allem im April/Mai sowie in deutlich geringerer Zahl auf dem Wegzug von Juli bis September beobachten. Durch die Stürme „Mike“ und „Niklas“ wurden in diesem Jahr ab dem 30. März ungewöhnlich früh zahlreiche Zwergmöwen bis tief ins Binnenland verdriftet.

Eines der eindrucksvollsten Ereignisse in diesem Frühjahr war das außergewöhnlich starke Auftreten von Rotfußfalken im südlichen Baden-Württemberg und Bayern. Bereits nördlich der Donau trat die Art hingegen nur ganz vereinzelt auf. Die Zusammenstellung der Meldungen aller ornitho-Portale ermöglicht einen aufschlussreichen Einblick zum großräumigen Verlauf des Einfluges. Auch mögliche Ursachen für das 2015 etwa fünfmal so starke Auftreten wie im Mittel der drei Vorjahre werden diskutiert.

Den Beitrag „Vögel in Deutschland aktuell: Frühjahr 2015: Zugvögel im Plan, Zwergmöwen vom Winde verweht und Rotfußfalken auf Abwegen“ in der Zeitschrift Der Falke können Sie hier als PDF herunterladen. Alle weiteren Beiträge finden Sie unter Publikationen und Auswertungen.

Das komplette Falke-Heft 08/2015 mit vielen weiteren Beiträgen, u.a. über Seevogelschutz in England, die illegale Jagd auf Weidenammern in China, Neues zum „Fahlkauz-Komplex“, interessante Vogelnamen aus anderen Sprachen sowie den Steinschmätzer und eine beeindruckende Auswahl von Fotos badender Vögel können Sie über die Internetseite von „Der Falke“ beziehen.

Viel Spaß beim Lesen wünscht
das Team von ornitho.de und ornitho.lu!

 

Foto: Zwergmöwe. F. Sudendey

Quelle: DDA 2015

Alarmierend: Seevögelbestände gehen weltweit zurück

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Seeschwalben zeigten seit 1950 besonders starke Rückgänge
© Jan Goedelt

Populationen von Seevögeln sind gute Indikatoren für langfristige und großräumige Veränderungen mariner Ökosysteme. In einer Untersuchung des Projektes „Sea Around Us“ der Universität von British Columbia und der Pew Charitable Trusts wurden nun die Entwicklungen der weltweiten Seevogelbestände 1950-2010 verglichen. Insgesamt wurden dabei Daten von mehr als 300 Seevogelarten aus 13 Familien und von über 350 Küstenabschnitten ausgewertet. Geschätzte 19 % der weltweiten Seevogelbestände konnten somit berücksichtigt werden, sodass die ermittelten Trends die reale Entwicklung widerspiegeln dürften. Die Ergebnisse geben Grund zur Sorge, denn es wurde festgestellt, dass die Bestände insgesamt um rund 70 % zusammengebrochen sind. Die größten Rückgänge wurden dabei bei Seevogelfamilien festgestellt, deren Arten vorwiegend weit verbreitet sind oder die sehr große Aktionsräume haben, was auf eine weltweite statt kleinräumige Gefährdung hinweist. So gab es bei den Seeschwalben, die insbesondere auf dem Zug enorme Entfernungen zurücklegen, die größten Rückgänge, gefolgt von Fregatt- und Sturmvögeln. Zunahmen konnten bei Sturmschwalben, Alken und Tölpeln verzeichnet werden. Die Ergebnisse wurden in der internationalen Online-Fachzeitschrift PLOS ONE veröffentlicht.

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Etappensieg für Vogelschutz bei Windenergieausbau

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Für den Rotmilan wurde der empfohlene Abstand von Windrädern zum Nest von zuvor 1000 Metern auf 1500 Meter verschärft.
© Rosl Rößner

Im Konflikt um einen naturgerechten Ausbau der Erneuerbaren Energien haben Vogelschützer einen wichtigen Etappensieg errungen. Nach jahrelanger Verzögerung haben die Fachabteilungen der Länder-Umweltministerien nach Informationen des Journals DER FALKE grünes Licht für die Neufassung der von den Staatlichen Vogelschutzwarten erarbeiteten Abstandsempfehlungen für Windräder zu Vogelschutzgebieten und Nestern („Helgoländer Papier II“) gegeben. Damit dürfte der Artenschutz in Gerichtsverfahren gestärkt werden, denn schon das erste „Helgoländer Papier“ ist von Gerichten oft bei Entscheidungen als maßgebliche fachliche Orientierung herangezogen worden.

Die neue Empfehlungsliste legt Abstände fest, in denen um die Nester vieler besonders gefährdeter Vogelarten keine Windräder gebaut werden sollen. Für den vom Aussterben bedrohten Schreiadler sind dies 6000 Meter, für Seeadler und Schwarzstorch 3000 Meter. Während die Abstandsempfehlungen für viele Arten sogar zugunsten der Windstandorte abgesenkt wurden, empfehlen die Staatlichen Vogelschutzwarten für den Rotmilan einen Mindest-Abstand zwischen Windrädern und Nest von nun 1500 Metern gegenüber 1000 Metern in den bislang gültigen Vorgängerempfehlungen von 2007. Dies wird mit wissenschaftlichen Untersuchungen begründet, nach denen der Rotmilan besonders häufig Opfer von Kollisionen mit Windkraftanlagen wird. Hierzulande leben mehr als 50 Prozent aller Rotmilane, weshalb Deutschland sich international zu einer besonderen Verantwortung für den Erhalt der Art verpflichtet hat.

Die neue Empfehlungsliste wurde auf Basis aktueller wissenschaftlicher Untersuchungen unter anderem an Vögeln erstellt, deren genauen Flugwege man mit Hilfe von Satellitensendern erforscht hat, die den Tieren in einer Art Rucksack umgeschnallt wurden. Vor allem gegen die Ausweitung des Mindestabstandes bei Rotmilanen war die Windstrom-Industrie Sturm gelaufen.

Druck der Windindustrie auf Vogelschutzwarten
Der Freigabe des Papiers durch die Länderarbeitsgemeinschaft Naturschutz (LANA) der Landes-Umweltministerien war ein jahrelanges zähes Ringen vorausgegangen. Vor allem grün-regierte Ministerien hatten die Befassung mit dem Papier in dem höchsten Fachgremium der Ministerien und damit seine Veröffentlichung blockiert, berichtet DER FALKE in seiner an 30. März erscheinenden Aprilausgabe. Bei dem Treffen der Fachabteilungen der Landesumweltministerien wurde das Papier nach Informationen von DER FALKE in der vergangenen Woche nun „zur Kenntnis genommen“ und es wurde auf die Erteilung weiterer Änderungsaufträge verzichtet. Damit ist der Weg frei zur Veröffentlichung und Anwendung des Papiers durch die Vogelschutzwarten.
Auf Druck der Windindustrie wurden nach Recherchen von DER FALKE einige Formulierungen in dem Papier abgeschwächt. Statt von einem „Ausschlussbereich“ um ein Nest ist nun von einem „empfohlenen Mindestabstand“ die Rede, aus „fachlich erforderlichen“ wurden „fachlich empfohlene“ Abstände. Am gravierendsten sei aber die Hinhalte-Taktik einiger Länder gewesen, zitiert das Magazin aus Kreisen der Umweltministerien. „Die Verzögerung hat der Windlobby mehrere Jahre Zeit verschafft, Anlagen dort zu bauen, wo sie nach einstimmiger fachlicher Überzeugung schon seit Jahren nicht hätten gebaut werden dürfen“, sagte ein Insider aus einer Landesregierung im Gespräch mit DER FALKE. Auch vor der entscheidenden Sitzung in der vergangenen Woche hatten die grünen Umweltministerien von Rheinland-Pfalz und Niedersachsen nach DER FALKE-Informationen vergeblich eine Verschiebung der Befassung beantragt. Ungewöhnlicherweise wurde das Papier aber auch der Staatssekretärs-Konferenz der Länder zugeleitet, die im Mai tagt. Eine weitere politische Einflussnahme auf das Fachpapier ist dem Bericht zufolge damit nicht ausgeschlossen.

Quelle: Pressemitteilung DER FALKE vom 19.3.2015